Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Angst geht um: Auch Eure Meinung gefragt

Waffen-Unterstützung, Atomkrieg oder Übertreibung? Diskrepanz zwischen Deutschland und Bayern

Lyarah Vojnovic, die brasilianische Ehefrau des Fußballspielers Maycon, der für den ukrainischen Fußballverein Shakhtar Donetsk spielt, umarmt ihren Vater Marcelo Vojnovic bei der Ankunft aus der Ukraine auf dem internationalen Flughafen von Sao Paulo.
+
Lyarah Vojnovic, die brasilianische Ehefrau des Fußballspielers Maycon, der für den ukrainischen Fußballverein Shakhtar Donetsk spielt, umarmt ihren Vater Marcelo Vojnovic bei der Ankunft aus der Ukraine auf dem internationalen Flughafen von Sao Paulo.

Russlands Angriffskrieg in der Ukraine macht vielen Millionen Menschen in Deutschland Angst vor einem Dritten Weltkrieg. Wie eine Forsa-Umfrage belegt, befürchten knapp 70 Prozent sogar, dass die Nato in den Konflikt hineingezogen wird, weil der russische Präsident Wladimir Putin ein Mitglied des westlichen Verteidigungsbündnisses angreifen könnte. Und dass dies auch Deutschland direkt betreffen könnte. Auf der anderen Seite lehnen 53 Prozent der Bayern laut Wählercheck Waffenlieferungen an die Ukraine ab.

Bei vielen ist die Angst vor einem Krieg im eigenen Land zurück. Nur 25 Prozent der Befragten teilen diese Sorge laut Forsa-Umfrage für RTL nicht. Vor allem Anhänger der AfD sind demnach mit 48 Prozent überdurchschnittlich davon überzeugt, dass es nicht zu einem Weltkrieg kommt.

Montgomery: „Angst vor Atomkrieg nicht völlig irreal“

Der Vorsitzende des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery, rät dazu, sich um diese Kriegsangst in der deutschen Bevölkerung zu kümmern. „Wichtig ist, dass man Menschen mit Kriegsangst ernst nimmt und ihre Gefühle nicht kleinredet“, sagte Montgomery den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Dienstag). „Die Angst vor einem Atomkrieg ist
keine völlig irreale Angst. Es bringt deswegen auch nichts, nur mit rationalen Gegenargumenten zu kommen.“ Man müsse über die akuten Ängste sprechen.

„Gerade in der älteren Generation kann es jetzt passieren, dass Menschen traumatisch auf die Kriegsnachrichten reagieren, dass sie verstärkte Ängste erleben, sich zurückziehen und zum Beispiel beginnen, Lebensmittel zu bunkern“, erläuterte Montgomery (69).

Menschen, die jetzt unter Kriegsangst litten, sollten das Gespräch mit Freunden und Angehörigen suchen, riet Montgomery weiter. Bei starken Ängsten könne es aber auch hilfreich sein, mit dem Hausarzt zu sprechen oder sich an eine Angst-Ambulanz zu wenden.

Russlands Präsident Wladimir Putin hatte nach der Invasion in die Ukraine und den zahlreichen Reaktionen des Westens am Sonntag befohlen, die Abschreckungswaffen der Atommacht Russland in besondere Alarmbereitschaft zu versetzen. Die Ankündigung wurde als Drohung mit dem Atomwaffenarsenal des Landes in Richtung Nato aufgefasst.

Deutsche Waffenlieferung sinnvoll?

Derweil befürworten drei von vier Menschen in Deutschland - jeweils 78 Prozent - laut Forsa-Umfrage im Auftrag von n-tv und RTL die deutschen Waffenlieferungen an die Ukraine und auch die Aufrüstung der Bundeswehr. Nur wenige (16 Prozent) finden beides falsch. Eine Aufnahme der Ukraine in die Europäische Union (EU) fände die Hälfte der Deutschen gut. Einen Nato-Beitritt der Ukraine fände aber nur eine Minderheit gut (45 Prozent). Besonders groß ist die Skepsis in den ostdeutschen Bundesländern (55 Prozent dagegen).

In Bayern lehnen sogar 53 Prozent der Bevölkerung Waffenlieferungen an die Ukraine ab, nur 40 Prozent sind laut aktuellem Wählercheck von „17.30 Sat.1 Bayern“ dafür.

Besonders stark ist der Widerstand bei den Grünen-Anhängern mit 67 Prozent, aber auch bei der CSU sind es 48 Prozent. Allerdings handele es sich hier um einen Durchschnittswert vor und nach der Entscheidung für die Waffenlieferungen und nicht um einen Augenblicks-Stand. Denn die Umfrage fand vom 23. bis zum 28. Februar statt. In diese Zeit fielen der Angriff auf die Ukraine (24. 2.) und die Entscheidung der Bundesregierung für Waffenlieferungen an die Ukraine (26.2.). Das Umfrageinstitut GMS hatte in dem Zeitraum telefonisch 1002 Menschen in Bayern befragt.

Bayern sehen Arbeit der Ampel-Koalition kritisch

Die Bayern sehen allgemein die Arbeit der Ampel-Koalition in den aktuellen Krisen einer repräsentativen Umfrage zufolge kritisch. Auf die Frage, ob sie der Bundesregierung „eine Lösung der vordringlichsten Probleme zutrauen“, glaubt zwar fast die Hälfte (48 Prozent) an eine Bewältigung der Corona-Pandemie, aber nur 35 Prozent vertrauen auf ein geschlossenes Auftreten mit EU und USA im Ukraine-Konflikt und nur 30 Prozent erwarten eine erfolgreiche Bekämpfung der Inflation.

Mehr als die Hälfte der Befragten (53 Prozent) ist mit der Arbeit der Bundesregierung unzufrieden, 44 Prozent sind zufrieden. Mit der Arbeit von Kanzler Olaf Scholz sind 49 Prozent unzufrieden und 46 Prozent zufrieden.

Die Staatsregierung schneidet besser ab: 53 Prozent sind zufrieden, 42 Prozent unzufrieden. Die Zustimmung für Ministerpräsident Markus Söder ist höher: 58 Prozent sagen, er sei ein guter Regierungschef, 38 Prozent fanden das nicht. Bei Söders beschleunigten Corona-Lockerungen sind die Wähler gespalten: 49 Prozent sind nicht einverstanden, 46 Prozent begrüßen sie. 61 Prozent haben etwas von der Kabinettsumbildung mitbekommen. 71 Prozent der CSU-Wähler erwarten, dass die CSU in der Staatsregierung dadurch gestärkt wird.

dpa/mz