“Ich war schon immer ein Freund des...“

Fund in Bayern stellt Evolutionstheorie auf den Kopf - Rockmusiker fühlt sich geehrt

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Fossilien aus Bayern wurden analysiert. Kam der erste aufrecht gehende Menschenaffe aus Bayern?
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Ein sensationeller Fund im Allgäu schlägt hohe Wellen. Er stellt die bisherigen Annahmen zur Evolution auf den Kopf.

  • 2015 wurden im Ostallgäu ein Fossilien entdeckt.
  • Die Analyse brachte überraschende Erkenntnisse.
  • Jetzt hat sich auch ein Rockmusiker geäußert, er fühlt sich geehrt.

Update vom 8. November, 9.45 Uhr: Musiker Udo Lindenberg fühlt sich geehrt von den Forschern, die dem Fossil einer bislang unbekannten Menschenaffenart den Beinamen „Udo“ gegeben haben. „Ich war schon immer ein Freund des aufrechten Gangs“, sagte der 73-Jährige der Deutschen Presse-Agentur in Hamburg.

Denn „Udo“ könnte die bisherige Sichtweise auf die menschliche Evolutionsgeschichte grundlegend in Frage stellen: Nach Einschätzung der Wissenschaftler weist sein Skelett darauf hin, dass sich der aufrechte Gang in Europa entwickelt hat - nicht wie bisher angenommen in Afrika. Und das auch noch deutlich früher als bekannt.

„Für die Wissenschaft ist es eine Sternstunde - für mich eine große Ehre“, sagte der in Hamburg lebende Musiker. „Big Grattu und dickes Dankeschön dem Team um Madelaine Böhme.“ Für Lindenberg passt „Udo“ perfekt: „UDO wie Urzeitlich Definiertes Optimalmodell - wie eine Blaupause für den neuzeitlichen Panik-Schleicher.“ Auch sei der Ort Lindenberg im Allgäu gar nicht so weit weg vom Fundort bei Pforzen. „Udo von gestern, von heute und von übermorgen - hier kreuzen sich unsere Wege.“ Noch dazu habe er schon 1982 auf dem Album „Keule“ den Song „Urmensch“ veröffentlicht und sich als solcher auch auf dem Plattencover gezeigt.

Nach Fossilien-Fund: Gemeinde Pforzen möchte Fundstätte nachhaltig sichern

Update vom 7. November, 15.22 Uhr: Nach dem Fund einer bislang unbekannten Primatenart im Allgäu möchte die Gemeinde Pforzen die Fundstätte nachhaltig sichern.  „Dafür braucht es einen runden Tisch mit dem Landratsamt und Privatbesitzern der Grube“, sagte der zweite Bürgermeister der Gemeinde, Josef Freuding (parteilos), am Donnerstag. Die Grube gehöre einem Bauunternehmen, erste Gespräche mit der Firma habe es bereits gegeben. Denkbar sei zum Beispiel ein kleines Dokumentationszentrum, so Freuding.

„Wir wollen einen Weg finden, die Fundstelle langfristig zu sichern und den Abbau weiterzuführen.“ Die rund 2300-Einwohner-Gemeinde war von der Gesamtdimension des Fundes überrascht. „Bei uns hat die Nachricht wie eine Bombe eingeschlagen.“ Es sei nun Aufgabe der gesamten Region das geschichtsträchtige Erbe zu erhalten.

Sensationsfund im Allgäu: Forscherteam präsentiert Studie

Erstmeldung vom 7. November, 13.46 Uhr

Kam der erste aufrecht gehende Menschenaffe gar nicht aus Afrika? Das legen neueste Erkenntnisse einer Studie nahe. 2015 stießen Wissenschaftler in einem Bachlauf der Tongrube „Hammerschmiede“ im Ostallgäu auf die versteinerten Fossilien einer bisher unbekannten Primatenart. Das berichtet der Spiegel

Die Spezies wurde Danuvius guggenmosi genannt und hat vor rund 11,6 Millionen Jahren gelebt. Wie eine Analyse des Skeletts zeigte, könnte er sich bereits vor fast zwölf Millionen Jahren auf zwei Beinen fortbewegt haben. Das vermutet das Forscherteam um Madelaine Böhme von der Universität in Tübingen und des Senckenberg Center for Human Evolution and Paleoenvironment. Das schreibt der Spiegel

Sensationeller Fund: Erste aufrecht gehende Menschenaffen aus Bayern?

"Bislang war der aufrechte Gang ein ausschließliches Merkmal von Menschen. Aber Danuvius war ein Menschenaffe", sagte Böhme. Einer der Funde bekam laut BR den Beinamen Udo, weil das Fossil am 70. Geburtstag von Udo Lindenberg gefunden wurde. Bisher sind die ältesten Belege für einen aufrechten Gang rund sechs Millionen Jahre alt. Sie stammen aus Kenia und Kreta. 

Die Knochen, die im Allgäu gefunden wurden, sind dagegen deutlich älter. Bisher war man davon ausgegangen, dass der aufrechte Gang sich in Afrika entwickelt habe. Stattdessen könnte dies in Europa passiert sein, wie die Forscher in einer Studie im Fachmagazin Nature berichten. Das Team halte es für „nahezu ausgeschlossen“, dass es in Afrika noch ältere aufrecht gehende Menschenaffenformen gegeben habe. 

Fossilien im Allgäu gefunden: Forscher begeistert von Erkenntnissen

Danuvius konnte seinen Rumpf durch eine S-förmige Wirbelsäule aufrecht halten und hatte statt X-Beinen ein stabiles Fußgelenk - beides wäre laut BR für nur kletternde Menschenaffen hinderlich. Dass er aber auch auf Bäumen lebte, zeigen seine verhältnismäßig langen Arme und Greiffüße.

Die Forscher sind begeistert über ihre Erkenntnisse: "Das ist eine Sternstunde der Paläoanthropologie und ein Paradigmenwechsel", so Böhme. Denn die Erkenntnisse stellen die bisherige Sichtweise auf die Evolution der Menschenaffen und des Menschen infrage, wie der Spiegel schreibt. "Dass sich der Prozess des aufrechten Gangs in Europa vollzog, erschüttert die Grundfeste der Paläoanthropologie." 

Erste aufrecht gehende Menschenaffen in Bayern: Forscher hoffen auf weitere Funde

Rund 15 Prozent eines Skeletts bargen die Forscher damals aus der Grube: vollständig erhaltene Arm- und Beinknochen, Wirbel, Finger- und Zehenknochen. "Damit ließ sich rekonstruieren, wie sich Danuvius fortbewegte", sagte Böhme. "Zum ersten Mal konnten wir mehrere funktionell wichtige Gelenke darunter Ellbogen, Hüfte, Knie und Sprunggelenk in einem einzigen fossilen Skelett dieses Alters untersuchen", hieß es weiter. Zum Erstaunen des Forscherteams ähnelten einige Knochen mehr dem Menschen als dem Menschenaffen. 

Die Forscher schätzen, dass der neue Vorfahr des Menschen rund einen Meter groß war. Mit den gewonnenen Erkenntnissen ist die Forschung zum Danuvius aber noch nicht abgeschlossen. Von einem Weibchen wurden demnach bereits Zähne, ein Finger und ein Oberschenkel gefunden. Die Tübinger Paläontologin erwarte laut Spiegel weitere erfolgreiche Ausgrabungen in dem Bachbett. "Das muss man sich vorstellen wie ein Puzzle, in das immer mehr Teile eingefügt werden", erklärte sie. Mit dem Namen für den Fund will das Forscherteam an den Hobbyarchäologen Sigulf Guggenmos erinnern. Er hatte bereits 1972 in der ehemaligen Ziegelei „Hammerschmiede“ in Pforzen Fossilien entdeckt. Der 76-Jährige starb im vergangenen Jahr.

Immer wieder ergeben sich für Forscher neue Erkenntnisse. So auch im Hinblick auf Neandertaler, denn diese waren bereits überwiegend Rechtshänder. Die Evolution vom Affen zum Menschen hat aber ihre Spuren hinterlassen - mit lästigen Folgen.

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