„Go Trabi Go reloaded“ – Zwei Chiemgauer auf dem Weg durch den Osten

Tage neunzehn und zwanzig: Hello Wien, Goodbye Wien!

Schmalzgruber in WIen
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Die Jungs sind jetzt in Wien.

Deutschland - Auf geht‘s auf ein Abenteuer der besonderen Art. Simon Schmalzgruber nimmt uns mit auf einen Roadtrip nach Berlin, Prag und Wien - und das alles im Trabi. Derzeit sind die Jungs in Wien.

Wir überqueren die Stadtgrenze. Im dichten Verkehr stadteinwärts werden immer wieder Autofahrer und Fußgänger auf uns aufmerksam. Daumen gehen nach oben. Eine gute Dreiviertelstunde dauert es, bis wir an unserer Unterkunft unweit des Naschmarkts ankommen. Parkplätze sind keine frei. Also in den sauren Apfel beißen und rein in die Tiefgarage. Bei der Einfahrt lesen wir „1 Tag – 40 Euro“. „Geht's scheißen!“, wie der Wiener so schön sagt. Aber „es häift einfach, es häift nix!“ Kaum setzen wir einen Fuß nach oben, sind auch schon Andrea und Pauli, zwei der drei, die sich mit Tobi heute Abend Felix Lobrecht live gönnen, da. Ich habe leider kein Ticket bekommen, aber ich habe da schon einen Plan, was ich heute machen werde...

„Da ist ein Parkplatz frei!“, weist mich Tobi auf die neu entstandene Parkplatzsituation hin. Nachdem ich anfänglich gezögert habe, schalte ich vom einen auf den anderen Moment um und presche im Vollsprint und in Adiletten nach unten. Ich füttere den Gierschlund mit vier Euronen und fetze mit Schorsch durch die Tiefgarage. Oben angekommen, ist die Parklücke immer noch frei. „Ausgezeichnet!“, sage ich in der Stimme von Mister Burns als ich vollgeschwitzt aus dem Auto steige und forme mit den Händen ein Dach. Erst einmal tschechische Oblaten spachteln! Kurz darauf können wir die Zimmer beziehen. Imgroßzügigen Airbnb-Apartment sind fünf Schlafplätze vorhanden, zwei Doppelbetten und ein Luftbett.

Die Akteure auf dem Roadtrip

Simon Schmalzgruber ist gebürtiger Chiemgauer und schreibt wöchentlich unsere Wander-Tipps. Zusammen mit seinem Kumpel Tobi fährt er im Trabi Schorsch zunächst nach Berlin und macht sich dann auf den Weg nach Dresden Prag und Wien. Uns nimmt er mit auf seinen Roadtrip der besonderen Art.

Das besetze ich gleich mal. Erst einmal knacken! Nach einem ausgiebigen Nickerchen: Erstmal was essen. Haben wir ja so lange nicht mehr. Also machen wir vier uns erst einmal zum Viktualienkauf auf. Im Billa erwartet uns neben einem relativ dünnen Sortiment ein Regaleinräumer, der mit seinem Odeur wohl den Giftgasangriff auf Halabdscha nachspielen will. Denn trotz zehn Meter Sicherheitsabstand und Maske riecht es bestialisch nach Schweiß.

„Bitte nehmt mich mit, ab heute stink ich nicht mehr, Mama hat mir ein Deodorant gekauft!“ Siehste, selbst Milhouse Mussolini van Houten ist weiter als du! Zurück im Appartement wird aufgekocht. Vegane Spaghetti gibt’s, da Veganisten in unseren Reihen sind. Ein üppiges Mahl später ist unser Fünfter im Bunde immer noch nicht aufgetaucht: Vinz. Das Mannsbild, das zusammen mit Tobi in Regensburg studiert, muss sich noch vom Gardasee bis zu uns kämpfen. Kurz vor sieben ist es, als er endlich aufkreuzt. Jetzt aber Dalli! Eine halbe Stunde ist es noch, bis vier Comedians nacheinander auftreten werden.

Ich hingegen mache mich in die Stadt auf. Es geht gen Norden. Ziel: Donauinsel. Zuerst komme ich am Gebäude der Wiener Secession vorbei. Genau das, was auf der österreichischen 50-Cent-Münze zu sehen ist! Nächster Stopp ist der belebte Karlsplatz mit der Karlskirche, von der ich früher glaubte, sie wäre eine Moschee. Und tatsächlich muten die beiden Säulen wie Minarette an. Sieht man jedoch genauer hin, fühlt man sich woandershin erinnert: So weisen diese Ähnlichkeiten mit der Trajanssäule in Rom auf. Andererseits können sie auch als die beiden salomonischen Tempel Jachin und Boas gedeutet werden oder als die „Säulen des Herkules.“ Weiter geht’s in die Innenstadt. Bald ist der „Steffl“, also der Stephansdom erreicht. Hier steppt nach Sonnenuntergang noch ordentlich der Bär. Ich habe allerdings nur ein Ziel: Die Donauinsel. Denn „Insel muss Insel bleiben“, wie die Wiener Band „Turbobier“ in Zusammenarbeit mit Christopher Sailer treffend sang.

Dieses Lied war auch die Motivation, diesen entlegenen Ort aufzusuchen. Viereinhalb Kilometer später bin ich endlich da! In Richtung Tschechien sind die Leuchten einer aktiven Gewitterzelle zu sehen. Doch hier: Ruhe. Vergleichsweise wenige Menschen säumen das Ufer. Ich krache mir eine „Hüsn“, also eine Halbe in der Dose, auf.

Ich genieße die Aussicht auf die hellen Fassaden der Donau City, doch bald meldet sich mein Verdauungstrakt zu Wort. Ich sollte mich auf den Rückweg machen, sonst droht am letzten Abend noch ein Stuhlgewitter! 22.30 Uhr ist es bereits, als ich unser Appartement wieder erreiche. Drinnen erwarten mich schon die anderen vier, sichtlich angeheitert und amüsiert von Felix Lobrecht und Konsorten mit ihrer scharfzüngigen Comedy.

Beim nächtlichen Spaziergang

Auf der Toilette erfahre ich, dass wenige Stunden zuvor meine Austria 3:1 gegen St. Johann gewonnen und die Tabellenführung zurückerobert hat. Zur Feier des Tages ziehe ich erstmal mein Austria-Leiberl an, „Duftifein“ drauf und ich geselle mich zu den anderen. Es wird die berüchtigte „Picolo App“ ausgepackt. Es wird an der Eskalationsspirale gedreht, soso. Nach ein paar vor sich hinplätschernden Runden trifft ausgerechnet mich mein Spezialgebiet.

Die Frage lautet „Nenne asiatische Hauptstädte. Für jede richtige Antwort darfst du einen Schluck verteilen, machst du einen Fehler, trinkst du die Anzahl Schlücke an richtigen Antworten!“. Ich lasse die Finger knacken, denn jetzt wird’s böse für die Gesellen! Da ich mich als Kind schon sehr für Geographie interessiert und lieber in Atlanten als in Kinderbüchern geblättert habe, ist es für mich ein Leichtes, 30 Hauptstädte von Vientiane bis Duschanbe aufzuzählen. Heißt je sieben Schlücke für die Damen, je acht für die Buben. Kurze Zeit später machen wir lustigen fünf uns in die Stadt auf. Es ist schon bedeutend leerer und langsam, aber sicher werden die Bürgersteige hochgeklappt.

Alle bisherigen Reiseberichte findet Ihr hier:

Tag eins: Erster Stopp Regensburg - Im Sog der Stadtgeländewagen

Tag zwei: Ein Vegetarier in der Metzgerei / Das Abenteuer geht los

Tag drei: Ostdeutschland!

Tag vier und fünf: Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin!

Tag sechs: Unterwegs im Berliner Nachtleben: Der MBTI-Archipel

Tag sieben: Kreuzberg Nights

Tag acht: Fünf Heteros in der Schwulenbar

Tag neun: Den Blaulichtern nach!

Tag zehn: Im Rausch der Raver

Tage elf und zwölf: Zum Ausdruck bringt, was Eindruck schafft

Tag dreizehn: Es gibt immer ein erstes Mal!

Tag vierzehn: Andere Länder, andere Sitten!

Tag fünfzehn: Die Magie der „goldenen Stadt“

Tag sechzehn: Die Nacht zum Tag gemacht

Tag siebzehn: Geronimo!

Tag achtzehn: Děkuji, Česká republika!

Eine Bar hat noch auf, doch auch hier gibt es die „letzte Runde“. Während die anderen Helles, beziehungsweise Aperol Spritz ordern, gibt es für mich ein Spezialbier aus einemkomischen 0,7 Liter-Glas. Schmeckt aber gut! Etwas später müssen wir die Bar auch schon wieder verlassen. Die am frühen Abend noch so belebte Innenstadt ist nun tot. Nur vereinzelt schleichen noch Schmittchens herum. Es fängt zu regnen an, also geht es schnellen Schrittes zurück ins Airbnb. Schlafen!

6. September: Der letzte Tag. Pauli ist schon um acht verschwunden, also sind nur noch Vinz, Andrea, Tobi und ich übrig. Vom Hunger getrieben kehren wir in den Swing-Burger quasi direkt unter uns ein. 9,40 für ein Magentratzermenü ist happig!

But well, that's Vienna! Aber dafür schmeckt der vegane Burger dem Preis entsprechend auch recht gut. Die Cola hingegen besteht mehr aus Wasser als aus Cola. Nach dem Mahl verabschiedet sich Vinz von uns. Für ihn geht’s nun nach Hause, nach Garmisch. Zusammen mit Andrea wandeln wir noch ein bisschen durchs verregnete Wien. Es muss am Wetter liegen, denn auf einmal bekomme ich einen Gefühlsausbruch, der erst einmal anhält. Um mich wieder ein bisschen zu beruhigen, mache ich einen Abstecher in den Stephansdom.

Hier wird grad Messe gefeiert, sodass ich beschließe, nicht lange zu stören. Es ist zwischen 12 und 13 Uhr, als wir uns auch von Andrea verabschieden müssen. Nicht recht viel später satteln wir Schorsch ein letztes Mal. Noch einmal kräftig Wiener Musik pumpend ziehen wir aus der Donaumetropole hinaus. Wie gerne wäre ich noch länger geblieben! Doch das Budget geht zuneige, außerdem beginnt für mich in zwei Tagen die Schule.

„Es häift einfach nix!“ Zuerst geht es in den Wienerwald. Strömender Regen prasselt auf Schorsch hernieder. Erschwerte Bedingungen, doch wenn Schorsch 1.800 Kilometer durch Buckelpisten im deutschen und tschechischen Hinterland schafft, schafft er das auch noch! À propos Buckelpiste: Wir verfahren uns und landen auf der Schnellstraße. Nein, ich habe immer noch keinen Bock auf Maut! Also die nächste Stichstraße raus und einmal noch kommt Rallyefeeling auf: Die Straße ist hundsmiserabel und bei durchdrehenden Reifen, einem Wechselspiel zwischen erstem und zweitem Gang und Drehzahlen im Fünf- bis Sechstausenderbereich kommt nochmal Rallyefeeling auf.

Ich habe direkt Angst, dass mir die tiefen Schlaglöcher den Auspuff und den Katalysator absäbeln. Doch alles noch einmal gut gegangen. Puh! Dem Auf und Ab des Wienerwalds entflohen nehmen wir schon bald Kurs auf die niederösterreichische Hauptstadt St. Pölten. 55.514 Einwohner zählte die Stadt am 1. Jänner 2020. Fast eine Schnapszahl! Doch so schnell wie wir in die Stadt einfahren sind wir auch schon wieder draußen. Nächste Stadt ist Melk mit seinem imposanten barocken Stift, das zum UNESCO-Welterbe gehört und das Wahrzeichen der Wachau ist. Leider liegt es zu steil auf der linken Straßenseite, sodass ein Fotografieren nicht möglich ist. Nächstes Ziel ist Amstetten. Die Stadt, die durch Josef Fritzl zweifelhaften Ruhm erlangte...

Das Donautal wieder verlassend geht es im Auf und Ab in Richtung Steyr. Der Traunstein, ein weithin sichtbarer Berg, zeigt sich! Da diese exponierte Landmarke auch vom Hochberg, dem Hausberg der gleichnamigen Stadt, sichtbar ist, sind es jetzt weniger als 150 Kilometer Luftlinie bis nach Hause! Kurz darauf erreichen wir Steyr, ein altes Industriezentrum in Oberösterreich. Einmal noch volltanken und weiter geht’s! Nach Bad Hall und Kremsmünster geraten Tobi und ich noch in einen Disput, schließlich möchte ich weiterhin stur nach Karte fahren. Tobi möchte allerdings schnellstmöglich nach Hause.

Nach einem Panthersprung nach Vorchdorf lenke ich ein und wir finden uns nicht recht viel später in Vöcklabruck wieder. Gut 30 Kilometer später sind wir schon in Straßwalchen angelangt. Kurz das Salzburgerland gestriffen sind wir die letzten Kilometer noch in Oberösterreich unterwegs. In Oberndorf über die Salzach, nun sind wir endlich wieder in Deutscheland! In Fridolfing angekommen hat Tobis Mama Margit schon für uns aufgekocht.

Tut es gut, nach knapp über 300 Kilometern am Stück was in den Magen zu bekommen! Ein bisschen verweile ich noch bei den Ermels, dann geht es die letzten Kilometer alleine nach Traunreut. Dort, wo es vor zweieinhalb Wochen anfing, endet es nun also wieder. Schorsch röhrt ein letztes Mal auf, jetzt hat er sich ein paar Tage Pause redlich verdient! Erschöpft, aber glücklich falle ich in mein Bett. Was für eine Reise! Das war: „Go Trabi Go – Zwei Chiemgauer auf dem Weg durch den Osten“!

Liebe Leser, schön, dass ihr dabei wart!

Musiktipps des Tages: Falco – Vienna Calling

Granada – Ottakring

Turbobier – Insel muss Insel bleiben feat. Christopher Seiler

Schmalzgruber

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