Wie eine "Stecknadel im Heuhaufen" am Matterhorn

Darum ist die Suche nach dem Tengelmann-Chef so dramatisch

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Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub wird seit Samstag am Matterhorn vermisst.
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Zermatt - Karl-Erivan Haub wird seit Samstag am Matterhorn vermisst. Die dramatische Suche nach dem Tengelmann-Chef und Milliardär gestaltet sich extrem schwierig. Wie hoch sind seine Überlebenschancen eigentlich nach fünf Tagen? Dazu bezieht nun ein Experte Stellung:

Auf die Frage, warum die Vermisstensuche im Fels- und Eislabyrinth rund um das Matterhorn so schwierig ist, hat Experte Kurt Lauber (57) eine klare Antwort. "Das ist in der Tat sehr schwierig – gerade im Winter. Auf Skiern kann man in kurzer Zeit sehr große Strecken zurücklegen. Und wenn man auf Tourenskiern unterwegs ist, dann wird der Aktivitätsradius noch größer, weil man mit Hilfe der Steigfelle auch Gegenanstiege bewältigen und ins nächste Tal abfahren kann."

Wie berichtet, hatte Haub sein Hotel am Samstagmorgen gegen 8.30 Uhr verlassen. Seither fehlt von dem Mann, der als erfahrener Bergsteiger gilt, jede Spur. Momentan gibt es kaum Anhaltspunkte, wo sich Haub zuletzt aufgehalten hat. "Man wertet unter anderem Kreditkartendaten aus, schaut, wo der Vermisste damit bezahlt hat – beispielsweise auf Hütten oder in Restaurants. Auch Bergbahn-Tickets,die oft mit Kreditkarte bezahlt werden oder mit einem Foto versehen sind, lassen sich auslesen. Dadurch kann man ermitteln, welche Bahn der Gesuchte zuletzt genommen hat", sagte Lauber unserem Partnerportal tz.de

Handyortung fällt aus - viele Gefahren

Zudem würde auch immer wieder probiert, das Handy zu orten - jedenfalls so lange der Akku noch geht, hieß es weiter. Durch alle diese Arbeiten können die Retter das Suchgebiet schließlich eingrenzen. Doch Lauber schränkt ein: "Selbst dann ist das Areal oft noch riesengroß, und es gibt die unterschiedlichsten Gefahrenstellen: Gletscherspalten, Eisabbrüche, Felsrinnen, Geröllfelderoder versteckte Bäche. Das ist, als würde man die berühmte Stecknadel im Heuhaufen suchen."

Doch wie lange macht eine Suche überhaupt Sinn? "(...) Wir suchen, solange es für den Vermissten noch eine realistische Überlebenschance gibt – selbst wenn diese minimal ist. Sie wird natürlich von Tag zu Tag kleiner, bis die Suche irgendwann keinen Sinn mehr macht. Auch die Kosten spielen im Normalfall eine Rolle", so Lauber. Im Fall von Haub hat dessen Familie den Rettungskräften "unbegrenzte Mittel" zur Verfügung gestellt. Manchmal würden Vermisste jedoch erst nach Jahren zufällig gefunden oder blieben gar für immer verschollen. Auch ein Verbrechen wollte die Schweizer Polizei als Ursache für Haubs Verschwinden noch nicht ausschließen.

Wer ist Kurt Lauber?

Kurt Lauber hat in Bergsteiger-Kreisen Kultstatus. Sein Buch "Der Wächter des Matterhorns" fesselt passionierte Kraxler wie Flachlandtiroler gleichermaßen: Seit 1995 ist Lauber Hüttenwirt auf der legendären Hörnlihütte am Fuße des bekanntesten Viertausenders der Welt. Außerdem zählt er zu den erfahrensten Bergrettern der Schweiz, hat an über 1.000 Einsätzen teilgenommen. 

mw

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