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Entertainer, TV-Koch und Talkmaster gestorben

Eine Marke mit drei Buchstaben tritt ab: TV-Legende Alfred „Bio“ Biolek (†87) ist tot

Alfred Biolek gestorben
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Alfred Biolek ist im Alter von 87 Jahren gestorben.

Köln - Alfred Biolek ist tot. Der frühere Entertainer, Fernsehmoderator, TV-Koch und Talkmaster starb am Freitagmorgen (23. Juli) in Köln.

Er sei dort in seiner Wohnung friedlich eingeschlafen, sagte sein Adoptivsohn Scott Biolek-Ritchie der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Biolek war seit längerem gesundheitlich angeschlagen gewesen. Er wurde 87 Jahre alt. Biolek gilt als einer der Pioniere der Talk- und Kochshows in Deutschland. Er war eng mit dem WDR verbunden. Mit Rudi Carrell entwickelte er dort zum Beispiel die Samstagabendshow „Am laufenden Band“, die erfolgreichste Sendung der 1970er Jahre. Parallel sammelte er im „Kölner Treff“ erste Moderationserfahrung und bekam 1978 seine eigene Sendung, „Bio‘s Bahnhof“.

30 Jahre im deutschen Fernsehen präsent

Danach war er im deutschen Fernsehen 30 Jahre ständig präsent. Er war eine eigene Marke mit drei Buchstaben: Bio. Seine Ära endete erst 2007 mit der letzten Folge der Kochsendung „alfredissimo“, in der er viele Jahre lang mit Gästen am Herd gestanden, geplaudert und Wein verkostet hatte. „Meine Zeit ist jetzt zu Ende“, sagte er damals.

2010 zog er sich bei einem Sturz von einer Wendeltreppe schwere Schädelverletzungen zu und fiel ins Koma. Seitdem hatte er recht zurückgezogen in Köln gelebt.

Bioleks Karriere heute wohl undenkbar

Der Anwaltssohn Biolek wurde 1934 in Freistadt - heute Tschechien - geboren und verlebte eine behütete Kindheit in einem großbürgerlichen katholischen Elternhaus. Nach dem Krieg floh die Familie in den Westen, und wie sein Vater studierte Biolek Jura und promovierte zum Doktor der Rechtswissenschaften.

Bioleks Karriere wäre heute undenkbar. Als Justiziar begann er 1963 beim neugegründeten ZDF, wechselte aber bald darauf ins Redaktionelle. Bei seinem ersten Auftritt vor der Kamera gab er „Tipps für Autofahrer“. 1970 wechselte er zum WDR. Parallel zu der Show „Am laufenden Band“ sammelte er im „Kölner Treff“ erste Moderationserfahrung und bekam 1978 seine eigene Sendung, „Bio‘s Bahnhof“. Danach war er im deutschen Fernsehen 30 Jahre ständig präsent. Allein seine Talkshow „Boulevard Bio“ lief zwölf Jahre lang. Seine Ära endete erst 2007 mit der letzten Folge der Kochsendung „Alfredissimo“.

Das Leben von Alfred Biolek in Bildern

Biolek und Dalai Lama
Der Dalai Lama (l), weltliches und geistiges Oberhaupt der Tibeter, verabschiedet sich am Dienstag (15.06.99) in Köln nach der Aufzeichnung der Sendung „Boulevard Bio“ von seinem Gastgeber Alfred Biolek. Die 326. Sendung der Reihe „Boulevard Bio“ läuft am Dienstag (15.06.99) um 23 Uhr in der ARD. dpa  © dpa/ Horst_Ossinger
Alfred Biolek und Helmut Kohl
Der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU, r) prostet am 10.09.1996 in der Sendung „Boulevard Bio“ Talkmaster Alfred Biolek zu.  © dpa/ Roland Scheidemann
 Biolek in Köln
Scott Biolek-Ritchie (l), Adoptivsohn von Alfred Biolek, und Alfred Biolek stehen zusammen in einem Restaurant. (23.03.2020) © dpa/ Oliver Berg
Putin und Schröder bei Biolek
Bundeskanzler Gerhard Schröder (r) und der russische Präsident Wladimir Putin (M) sind am Dienstag (09.04.2002) im Nationaltheater von Weimar Gäste von Alfred Biolek (l): Am Rande ihrer Konsultationen waren die beiden Regierungschefs zu Gast in der ARD-Talkshow „Boulevard Bio“.  © dpa/ George_Bockemühl
TV-Moderator und Autor Alfred Biolek
Der TV-Moderator Alfred Biolek präsentiert in Berlin sein Buch „Bio. Mein Leben“ (Archivfoto vom 24.09.2006). Einer der letzten «Dinosaurier» der bundesdeutschen Fernsehunterhaltung zieht sich vom Bildschirm zurück und kommt ins Erzählen. Alfred Biolek hielt Rückschau auf vier Jahrzehnte vor und hinter der Kamera und nennt die Gespräche, die er mit dem jungen Mitautor Veit Schmidinger geführt hat, schlicht «Bio - Mein Leben». Dabei reichen die Erinnerungen des studierten Juristen mit dem frühen Talent zum Clownesken bis in die Kindheit und das Elternhaus zurück.  © dpa/ Soeren Stache
Entertainer Alfred Biolek gestorben
Der Moderator Alfred Biolek (r) präsentiert in seiner Unterhaltungssendung „Bio‘s Bahnhof“ den weltberühmten Entertainer Sammy Davis jr. Alfred  © dpa/ Horst Ossinger
"Reminders Day Award" an Biolek
Fernseh-Entertainer Alfred Biolek hält den „Reminders Day Award 2009“ am Samstag (12.09.2009) im Roten Rathaus in Berlin. Für sein Engagement gegen die Immunschwächekrankheit wurde Biolek geehrt, der sich für unterschiedliche Hilfsprojekte einsetzt. Mit der Benefizgala wollen die Veranstalter im Rahmen der gemeinnützigen Aktion „Vergessen ist ansteckend“ auf die Brisanz der tödlichen Immunschwächekrankheit AIDS hinweisen.  © dpa/ Hannibal Hanschke
Britney Spears bei "Boulevard Bio"
Alfred Biolek präsentiert sich vor der Aufzeichnung von „Boulevard Bio“ mit seinem Gast, der Pop-Ikone Britney Spears, am Dienstag (15.01.2002) in Köln den Fotografen. Britney Spears hält sich für einige Tage im Rahmen einer Promotion-Tour in Köln auf. dpa/lnw © dpa/ Jörg_Carstensen
Entertainer Alfred Biolek gestorben
Die Moderatoren Alfred Biolek (l) und Thomas Gottschalk freuen sich über den Deutschen Fernsehpreis. Alfred Biolek (l) nimmt am Samstag (26.09.2009) den Ehrenpreis des Deutschen Fernsehpreises von Monika (r) und Benjamin aus Nairobi entgegen.  © dpa/ Jörg Carstensen
WDR Treff 2013
Die Schauspielerin Hannelore Elsner und Moderator Alfred Biolek posieren am 18.04.2013 in Köln (Nordrhein-Westfalen) beim „WDR Treff“. Der Fernsehsender lädt traditionell Persönlichkeiten aus Politik, Kultur, Sport, Wirtschaft und Gesellschaft zum „WDR-Treff“ ein.  © dpa/ Henning Kaiser
Alfred Biolek erhält Kaiser-Augustus-Orden
Stefan Feltes(l) und Andreas Peters(r) von der Arbeitsgemeinschaft Trierer Karneval verleihen am 05.01.2013 an Fernsehmoderator Alfred Biolek im Rahmen der Gala der Arbeitsgemeinschaft Trierer Karnevalsvereine in der Europahalle in Trier (Rheinland-Pfalz) den Kaiser-Augustus-Orden. Der Preis wird von 17 Kooperationen gemeinsam verliehen und ist mit 5555,55 Euro für eine soziale Einrichtung verbunden. Biolek wird vor allem für seine Arbeit in der nach ihm benannten Stiftung geehrt.  © dpa/ Thomas Frey
Sommerfest des Bundespräsidenten
Moderator Alfred Biolek (r) und und Kabarettist Dieter Hallervorden unterhalten sich am Freitag (19.06.2009) im Garten des Schlosses Bellevue in Berlin auf dem Sommerfest des Bundespräsidenten. Das Staatsoberhaupt hatte Gäste aus Politik, Wirtschaft und dem öffentlichen Leben zur traditionellen Gartenparty geladen.  © dpa/ Wolfgang Kumm
16. RTL-Spendenmarathon für Not leidende Kinder
Der ehemalige Boxer Henry Maske, Moderator Wolfram Kons, Moderatorin Jana Ina, Moderator Alfred Biolek, Tennisstar Boris Becker und Komiker Atze Schröder (l-r) stehen am Freitag (18.11.2011) am Ende des 16. RTL-Spendenmarathons im Fernsehstudio in Hürth bei Köln hinter Kindern. RTL teilte am Abend mit, dass mit mehr als 8,5 Millionen gespendeten Euro eine Bestmarke erreicht und die 100-Millionen-Marke geknackt wurde. Seit dem Start des Spendenmarathons 1996 seien mehr als 101 Millionen Euro für notleidende Kinder zusammengekommen. Foto:  © dpa/ Henning Kaiser
Biolek und Heino drücken Daumen für deutsche Fußballer
Mit schwarz-rot-goldenen Papiergirlanden drücken Talkmaster Alfred Biolek (M) und seine Gäste, Volksmusikstar Heino (l) und seine Frau Hannelore, am Montag (18.06.2012) in der «Komödie» in Düsseldorf die Daumen für die deutsche Elf bei der Fußball-Europameisterschaft. Biolek hatte das Paar zu seiner monatlichen Gesprächsrunde «BIOgramm» eingeladen.  © dpa/ Horst Ossinger
Steiger Award 2010 - Biolek
Moderator Alfred Biolek freut sich am Samstag (13.03.2010) beim Steiger Award in der Jahrhunderthalle in Bochum über die Auszeichnung in der Kategorie „Medien“. Mit dem Steiger Award werden Persönlichkeiten aus dem In- und Ausland geehrt, die sich den Tugenden des Steigers verbunden fühlen. Dazu gehören Geradlinigkeit, Offenheit, Menschlichkeit und Toleranz.  © dpa/ Rolf Vennenbernd

Kenner der Kulturszene und „stockschwul“

„Bio“ war ein enormer Kenner der Kulturszene nicht nur in Deutschland, sondern zum Beispiel auch in den USA, in England und den Niederlanden. Er war es, der Monty Python und Herman van Veen nach Deutschland holte, der zum ersten Mal Sting im Ersten auftreten ließ. In seiner Wohnung in Köln empfing er Weltstars wie Tina Turner zum Essen.

Mit seiner Homosexualität hat sich Biolek lange schwer getan. Erst im Alter von etwa 30 Jahren gestand er sich selbst ein, dass er schwul war, gab bei dieser Gelegenheit all seine Anzüge in die Altkleidersammlung und trug eine Zeit lang nur noch Pullover und Lederjacke. Öffentlich sprach er nie darüber. Sein Outing übernahm ein anderer: Der Filmemacher Rosa von Praunheim verkündete 1991 in einer RTL-Sendung, Biolek sei „stockschwul“.

Tragischer Unfall verändert sein Leben

Lange war Biolek ein fester Bestandteil der Berliner Gesellschaft. Wenn er eines seiner rauschenden Feste gab, kamen alle: der Regierende Bürgermeister, der Ex-Kanzler, der Bundespräsident. Doch dann veränderte sich sein Leben von einem Tag auf den anderen: 2010 stürzte er auf der Treppe, zog sich Kopfverletzungen zu und fiel ins Koma. Danach war sein Gedächtnis weg. Erst beim Lesen seiner Autobiografie kehrte die Erinnerung zurück.

Anschließend zog er nach Köln zurück und verschwand aus der Öffentlichkeit. „Mir war aufgefallen, dass ich in Berlin zwar sehr viele Bekannte hatte, meine richtigen Freunde aber überwiegend in Köln wohnen.“ Von seiner Wohnung aus blickte er über die Wipfel des Stadtgartens mit uralten Bäumen. Dort ging er immer spazieren und sah den Kindern einer nahe gelegenen Schule zu, die dort die Pause verbrachten. Einen Partner hatte er nicht mehr, aber sein Adoptivsohn Scott und seine Freunde kümmerten sich liebevoll um ihn. Angst vor dem Tod hatte der Katholik nicht. Einmal sagte er der Deutschen Presse-Agentur (dpa): „Ich habe das Gefühl, ich werde den Tod genauso entspannt erleben wie alle Dinge in meinem Leben.“

mw (mit Material von dpa)

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