Zwischen 2007 und 2011

Erträge von Arztpraxen kräftig gestiegen

Wiesbaden - Niedergelassene Ärzte haben die Erträge ihrer Praxen zwischen 2007 und 2011 kräftig gesteigert. Das geht aus neuen Zahlen des Statistischen Bundesamts in Wiesbaden hervor.

Demnach stieg der sogenannte Reinertrag je Arztpraxis in diesen vier Jahren um 21 Prozent auf durchschnittlich 234.000 Euro.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamts gab es bei den Ärzten je nach Fachrichtung große Unterschiede. Allgemeinarztpraxen verbuchten 2011 Reinerträge von durchschnittlich 181.000 Euro, Kinderarztpraxen brachten es auf 191.000 Euro, Orthopädie-Praxen auf 293.000 Euro und Praxen für Haut- und Geschlechtskrankheiten auf 249.000 Euro. Auch die Region spielt eine Rolle: So waren die Einnahmen von Praxen im Westen vor Abzug der Kosten mit zuletzt 516.000 Euro viel höher als im Osten mit 339.000.

Derzeit verhandeln die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und der Spitzenverband der Gesetzlichen Kranken- und Pflegekassen (GKV) über die Honorare für die ambulante Behandlung der etwa 70 Millionen gesetzlich Krankenversicherten für das kommende Jahr. Bei einem ersten Treffen am Mittwoch hatte es nach Angaben der KBV keine Einigung über die jährlich fällige Anpassung der Gesamtzahlungen gegeben. Die Gespräche sollen in der nächsten Woche fortgesetzt werden.

Der GKV wertete die Ertrags-Statistik derweil als Beleg für eine insgesamt ausreichende Bezahlung der deutschen Ärzteschaft. "Die jetzt veröffentlichten Zahlen des Statistischen Bundesamtes zeigen deutlich, dass es insgesamt kein Einkommensproblem bei niedergelassenen Ärzten gibt", erklärte Sprecher Florian Lanz am Freitag in Berlin. "Wenn einzelne Arztgruppen oder Ärzte ein zu geringes Honorar erhalten, dann ist das ein Verteilungsproblem innerhalb der Ärzteschaft."

Den am Donnerstag veröffentlichten Zahlen zufolge gab es bei Zahnärzten und Psychotherapeuten mit eigenen Praxen ebenfalls Zugewinne. Die Reinerträge von Zahnarztpraxen stiegen von 2007 bis 2011 um zwölf Prozent auf 178.000 Euro. Bei Psychotherapeuten erhöhte sich der Reinertrag um 19 Prozent auf 68.000 Euro.

Insgesamt zeigt sich in der Erhebung außerdem, dass bei Ärzten und Zahnärzten ein stark steigender Anteil der Einnahmen aus Abrechnungen mit Privatversicherungen stammt und damit zu den höheren Erträgen beitrug. Einnahmen aus privatärztlicher und sonstiger selbstständiger ärztlicher Tätigkeit je Praxis erhöhten sich bei Ärzten in dem betrachteten Zeitraum um etwa 32 Prozent auf 152.000 Euro pro Jahr.

Bei Zahnarztpraxen erhöhten sich die Einnahmen in diesem Sektor um rund 24 Prozent auf jährlich 275.000 Euro. Bei Zahnärzten machten Abrechnungen mit privaten Krankenversicherungen 2011 bereits mehr als die Hälfte (51,7 Prozent) der Einnahmen je Praxis aus.

Wie das Statistisches Bundesamt in seiner Veröffentlichung betonte, ist der Reinertrag nicht mit dem betriebswirtschaftlichen Gewinn einer Praxis zu verwechseln. Es handelt sich um eine "rein rechnerische Größe", die sich aus dem Abgleich von Einnahmen und Ausgaben ergibt. Kosten für Praxenübernahmen und Aufwendungen für die Sozialversicherungen und berufsständische Versorgungswerke bleiben außen vor. Auch Steuern müssen davon abgezogen werden.

AFP

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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