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"Gesicht wirkte wie weggefressen"

Arztbesuch verweigert: Gericht verurteilt Eltern

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Die Angeklagten Edeltraud (M) und Edgar W. (l) gehen am 01.10.2012 im Landgericht Hildesheim in Richtung des Verhandlungsraumes.

Hildesheim - Ein Hinweis von Verwandten hatte den Fall aufgedeckt: Eltern brachten ihre geistig behinderte, an einer Gesichtskrankheit leidende Tochter nicht zum Arzt. Jetzt wurden sie verurteilt.

Das Gesicht der Tochter wurde deswegen grausam entstellt. Das Landgericht Hildesheim verurteilte die Eheleute aus Niedersachsen dafür am Montag zu zwei Jahren Freiheitsstrafe, die für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wurde. Die Richter folgten damit dem Antrag der Staatsanwaltschaft.

Die 62-jährige Mutter und der 67 Jahre alte Vater waren wegen schwerer Körperverletzung und Misshandlung von Schutzbefohlenen angeklagt. Sie hatten der heute 32 Jahre alten Tochter seit 2006 eine ärztliche Behandlung verweigert und die Frau laienhaft selbst versorgt. „Das Gesicht wirkte wie weggefressen. Es ist unfassbar, was mit Ihrer Tochter geschehen ist“, sagte Richterin Karin Brönstrup in ihrer Urteilsbegründung.

„Sie waren hilflos und überfordert und haben lieber verdrängt“, sagte die Richterin den Eltern, die ansonsten ihre Tochter liebevoll versorgt hätten. Zu Lasten des Ehepaares wurden die schweren Folgen für die Tochter gewertet. Eine rechtzeitige ärztliche Behandlung hätte ihr Gesicht retten können. Mehrere plastische Operationen halfen später nicht mehr richtig. Die verhängte Geldstrafe von insgesamt 7200 Euro die Tochter bekommen. „Das Geld tut ihnen weh, aber sie brauchen eine spürbare Strafe“, sagte Brönstrup.

dpa

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