Serie: Der Fitness-Hype in Deutschland

Schönheitsideal im Wandel: "Strong is the new skinny"

+
Immer mehr Menschen schließen sich dem Fitness-Trend an und werden zu einem treuen Fitnessstudio-Mitglied

Rosenheim - Der Fitness-Hype, der auch in Deutschland keine Grenzen mehr zu kennen scheint, verändert das ganze Land samt Bevölkerung. Fitness-Food statt Fast-Food:

Lesen Sie morgen in unserer Serie:

  • Wenn der Sport zur Sucht wird...

Bereits in den 80er Jahren boomte in Deutschland ein Fitness-Trend nach dem amerikanischen Vorbild des "Gym". Damals galten die "Fitness-Ikonen" Arnold Schwarzenegger und Jane Fonda als bedeutende Vorbilder. Im Moment ist der einstige Fitness-Trend jedoch dabei, sich zu einem wahren Fitness-Wahn zu entwickeln. 

Wichtiger Bestandteil des Fitness-Trends: The Social Network

Der Fitness-Rummel wird heutzutage durch die Medien verstärkt, vor allem durch soziale Netzwerke wie Facebook und Instagram. Allein auf Instagram findet man unter "#fitspo" (Fitness-Inspiration) fast 21 Millionen Einträge zu Workouts, Motivationssprüchen und "Superfood-Mahlzeiten". Außerdem werden Sport-Apps immer beliebter und Fitnessmodels haben mehr Anhänger als Popstars. Die australische Fitness-Trainerin Kayla Itsines, mit stolzen 3,7 Millionen Instagram-Followern, wurde zum Beispiel durch ihr eigenes Fitnessprogramm "Bikini Body Training Company" zur Millionärin. 

Dr. Mary Pritchard, eine auf Essverhalten spezialisierte US-Psychologin, gab gegenüber dem Modemagazin "InStyle" an, dass sie sich sicher sei, dass die jungen Leute durch das Posten von Fitness-Fotos "soziale Anerkennung" erzielen wollen. Schlank und fit zu sein erfordere beträchtliche Disziplin und bedeute, dass man einen "schwer erreichbaren Standard" erreicht habe. Für diesen enormen Aufwand würden sie Applaus in Form von Likes erzielen wollen.

Entwicklung des Fitness-Hypes im Laufe der Zeit

Seit Jahren steigt die Zahl der Fitnessstudios in Deutschland stetig an. Eine Statistik der "statista" zeigt auf, dass 2014 mehr als 8000 Fitnessstudios existierten. Außerdem betrug die Zahl der Fitnessstudio-Mitglieder laut einer Statistik der "dssv" im Jahr 2015 9,47 Millionen, das sind 11,6% der Gesamtbevölkerung. 

Des Weiteren erzielen die Fitness-Branche und die Fitness-Industrie weit höhere Umsätze als noch wenige Jahre zuvor. Die "statista" veröffentlichte Zahlen, die für die Fitness-Industrie in Deutschland einen Umsatz von 6,3 Mrd. US-Dollar im Jahr 2014 feststellten. Auch die deutsche Fitnessbranche erzielte laut "statista" in 2014 einen Umsatz in Höhe von 4,7 Mrd. Euro. Discounteranbieter tragen zu diesem herausragenden Ergebnis zu einem großen Teil bei, da diese aufgrund der billigen Preise immer mehr Mitglieder dazu gewinnen. Sie sind oftmals nur halb so teuer wie klassische Fitnessstudios und dadurch vor allem bei der jungen Zielgruppe sehr begehrt.

Das Schönheitsideal 2016

Die auffälligste und wichtigste Wendung stellt allerdings das neue Schönheitsideal dar, das sich mittlerweile entwickelt hat. Der Fitness-Trend 2016 lautet nach Katharina Drewes, einer jungen Bachelor-Psychologin, "Strong is the new skinny".

Das Schönheitsideal hat sich in den vergangenen 100 Jahren sehr stark verändert. Vor mehr als einem Jahrhundert war es blass und rundlich, noch vor ein paar Jahren dünn und groß und heute ist es kräftig und definiert. Auch Psychologie-Professor David La-Porte von der Indiana University in Pennsylvania gab gegenüber der "InStyle" an, dass der Trend weg von "Magermodels" gehe und jetzt muskulös, aber trotzdem schlank als neuer "Body-Standard" gelte. Laut "profiteerfitness" hätten sich in den 1980er Jahren nur wenige Frauen und Männer für "ausgeprägte Muskeln, straffe Beine oder definierte Bauchmuskeln" interessiert. Heute stehe allerdings bei den Männern ein großer Bizeps, ein breiter Rücken und definierte Bauchmuskeln an erster Stelle. Im Gegensatz dazu sind es bei Frauen straffe Arme und Beine, ein flacher Bauch und ein knackiger Po. Wer sich diesem Lifestyle nicht anpasst gilt oftmals als unkonsequent, faul oder sogar unattraktiv. 

Professor Michael Meuser von der Deutschen Gesellschaft für Soziologie, gab in einem Interview mit dem "Deutschlandfunk" folgende Erklärung für das Phänomen ab: "Der fitte Körper ist inzwischen eine Anforderung geworden. Und zwar in dem Zusammenhang, dass man sagen kann, dass der Körper mehr und mehr zur Visitenkarte des Subjekts geworden ist. Diese Anforderungen, einen fitten, disziplinierten Körper zu präsentieren, ist im deutlichen Maße gewachsen.".

Fitness-Food statt Fast-Food

Vor allem in Großstädten ist deutlich zu sehen, dass das Angebot an "Fitness-Food" gewaltig zunimmt. Das steigende Bewusstsein der Gesellschaft für gesunde Ernährung, stellt eine erhöhte Konkurrenz für die Fast-Food-Industrie dar. Laut "profiteerfitness" wachse die Nachfrage nach Fitness-Food und lasse gleichzeitig die Nachfrage nach Fast-Food sinken. Jens Spahn, der gesundheitspolitische Sprecher der Unionsfraktion, drückte gegenüber "Die Welt" große Besorgnis aus. Er möge gar nicht daran denken, dass ein "Kraftfutter-Shop" nach dem anderen öffne, da dadurch eindeutig auf ein falsch verstandenes Ideal hingearbeitet werde. Allerdings würden junge Menschen, ihres Körpers zuliebe, vermehrt auf Alkoholkonsum und Rauchen verzichten, entgegnete "profiteerfitness".

Zurück zur Übersicht: Gesundheit

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser