Zur Eindämmung des Virus

Lüften gegen Corona in Schulen Büro und Wohnung: Wann und wie es sinnvoll ist

Lüften ist eine der Maßnahmen, um sich gegen Corona zu schützen. Wann ist es sinnvoll, die Fenster in Büro, Schule und Wohnung aufzureißen?

Hamm - Die „AHA-Formel“ ist schon zu einem festen Begriff geworden. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) lässt kaum eine Möglichkeit aus, an die Bürger zu appellieren, diese Regeln in Zeiten des Coronavirus* zu befolgen, um die Ausbreitung von Covid-19 zu verlangsamen.

VirusCoronavirus
KrankheitCovid-19
KrankheitserregerSARS-CoV-2
UrpsrungVolksrepublik China

Zu Erinnerung: Die Buchstaben stehen für Abstand, Hygiene und Alltagsmaske. Alles Dinge, um eine möglichst große Sicherheit vor einer Ansteckung zu haben. Doch mittlerweile wurde die Formel ergänzt: Aus der „AHA“ wurde die „AHACL“-Regel:  „L“ für „Lüften“ und ein „C“ für die Nutzung der „Corona-Warn-App“.

Lüften gegen Corona in Büro, Schule und Wohnung: Fenster öffnen senkt Infektionsrisiko

Vor allem das Thema Lüften wird in den kommenden Wochen und Monaten von großer Bedeutung sein. Darüber sind sich die Experten einig. Aber wie lüftet man richtig mit Blick auf Corona? Wann ist es sinnvoll?

„Intensives, fachgerechtes Lüften von Gebäudeinnenräumen bewirkt eine wirksame Abfuhr bzw. Verringerung der Konzentration ausgeschiedener Viren und senkt damit das Infektionsrisiko in Räumen, die von mehreren Personen genutzt werden, heißt es in der von der Bundesregierung veröffentlichten Empfehlung „Infektionsschutzgerechtes Lüften“.

Also: Viel lüften hilft, um sich vor dem Coronavirus zu schützen. Darüber schreibt wa.de*. Das gilt bei Schülern in Klassenzimmern, in Räumen von Universitäten, in Büros auf der Arbeit - also in Zimmern innerhalb der eigenen Wohnung, wo mehrere Leute zusammenkommen.

Lüften gegen Corona: Warum überhaupt?

Lüften gegen Corona hilft. Forscher haben nachgewiesen, dass sich Covid-19 mithilfe von Aerosolen verbreiten kann. Aerosole sind feste oder flüssige Partikel, die so klein sind, dass sie kaum noch der Schwerkraft unterliegen. Das bedeutet, dass sie beim Niesen, Husten oder Ausatmen nicht schnell zu Boden sinken, sondern noch durch die Luft schweben - teilweise über Stunden. Dazu können Aerosole auch mehrere Meter überwinden - weshalb Abstand zu den wichtigen Corona-Regeln gehört.

„Unter Laborbedingungen wurde festgestellt, dass vermehrungsfähige Viren in luftgetragenen Partikeln bis zu 3 Stunden nach der Freisetzung nachweisbar sind“, heißt es in einer Stellungnahme der Kommission Innenraumlufthygiene am Umweltbundesamt.

Draußen an der frischen Luft besteht weniger Gefahr der Coronavirus-Ansteckung, da sich die ausgeatmeten Aerosole dort schnell verdünnen. Mit dem empfohlenen Sicherheitsabstand von 1,5 Metern ist das Risiko demnach relativ gering. Ohnehin gilt der Sicherheitsstand immer - auch bei den Fülle der neuen Corona-Regeln, die etwa in NRW gelten*.

Lüften gegen Corona: Welches ist die beste Technik?

„Intensives Lüften reduziert die Menge potenziell infektiöser Aerosole deutlich“, macht das Umweltbundesamt (UBA) deutlich. Um sich in geschlossenen Räumen bei Schülern im Klassenraum, im Büro oder auch Zuhause in der eigenen Wohnung besser vor Corona zu schützen, empfehlen die Experten mindestens das sogenannte Stoßlüften.

Experten sind sich einig: Lüften hilft, um das Corona-Infektionsrisiko zu verringern.

Stoßlüften bedeutet, dass alle Fenster so weit wie möglich geöffnet werden sollten. Im Idealfall wird auch das gegenüberliegende Fenster geöffnet - so funktioniert der Austausch der Luft noch besser. Durch dieses Querlüften ist die Luft innerhalb weniger Minuten ausgetauscht.

Ein Irrglaube sei, dass sich durch Lüften die Quote der Erkältungen erhöht. Zumal sich aktuell durch die ähnlichen Symptome die Frage stellt: Corona oder Grippe?

Lüften gegen Corona: Wie oft sollte ist sinnvoll?

Das Umweltbundesamt gibt Empfehlungen und Faustregeln für das „Corona-Lüften" heraus. Dabei wird zwischen den jeweiligen Räumen oder Aufenthaltsorten unterschieden.

  • Wohnungen: Bei einer normalen Wohnnutzung ohne Besucher empfiehlt die UBA-Kommission eine Stoßlüftung (mit weit geöffneten Fenstern) für mindestens 10 bis 15 Minuten. Im Sommer sind es 20 bis 30 Minuten, im Winter würden bei großen Temperaturdifferenzen zwischen Innen und Außen auch fünf Minuten reichen. Noch effektiver sei das Querlüften mittels Öffnens gegenüberliegender Fenster. Sind mehrere Personen als üblich im Raum, sei das Lüften während des Besuchs sinnvoll.
  • Schulen: Bei Klassenraumgrößen mit einer Größe von 60 bis 75 Kubikmetern und einer Anzahl von 20 bis 30 Schülern soll „in jeder (!) Unterrichtspause intensiv bei weit geöffneten Fenstern gelüftet werden“. Dauern die Unterrichtseinheiten länger als 45 Minuten Dauer oder nur eine kurze Pause vorgesehen ist, solle auch während des Unterrichtes gelüftet werden. „Dabei sollte darauf geachtet werden, dass es durch die Lüftung nicht zu einer Verbreitung potenziell infektiöser Aerosole in andere Räume kommt“, heißt es. Beispiel: Ist keine Querlüftung möglich, soll die Tür zum Flur geschlossen bleiben. Das Land NRW will dabei verhindert, dass Schüler frieren, wie Ruhr24.de* berichtet.
  • Büros: In Büroräumen wird empfohlen, mindestens einmal pro Stunde die Fenster zum Stoßlüften zu öffnen. In einem Besprechungsraum sollte nach 20 Minuten gelüftet werden, wie es in den Arbeitsschutzrechtlinien steht. Wegen der Corona-Gefahr schade eine höhere Frequenz nicht, empfehlen Experten. Aus Sicht des Arbeitsschutzes bedeutet Stoßlüften: im Sommer bis zu 10 Minuten das Fenster öffnen, im Frühling/Herbst fünf Minuten, im Winter drei.

Lüften gegen Corona: Welche Teile des Raumes sollte ich vermeiden?

Den Raum zu lüften heißt nicht zwangsläufig, dass die Corona-Gefahr überall gebannt beziehungsweise minimiert wird. Das gilt etwa für Ecken im Raum: Denn weil dort der Luftaustausch in der Regel geringer ist, können Aerosole dort länger verweilen.

Vorsicht: Auch, wenn in der Nähe eines Fensters sitzt - also am Ort der Luftaustrittsöffnung -, könnte mit Partikeln aus der Luft aus dem Rest des Raums befallen werden, wie Ingenieur Suresh Dhaniyala von RTL zitiert wird.

Lüften gegen Corona: Wird das Infektionsrisiko dadurch geringer?

Ja, nach Angaben von Experten kann das in Räumen besonders hohe Corona-Risiko durch Lüften tatsächlich deutlich verringert werden. „Wir können das Risiko halbieren, wenn wir doppelt so viel Luft hereinbringen“, erklärte Martin Kriegel, Experte für die Verbreitung von Aerosolen.

Komplette Entwarnung gebe es aber nicht. Doch die Anzahl möglicherweise virenbeladener Teilchen sinke durch das Lüften. Einen Luftwechsel, nach dem ein Raum sicher sei, gebe es nicht. 

Lüften gegen Corona: Der Trend aus Deutschland

Das „German Lüften“ zur Verringerung des Corona-Risikos hat es nun auch über die Grenzen Deutschlands geschafft. Zuletzt berichtete sogar der Guardian darüber.

Die englische Zeitung widmet sich in einem ganzen Artikel dem Stoßlüften, was für die Bundeskanzlerin die „billigste und effektivste Maßnahme“ sei, um sich vor dem Coronavirus zu schützen, wie Angela Merkel weit vor der Konferenz am Mittwoch (14. Oktober) mit den Ministern* sagte. *wa.de und Ruhr24.de sind Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © picture alliance/Christoph Schmidt/dpa

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