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Virologe stellt klar: So gefährlich ist das Affenpocken-Virus wirklich

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Von: Martin Weidner

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Affenpocken Bild
Diese vom Robert Koch-Institut (RKI) zur Verfügung gestellte elektronenmikroskopische Aufnahme zeigt das Affenpockenvirus. In Großbritannien sind vier weitere Fälle von Affenpocken erfasst worden. © Andrea Männel/dpa/Robert-Koch-Institut (RKI)

Berlin – Kürzlich mahnte das Robert-Koch-Institut (RKI) die Ärzte in Deutschland zur Vorsicht im Umgang mit dem Affenpocken-Virus. Doch wie gefährlich ist diese Krankheit wirklich? Ein Top-Virologe hat nun Stellung dazu bezogen.

Reiserückkehrern aus bestimmten Gebieten in Afrika und insbesondere Männern, die mit Männern Sex haben, wurde in der RKI-Mitteilung geraten, bei ungewöhnlichen Hautausschlägen unverzüglich einen Arzt aufzusuchen. rosenheim24.de hatte bereits darüber berichtet.

Angesichts der dramatischen Entwicklung bei der Corona-Pandemie fragen sich natürlich jetzt viele Menschen: Ist das Affenpocken-Virus wirklich so gefährlich? Dazu hat sich nun Epidemiologe Klaus Stöhr geäußert – und dabei auch das RKI kritisiert. „Das Reservoir dieser Viren sind nicht die Affen. Affen sind sogenannte Fehlwirte, also Zwischenüberträger. Bei Affen hat man nur zuerst eine pockenähnliche Erkrankung festgestellt, daher der Name. Der ist viel älter als die Feststellung, dass es sich um ein anderes Virus als das der humanen Pocken handelt. Höchstwahrscheinlich kommen die Viren aus kleinen Nagern“, sagte Stöhr der Bild-Zeitung und erläuterte, dass es das RKI in seiner Warnung versäumt habe, klarzustellen, dass diese Viren in Europa schon seit Jahrzehnten bekannt sind.

Klinisch nicht von „regulären“ Pocken unterscheidbar

Das Problem sei vielmehr, dass die Affenpocken-Viren klinisch nicht von den regulären Pocken zu unterscheiden seien, so Stöhr weiter. Die Pocken gelten eigentlich seit 1980 in Deutschland und Europa als ausgerottet. Stöhr gab jedoch Entwarnung. Er hält dieses Virus für „gesundheitlich irrerelevant“. „Weil erstens nur ganz, ganz wenige Menschen weltweit erkranken. In Deutschland meines Wissens noch niemand in den letzten Jahrzehnten. Und zweitens: Wenn jemand erkrankt, ist die Chance eins zu hundert, dass er schwer erkrankt oder gar stirbt“, so Stöhr. Zur Veranschaulichung nannte der Virologe einen Vergleich: „Die Chance, an Affenpocken zu erkranken, ist kleiner, als vom Blitz getroffen zu werden. Davon gab es im letzten Jahr rund 50 Fälle, keinen von Affenpocken.“

Das Thema war aktuell geworden, nachdem sich in Großbritannien die Zahl der erfassten Fälle der seltenen Erkrankung nach Angaben der Gesundheitsbehörde UK Health Security Agency (UKHSA) von Montag auf sieben erhöht hatte. Verbindungen zwischen Betroffenen waren nur teilweise bekannt. Teils sei unklar, wo sich Betroffene angesteckt haben. Bei vier jüngst gemeldeten Fällen handele es sich um Männer, die sexuellen Kontakt mit anderen Männern hatten. Angeblich haben sie sich in der britischen Hauptstadt London angesteckt. Die erste Infektion, die Anfang Mai in Großbritannien bekannt geworden war, soll hingegen auf eine Ansteckung in Nigeria zurückgehen.

Die Virus-Erkrankung ruft nach Angaben der UKHSA meist nur milde Symptome hervor, kann aber auch schwere Verläufe nach sich ziehen. Nach UKHSA-Angaben zählen zu den ersten Krankheitsanzeichen: Fieber, Kopf-, Muskel- und Rückenschmerzen, geschwollene Lymphknoten, Schüttelfrost und Erschöpfung. Es könne sich ein Ausschlag entwickeln, der sich oft ausgehend vom Gesicht auf andere Körperteile ausbreite, ähnlich wie bei den Windpocken.

mw

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