Kinderwunsch lässt sich heute oftmals mit medizinischer Unterstützung erfüllen / Unfruchtbarkeit ist keine Frauensache

Medizin: Chancen auf Befruchtung sind hoch

+
Eine Eizelle ist von Spermien umgeben.

Die Zahl der Paare, deren Kinderwunsch sich nicht auf dem üblichen Weg erfüllt, nimmt in Deutschland stetig zu. Doch in 60 bis 80 Prozent der Fälle kann mit medizinischer Hilfe können Paare schwanger werden.

Nach Expertenschätzungen bleibt etwa jede siebte Ehe ungewollt kinderlos; das bedeutet, dass in Deutschland etwa eine Million Paare mit einem unerfüllten Kinderwunsch leben.

Lesen Sie auch:

Risiken in der Schwangerschaft

Vom richtigen Zeitpunkt und anderen Umständen

Unfruchtbar: Oft liegt es am Mann

Krampfader beeinträchtigt Hodenvolumen

Unerfüllter Kinderwunsch: Gebärmutter untersuchen

Von unerfülltem Kinderwunsch sprechen Mediziner, wenn nach ein bis zwei Jahren ungeschützten Geschlechtsverkehrs keine Schwangerschaft eingetreten ist. Etwa 60 bis 80 Prozent aller Paare, die wegen ungewollter Kinderlosigkeit den Arzt oder eine Kinderwunsch-Sprechstunde aufsuchen, kann zu einem eigenen Kind verholfen werden, wenn alle therapeutischen Möglichkeiten ausgeschöpft werden.

Ein unerfüllter Kinderwunsch kann leicht zu einer Belastung der Beziehung führen. Dabei sind heute die Behandlungschancen mit den modernen Methoden sehr hoch. Neben den technischen Behandlungsmöglichkeiten legt auch das Bremer Zentrum für Fortpflanzungsmedizin am Diako großen Wert auf grundsätzliche gesundheitsaktive Empfehlungen zur Unterstützung des Therapie-Erfolges.

Viele Gründe für Kinderlosigkeit

Mehr Informationen finden Sie bei:

Wunschkind e.V.

Schwanger.info

Die individuellen Gründe, warum es mit dem Kinderkriegen nicht klappt, können sehr vielfältig sein. Wichtig zu sagen ist: Unfruchtbarkeit ist keine Frauensache. Statistisch verteilen sich die Ursachen mit jeweils 30 bis 40 Prozent gleichermaßen auf Mann und Frau. Bei 15 Prozent der betroffenen Paare kann es an beiden Partnern liegen. Und in fünf bis zehn Prozent lässt sich keine erkennbare Ursache finden. Unerfüllter Kinderwunsch ist also ein Problem, das beide Partner in gleichem Maße betrifft.

Die Behandlung richtet sich stets gegen die Ursachen der Kinderlosigkeit. Je genauer man diese kennt, desto gezielter und Erfolg versprechender kann therapiert werden. Manchmal ist lediglich die Korrektur erhöhter Hormonwerte erforderlich, zum Beispiel bei einer Schilddrüsenfehlfunktion oder bei erhöhter Produktion von männlichen Hormonen (Androgene). Ist die Reifung einer Eizelle gestört, wird mit einer relativ einfachen hormonellen Stimulation begonnen. Die Befruchtung geschieht anschließend auf natürlichem Weg.

Sind zusätzlich Menge und Beweglichkeit der Spermien eingeschränkt, wird die Hormontherapie mit der intrauterinen Insemination kombiniert: Hierbei werden die Spermien durch einen dünnen Schlauch zum Zeitpunkt des Eisprungs direkt in die Gebärmutter eingeleitet. Sind die Eileiter verschlossen und auch durch eine Operation nicht mehr zu öffnen, sind sie unbeweglich oder fehlen sie sogar ganz, ist die Befruchtung außerhalb des Körpers, also eine In-vitro-Fertilisation (IVF) erforderlich. Neben der hormonellen Stimulation ist zusätzlich ein kleiner, ambulant durchgeführter, operativer Eingriff nötig, um die reifen Eizellen zu gewinnen.

Wirkungsvolle Behandlungen

Bei schweren Störungen der männlichen Fruchtbarkeit kann ein einzelnes Spermium mit einer hauchdünnen Nadel direkt in die Eizelle eingebracht werden (intracytoplasmatische Spermieninjektion = ICSI). Sind im Samenerguss (Ejakulat) überhaupt keine Spermien vorhanden, kann man versuchen, aus den Hoden (testikuläre Spermienextraktion = TESE) oder Nebenhoden (mikrochirurgische epididymale Spermienaspiration = MESA) direkt Samen zu gewinnen.

So merkwürdig es klingen mag: Das Entstehen einer Schwangerschaft ist ein so komplexer Vorgang, dass es innerhalb eines Monatszyklus wahrscheinlicher ist, nicht schwanger zu werden, als umgekehrt. Selbst bei einem völlig gesunden Paar beträgt die Chance, bei regelmäßigem Geschlechtsverkehr innerhalb eines Zyklus schwanger zu werden, lediglich 10 bis 20 Prozent. Ungefähr in dieser Größenordnung liegen auch die Schwangerschaftsraten pro Behandlungsversuch, wenn alles planmäßig verläuft, bei IVF und ICSI sogar bei 30 Prozent. Das bedeutet für Paare mit Kinderwunsch, dass mehrere Behandlungszyklen notwendig werden können.

Die individuelle Chance hängt natürlich von der Schwere der Fruchtbarkeitsstörung und vom Alter der Frau ab. Bei korrigierbaren Hormonstörungen mit oder ohne leichten Einschränkungen der männlichen Fruchtbarkeit kann bei etwa 70 Prozent der Paare eine Schwangerschaft erzielt werden. Ist wegen eines Verschlusses der Eileiter oder einer schweren Form der männlichen Unfruchtbarkeit eine Befruchtung außerhalb des Körpers notwendig, liegt die Chance auf eine Schwangerschaft innerhalb von vier Behandlungszyklen bei etwa 50 bis 60 Prozent.

Zurück zur Übersicht: Gesundheit

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser