Genetisches Brustkrebsrisiko

Wann ist die vorsorgliche Brustentfernung sinnvoll?

Brustkrebs Untersuchung
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In Deutschland erkranken jedes Jahr etwa 50 000 Frauen an Brustkrebs, etwa sieben Prozent von ihnen haben eine familiäre Anlage dazu.

Angelina Jolie hat sich aus Angst vor Brustkrebs ihre Brüste entfernen lassen. Ein Gentest bescheinigte der Schauspielerin ein hohes Risiko an Krebs zu erkranken. Ist der Eingriff sinnvoll?

Der Schnitt ist radikal - aber möglicherweise lebensrettend. Frauen, die ein sogenanntes „Brustkrebsgen“ in sich tragen, haben ein deutlich erhöhtes Risiko, im Laufe ihres Lebens an Brust- oder Eierstockkrebs zu erkranken. Eine Vorsorgemöglichkeit ist, sich die Brust präventiv abnehmen zu lassen.

Das tat jetzt US-Schauspielerin Angelina Jolie („Lara Croft“) - und machte den Schritt mutig öffentlich. In den USA ist diese Methode bereits relativ verbreitet, aber auch in Deutschland entscheiden sich immer mehr Frauen dafür - in Kombination mit dem Wiederaufbau der Brust. Expertenantworten auf Fragen zum Thema:

Welche Art von Krebs kann einen solchen Eingriff erfordern?

In Deutschland erkranken jedes Jahr etwa 50 000 Frauen an Brustkrebs, etwa sieben Prozent von ihnen haben eine familiäre Anlage dazu: Sie haben die mutierten „Brustkrebsgene“ BRCA 1, BRCA oder das jüngst entdeckte RAD51C. Oft sind in ihren Familien bereits andere Frauen - oder auch Männer - an Brustkrebs erkrankt oder gestorben. Für diese Frauen kann wegen des erhöhten familiären Risikos ein vorsorgliche Brustamputation (Mastektomie) in Betracht kommen.

Wie hoch ist das Risiko, mit diesen Genen tatsächlich an Krebs zu erkranken?

Etwa 70 bis 80 Prozent der Frauen, bei denen die mutierten Gene nachgewiesen wurden, erkranken irgendwann in ihrem Leben an Brust- oder Eierstockkrebs. Zum Vergleich: In der Allgemeinbevölkerung bekommen zeitlebens nur zehn bis zwölf Prozent der Frauen Krebs.

Brustkrebs: Diese Stars sind betroffen

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Anastacia (44) traf es besonders hart. Nachdem die Sängerin bereits im Jahr 2003 gegen den Brustkrebs gekämpft hatte, kam Anfang 2013 die zweite Schock-Diagnose: Die Krankheit ist zurückgekehrt. © dpa
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Im Sommer 2008 wurde bei Christina Applegate (41) Brustkrebs diagnostiziert. Die Schauspielerin entschied sich für eine Entfernung beider Brüste. Heute gilt sie als geheilt. © dpa
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In den 1980er Jahren gewann Brigitte Bardot (78), französisches Model und Schauspielerin, den Kampf gegen den Brustkrebs. © dpa
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Kathy Bates (64) kämpfte 2003 gegen Eierstockkrebs. Als 2012 erneut Krebs diagnostiziert wurde, unterzog sie sich einer Brustamputation. © dpa
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Anfang 2006 erhielt auch Sheryl Crow (51) die Diagnose Brustkrebs. Sie konnte die Krankheit besiegen. © dpa
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Einen langen Kampf musste Bette Davis (1908-1989) durchstehen. Die Schauspielerin erkrankte 1983 an Brustkrebs, erlitt kurz darauf einen Schlaganfall und starb schließlich nach sechs Jahren Leid. © dpa
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Jane Fonda (75) besiegte die tückische Krankheit im Jahr 2010. Die Schauspielerin sieht heute blendend aus. © dpa
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Betty Ford (1918-2011), Ehefrau des ehemailigen US-Präsidenten Gerald Ford, entschied sich im Jahr 1974 für eine Mastektomie (Brustamputation). Nachdem sie längere Zeit an Alkoholismus litt, gründete sie das Betty Ford Center, eine bekannte Entzugsklinik in Kalifornien. © dpa
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Weil ihre Mutter dem Brustkrebs erlag, besteht bei Angelina Jolie (37) ein erhöhtes Risiko. Im Jahr 2013 ließ sie sich deshalb beide Brüste amputieren. Mit dieser Entscheidung wollte sie ihren Kindern die Angst nehmen, sie eines Tages an den Krebs zu verlieren. © dpa
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Hildegard Knef (1925-2002), eine der ganz großen deutschen Schauspielerinnen, konnte den Brustkrebs besiegen. © dpa
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Bei Kylie Minogue (44) wurde im Jahr 2005 Brustkrebs diagnostiziert. Die Sängerin wurde geheilt. MIt ihrer Erkrankung startete der sogenannte "Kylie-Effekt": 40% mehr Frauen als üblich meldeten sich zu einer Mammografie an. © dpa
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Olivia Newton-John (64) erhielt die Schock-Diagnose im Jahr 1992. Die "sandy" aus dem Kultfilm "Grease" verarbeitete das Erlebte auf ihrem Album "Gaia - One Woman's Journey". © dpa
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Cynthia Nixon (47) konnte den Brustkrebs im Jahr 2006 besiegen. © dpa
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Sharon Osbourne (60) erkrankte im Jahr 2002 an Darmkrebs. Aus Angst davor, auch noch eine Brustkrebs-Diagnose zu erhalten, ließ sie sich beide Brüste entfernen. © dpa
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Miriam Pielhau (38) konnte den Brustkrebs im Jahr 2008 besiegen. Sie verarbeitete die schwere Zeit in ihrem Buch "Fremdkörper". Die Moderatorin brachte im Mai 2012 eine Tochter zur Welt. © dpa
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Im Jahr 2009 kämpfte Sylvie van der Vaart (35) gegen den Brustkrebs. Nach der erfolgreichen Chemotherapie trug die beliebte Moderatorin eine Zeit lang ihre Haare kurz. © dpa

