Das Auge trinkt mit

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Latte-Art: Je zwei Farne und Herzen sowie ein Schwan und ein Drache.

Rosenheim - André William Gabriel und Jakob Hartwig sind sogenannte Baristas, moderne Kaffeekocher. Sie zaubern aus Kaffee richtige Kunstwerke - eben was für's Auge.

In der Kaffeerösterei Rechenauer und im Café Aran servieren sie den Gästen frisch zubereitete Cappuccini und Espressi. Das besondere an ihren Kreationen: Die beiden gießen mit Milchschaum kunstvolle Motive in den Kaffee.

Hinter der Theke in der Kaffeerösterei Rechenauer schäumt André William Gabriel Milch auf. "Perfekter Schaum ist die Grundlage für schöne Muster auf dem Kaffee", weiß der junge Mann. Deshalb achtet er genau darauf, dass die Milch zwischen 60 und 70 Grad warm ist und wenig Blasen enthält. Er gießt diese in eine große Tasse mit Espresso und beginnt zu zeichnen. Gekonnt schwenkt er das Milchkännchen hin und her. Langsam lassen sich Umrisse erkennen. "Die Entscheidung für ein Motiv fällt immer ganz spontan. Erst wenn die Tasse halb voll ist, weiß ich, was ich gieße", so Gabriel. Jetzt schwimmt ein feingliedriger weißer Schwan auf der Crema.

Ein Farnblatt entsteht auf der Espresso-Crema.

Für so ein Motiv braucht es schon etwas Übung. Die meisten Baristas steigen mit einfacheren Formen in die Latte-Art, so lautet der Fachausdruck für das Mustergießen mit Milchschaum, ein. "Herzchen" und "Farnblätter" sind beliebte Motive für Anfänger. Diese beherrschte Gabriel schon nach rund einem Monat aus dem Effeff. Und er wollte unbedingt mehr lernen. "Ich habe mir Fotos als Vorlage besorgt und damit immer weitergeübt", erinnert er sich. Inzwischen begeistert er die Gäste auch mit kleinen "Drachen" und "Segeln" auf dem Kaffee. Häufig wird er bei der Arbeit angesprochen und für seine Verzierungen gelobt.

Feinarbeit: Mit einem Zahnstocher zeichnet André William Gabriel das Motiv nach.

Latte-Art gehört aber längst nicht mehr nur in die innerstädtischen Cafés. André William Gabriel träumt von einer Teilnahme an den Weltmeisterschaften, die seit einigen Jahren in dieser Disziplin ausgetragen werden. Dort sind der Kreativität der Baristas keine Grenzen gesetzt. Neben Tieren und Blumen gießen die Profis mit Milchschaum und Espresso-Crema sogar Landschaften und Comicfiguren. Für besonders filigrane Bilder verwenden sie zusätzlich Schokosoße, die mit Zahnstochern oder speziellem Barista-Besteck in den Milchschaum eingearbeitet wird.

Jakob Hartwig genießt seinen selbst verzierten Cappuccino.

Anders als sein Kollege aus der Kaffeerösterei Rechenauer hat Jakob Hartwig vom Café Aran nicht die Weltmeisterschaft im Blick, wenn er kleine Herzen und Blätter auf den Cappuccino zaubert. "Ich möchte einfach jedem Gast den perfekten Kaffee servieren. Das ist mein Ziel", erklärt der Auszubildende. Die Latte-Art hat ihm vor etwa zweieinhalb Jahren ein anderer Mitarbeiter näher gebracht. Seitdem hat er seine Technik weiter verbessert und sieht die Muster als "schöne Herausforderung im Alltag". Leider sei im laufenden Betrieb wenig Zeit, um aufwendige Dekorationen zu entwerfen.

Beide Baristas empfehlen, für Latte-Art nur Robusta-Bohnen oder eine Mischung aus den Sorten Robusta und Arabica zu verwenden. Robusta-Bohnen enthalten mehr Öl und sind dunkler als die Sorte Arabica. Deshalb ist die Crema schaumiger und der Kontrast zur Milch kräftiger.

Der frische Milchschaum müsse außerdem unter die Crema. Gabriel visiert dazu einen Punkt am unteren Rand der vorgewärmten Tasse an und schüttet die Milch selbstbewusst hinein. Die Kaffeetasse hält er dabei leicht schräg, bis sie zu drei Vierteln gefüllt ist, und stellt sie dann senkrecht. Dabei läuft der Cappuccino nicht leicht über und das Motiv bleibt auch beim Trinken erhalten. Hartwig kennt den Grund dafür: "Nach kurzer Zeit trennen sich Crema und Milch wieder und der Schaum wird fest."

Beate Winterer/Oberbayerisches Volksblatt

Zurück zur Übersicht: Gesundheit

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser