Wärter half Ausbrechern nicht freiwillig

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Der Wärter in der JVA Aachen, der den beiden Gewaltverbrechern Michalski und Heckhoff zur Flucht verholfen hat, tat dies möglicherweise nicht freiwillig.

Düsseldorf - Der im Verdacht der Gefangenbefreiung stehende Aachener Gefängnis-Wachmann könnte erpresst oder bestochen worden sein.

Das Gericht habe den dringenden Tatverdacht gegen den 40-jährigen Beamten bestätigt, der den beiden Schwerverbrechern Michael Heckhoff und Paul Peter Michalski zur Flucht verholfen haben soll, sagte die Leiterin der JVA-Aachen, Reina Blikslager, am Montag dem ZDF. Möglicherweise sei er erpresst oder bestochen worden. “Ich habe absolut kein Verständnis für ein solches hochkriminelles Verhalten“, sagte Blikslager weiter. Das Verhalten des verdächtigen Beamten ließe sich mit Frust über ein zu hohes Arbeitspensum nicht erklären.

Gewaltverbrecher auf der Flucht

Den beiden Schwerverbrechern Michael Heckhoff und Peter Paul Michalski gelang am 26. November der Ausbruch aus der Justizvollzugsanstalt Aachen. Nun wurden beide gefasst. © dpa
Peter Paul Michalski (46) gilt als brutal und rücksichtslos. © dpa
Fünf Tage war er auf der Flucht. © dpa
Dann schnappte ihn die Polizei auf der Bundesstraße 58 bei Schermbeck am Niederrhein. © ap
Michalski war auf einem silbernen Damenfahrrad unterwegs. © dpa
Der Medienrummel war groß. © dpa
Nach über fünf Tagen sind nun beide Schwerverbrecher wieder im Gefängnis. © dpa
Michael Heckhoff (50) war 1992 an einer Geiselnahme in der sauerländischen Justizvollzugsanstalt Werl beteiligt. Damals hatte er mit einem Mithäftling einen Zahnarzttermin genutzt, um drei Justizbeamte und drei Arzthelferinnen in seine Gewalt zu bringen. Beim Zugriff der Polizei übergoss Heckhoffs Kumpan zwei der Geiseln mit einer brennbaren Flüssigkeit und zündete sie an. Die Frauen erlitten schwere Verbrennungen. © dpa
SEK-Beamte stehen vor dem Haus in Mühlheim/Ruhr, in dem Heckhoff gefasst wurde. Ihn konnte die Polizei bereits am Sonntag in Mülheim festnehmen. © dpa
Mit diesem Fluchtfahrzeug waren die beiden Flüchtlinge in Mühlheim unterwegs. © dpa
Wie Heckhoff in einem Interview berichtet, hatten sie die Waffe in der JVA Aachen gekauft. © dpa
Heckhoff berichtet, er habe von einem Wärter den Schlüssel bekommen und auf den Kopierer gelegt. © dpa
Am Donnerstag konnten die beiden Verbrecher aus der JVA fliehen. © dpa
Seitdem wurde mit einem Großaufgebot gefahndet. © dpa
In der Nacht zum Freitag untersuchten Polizisten den Eingang der Justizvollzugsanstalt in Aachen. © dpa
Eine Beamtin steht im Gang vor den Gemeinschaftsräumen der Justizvollzugsanstalt in Aachen. © dpa
Häftlinge der Justizvollzugsanstalt Aachen stehen im Gang vor ihren Zellen. © dpa
Der Eingang der Justizvollzugsanstalt in Aachen. © dpa
Kurz nach ihrem Ausbruch hatten sich die beiden Kriminellen in ein Taxi gesetzt und den Fahrer aufgefordert, sie nach Kerpen-Buir zu fahren. © dpa
Dort zwangen sie den Fahrer, gemeinsam mit ihnen in ein anderes Taxi zu steigen und weiter nach Köln zu fahren. © dpa
Vom Bahnhofsvorplatz am Dom aus flüchteten die Verbrecher zu Fuß in die Innenstadt. © dpa
Die beiden Taxifahrer ließen sie frei. Sie erlitten einen Schock. © dpa
Danach verlor sich voerst die Spur, bis Heckhoff am Sonntag wieder auftauchte und in Mühlheim festgenommen werden konnte. © dpa
Mit der Festnahme von Michalski am Dienstag, ist die tagelange Fahndung nach den beiden Schwerverbrechern nun zu Ende. © dpa

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Ein Stellenabbau in den Vollzugsanstalten erhöht ihrer Ansicht nach das Ausbruchsrisiko nicht: “Die Stellenstreichung hat keine Auswirkungen auf die Sicherheit unmittelbar“, betonte sie. Man müsse den Dienstplan dem Personal anpassen. Es werde sehr sorgfältig geprüft, wo Stellen wegfallen könnten, ohne die Sicherheit zu gefährden.

Kaum Verbesserungsmöglichkeiten für Sicherheit

Verbesserungsmöglichkeiten für die Sicherheit der JVA Aachen sieht Blikslager derzeit kaum. “Wir haben mehrere Schließsysteme, Beamte müssen sich jedoch in der Anstalt bewegen können“, erklärte sie. Am Donnerstagabend waren die beiden Schwerverbrecher Heckhoff und Michalski aus der JVA Aachen ausgebrochen.

Heckhoff wurde am Sonntagvormittag in Mülheim an der Ruhr gefasst, sein Komplize war am Montag weiter auf der Flucht. Gegen den mutmaßlichen Helfer der Ausbrecher wurde am Samstag Haftbefehl verhängt. Er verbüßt die Untersuchungshaft in einem anderen Bundesland und hat sich bislang nicht zu dem Fall geäußert.

AP

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