Wie kann ich mich über ein solches Risiko informieren?

Falls es in der Familie bereits Fälle gibt, können Frauen sich an eines der 15 spezialisierten Zentren für familiären Brust- und Eierstockkrebs bundesweit wenden. Dort werden sie ausführlich beraten und können einen Gentest machen lassen. Wird tatsächlich ein „Brustkrebsgen“ nachgewiesen, greift ein intensives Vorsorgeprogramm.

Welche Früherkennungs- und Vorsorgemethoden gibt es?

Risikopatientinnen werden in den Brustkrebs-Zentren halbjährlich untersucht: Gestaffelt nach ihrem Alter greifen Ultraschall, Mammographie und gegebenenfalls auch Kernspin eng ineinander. „Das Gros der Frauen wählt diesen Weg“, berichtet Expertin Kristin Bosse vom Zentrum für Familiären Brust- und Eierstockkrebs der Uniklinik Tübingen. „Aber die Zahl derjenigen, die sich für eine vorsorgliche Brustamputation entscheidet, steigt seit Jahren. Auch deshalb, weil die Operationsmethoden immer fortschrittlicher, die kosmetischen Ergebnisse immer besser werden.“ Etwa jede fünfte Patientin mit Genmutation macht in Deutschland mittlerweile von dieser Möglichkeit Gebrauch. Danach liegt ihr Risiko, Brustkrebs zu bekommen, bei nur mehr fünf Prozent. Eine profilaktische Chemo-Behandlung hat sich nach Worten Bosses bislang nicht durchgesetzt.

Wird die Brust wieder aufgebaut? Welche Methoden gibt es?

In den meisten Fällen wird die Brust gleich nach der Entnahme des Brustdrüsengewebes wieder mit einem Implantat aufgebaut - in einer einzigen Operation. „Die Patientin entscheidet zuvor gemeinsam mit dem Arzt, ob die Brustwarze erhalten werden soll“, sagt Bosse. Für letzteres muss auch ein Teil der Brustdrüse bleiben - was das Risiko für Krebs wieder leicht erhöhen kann. Implantate sind unkompliziert einzusetzen, können im Verlauf der Jahre aber Probleme bereiten und sich schmerzhaft verkapseln. Deshalb entscheidet sich ein kleinerer Teil der Frauen dafür, die Brust mit eigenem Körpergewebe wieder aufzubauen. „Das ist etwas für die Ewigkeit“, sagt Bosse. Allerdings sind dazu mehrere Operationen nötig, auch zur Entnahme des Unterhautfettgewebes an anderen Körperstellen.

Wer bezahlt das?

Der Gentest, der mehrere Tausend Euro kostet, wird von den Krankenkassen gezahlt. Auch das intensive Vorsorgeprogramm für Risikopatienten übernehmen die Kassen. Für die profilaktische Brustentfernung mit anschließendem Wiederaufbau der Brust sollte bei den Kassen vorher ein Gutachten des Brustzentrums und ein Kostenvoranschlag eingereicht werden. „Aber dann gibt es in der Regel keine Probleme, dass die Kassen zahlen“, sagt Bosse.

Von Andrea Barthélémy, dpa

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