Serie: Der Fitness-Hype in Deutschland

Wenn der Sport zur Sucht wird...

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Übermäßiger Sport birgt gewaltige Gefahren und kann schnell zur Sucht führen.

Rosenheim - Der Fitness-Hype greift tief in die Gesellschaft ein. Doch was richtet der enorme Fitness-Trend mit unserem Körper an? Und ab welchem Punkt spricht man bereits von einer Sucht?

Lesen Sie auch:

Häufig wollen die jungen Leute sich selbst, aber auch anderen etwas beweisen. Durch Sport gelingt ihnen, das eigene Wohlbefinden zu steigern. Vielen geht es aber auch darum, die Leistungsfähigkeit zu verbessern, sodass diese mit Freunden, etc. mithalten können. Andere sehen im Sport die beste Möglichkeit, um Stress abzubauen oder vor Problemen im sozialen Umfeld zu flüchten. Der Hauptgrund ist allerdings für die Meisten ein anderer. Sie trainieren für das ganz bestimmte Schönheitsideal hin, das ihnen tagtäglich auf den Sozialen Netzwerken in die Augen sticht. Aber hat ein übermäßiges Training nur positive Effekte?

Negative Auswirkungen auf Körper und Geist

Der übermäßige Sport-Drang kann schnell zur Sucht werden. Sobald der Sport zur Zwangsaufgabe wird und man bei der kleinsten Auszeit von Gewissensbissen gequält wird, spricht man von einer Sucht. Typisch dafür sind Gereiztheit, innere Unruhe oder Nervosität. Das ständige Verlangen nach Fitness führt zu einem Teufelskreis, aus dem die Betroffenen alleine nicht mehr herausfinden.

Eine andere Sportsucht, die häufig in Zusammenhang mit dem Sport-Drang auftritt, heißt "Anorexia Athletica". Hierbei handelt es sich um eine Essstörung bei Sportlern. Die Opfer hungern sich, wie bei einer Magersucht, bis zur Grenze des Untergewichts oder darüber hinaus runter. Andreas Schnebel, Geschäftsführer der Münchner Beratungsstelle ANAD, einer Anlaufstelle für Essgestörte, berichtet gegenüber der "InStyle", dass in den letzten Jahren eine neue Erkrankung enorm zugenommen habe: die Orthorexie. Dabei werden nicht wie bei der Magersucht zwanghaft Kalorien gezählt, sondern Vitamine und Mineralien. Beide Krankheiten haben oftmals eine sinkende Leistungsfähigkeit zur Folge. Diese Entwicklung bestätigt, dass dadurch das angestrebte Ziel in eine völlig falsche Richtung laufen kann.

Weitere negative Effekte von maßlosem Sport sind ein geschwächtes Immunsystem, Stoffwechsel- und Hormonstörungen sowie Schlafstörungen und Kopfschmerzen. Ebenso leiden die Gelenke, Knochen und Bänder der Extrem-Sportler sehr unter dessen verantwortungslosem Handeln. Professor Andreas Imhoff, Chefarzt der Abteilung Sportothopädie an der Technischen Universität München, erwähnte gegenüber "Die Welt", dass er feststellen müsse, dass die Zahl der Patienten, die aufgrund von Sportverletzungen in seine Klinik kommen, extrem gestiegen sei (täglich 50 bis 100). Großes Aufsehen erzeuge auch die Zunahme von langfristigen Belastungsschäden, vor allem an den Gelenken. Fast täglich sähen sie Knorpelverletzungen an der Kniescheibe, welche man sich durch ruckhafte Bewegungen am Knie zuziehe. 

Auffällig ist auch, dass der illegale Handel mit Doping (z.B. Anabolika) durch die Pharma-Industrie extrem zugenommen hat. Die Mehrzahl der Kunden ist sich dabei nicht bewusst, welche langjährigen und bleibenden Schäden diese mit sich bringen.

Nicht zu vergessen ist auch, dass neben den Betroffenen das gesamte Umfeld unter den Folgen des Fitness-Wahns leidet. Schule, Ausbildung, Partnerschaften und vor allem soziale Kontakte wie Familie und Freunde bekommen die Sucht deutlich zu spüren. All diese Dinge werden nämlich dem Sport untergeordnet und somit vernachlässigt. Der Sport wird zum zentralen Lebensinhalt, alles andere wird ausgeblendet und spielt keine tragende Rolle. Nicht selten kommt es vor, dass die Fitness-Fanaten vereinsamen, da sie sich von ihrem Freundeskreis abkapseln. 

Wie trainiere ich richtig? 

Im Großen und Ganzen ist Sport sehr gesund, doch alles was eine gewisse Grenze überschreitet, ist ungesund. Dies bestätigte auch Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr gegenüber der "Welt am Sonntag". Seiner Meinung nach sollte man es nicht übertreiben, denn Sport ohne Maß schade der Gesundheit. Das Problem ist oftmals, dass sich die Menschen zu hohe Ziele setzen. Zugleich sind viele sehr ungeduldig und möchten ihre Intention in kürzester Zeit erreichen. Richtig ist: Mehrere kleine Ziele setzen, für diese genügend Zeit einplanen und die eigenen Grenzen kennen.

sml

Zurück zur Übersicht: Gesundheit

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser