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Pflanzliche Hausapotheke

Fieber, Erkältung, Übelkeit: Diese Pflanzen-Präparate solltet Ihr daheim haben

Collage aus Teetasse und frischen Kräutern und einer Tinktur und Gänseblümchen
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Viele Anwendungen kann man selbst zubereiten, etwa Tinkturen. Die einfachste Verwendung der verschiedenen Kräuter: ein Teeaufguss.

Bei kleineren Verletzungen oder akuten Erkrankungen wie grippalen Infekten, Magen-Darmproblemen oder Blasenentzündungen ist die Hausapotheke als erste Anlaufstelle oft der Retter in der Not. Pflanzliche Arzneimittel tun hier einen guten Dienst - sie sind oftmals hochwirksam und vor allem gut verträglich.

Seit Jahrtausenden werden pflanzliche Arzneimittel in allen Kulturen der Welt mit Erfolg eingesetzt. Bis vor 200 Jahren waren pflanzliche Heilmittel sogar die einzige Medizin. Obwohl sich die Möglichkeiten hier inzwischen enorm erweitert haben, erfreut sich die Pflanzenheilkunde heute wieder großer Beliebtheit – auch und vor allem zuhause.

Weil sie in der Regel gut verträglich sind, können sie auch über längere Zeit eingenommen werden. „Gerade wenn Krankheiten beginnen oder vorbeugend, da lassen sich Heilkräuter gut einsetzen”, sagt Kräuterpädagogin Sonja Walter aus Kleinhöhenrain.

Aus dem Schatz der Natur - wie Heilpflanzen wirken

In Deutschland sind Heilpflanzen und pflanzliche Arzneimittel (Phytopharmaka) heute sehr beliebt: So befürworten über 70 Prozent der Deutschen den Einsatz pflanzlicher Arzneimittel und wenden sie auch selbst an. „Es ist ein Trend, sich erst einmal selbst zu helfen und nicht bei jeder Kleinigkeit zum Arzt zu laufen. Und wenn man rechtzeitig etwas gegen eine beginnende Erkältung tut, wird es erfahrungsgemäß erst gar nicht so schlimm”, so Walter. Trotzdem betont sie, dass die Hausmittel keinen Arztbesuch ersetzen, wenn man richtig krank ist.

Therapeutisch wichtige Inhaltsstoffe der Heilpflanzen sind bestimmte Glykoside, Saponine, Bitterstoffe, Gerbstoffe, aber auch Schleimstoffe und ätherische Öle. Wissenschaftler suchen seit Jahrzehnten in Pflanzen nach Wirkstoffen mit heilenden Eigenschaften und konnten den therapeutischen Wert vieler Pflanzen bisher bestätigen. 

Heilpflanzen werden meist in getrockneter und zerkleinerter Form verwendet, wobei entweder die gesamte Pflanze oder nur bestimmte Teile verarbeitet werden. Standardisierte pflanzliche Fertigarzneimittel sind in Form von Tabletten, Kapseln, Säften, Tropfen oder Salben erhältlich. Oft werden in pflanzlichen Arzneimitteln mehrere Heilpflanzen miteinander kombiniert, wenn sie sich in ihrer Wirkung sinnvoll ergänzen. 

Wer pflanzliche Arzneimittel anwendet, sollte die klinisch getesteten und zugelassenen Produkte aus der Apotheke bevorzugen. Die Wirksamkeit vieler Produkte aus dem Supermarkt oder der Drogerie ist nicht durch Studien belegt. „Viele Heilpflanzen wachsen auch direkt vor unserer Haustür, an Wald- und Wegrändern und in unseren Gärten - man braucht sie nur aufzusammeln”, sagt die Expertin.

Ausgewählte Pflanzen-Arzneien – wirksam und gut verträglich

Neben Schmerzmitteln und Präparaten gegen Fieber, Erkältung oder juckende Stiche gehören auch Arzneimittel gegen Magen-Darm-Probleme in jede Hausapotheke. 

Im Folgenden ein paar Beispiele für eine natürliche Hausapotheke:

  • Fieber und Schmerzen: Tees aus Linden- oder Holunderblüten.
  • Erkältungen: Tees aus Kamille oder Salbei, Mundsprays mit ätherischen Ölen, Hustensäfte mit Thymian oder Efeu, Salben mit Eukalyptus, Inhalationen mit Eukalyptusöl oder Kamillenblüten.
  • Durchfall: Tabletten aus Myrrhe, Kaffeekohle und Kamille, Tee oder Tinktur mit Blutwurz, Aufgüsse aus Brombeerblättern, getrockneten Heidelbeeren sowie schwarzer und grüner Tee.
  • Übelkeit und Erbrechen: Ingwer als Trockenextrakt für Aufgüsse oder Fertigarzneimittel.
  • Blasenentzündung: Tabletten aus Kapuzinerkresse und Meerrettich, Tees mit Orthosiphonblättern, Goldrutenkraut oder Birkenblättern.
  • Juckreizlindernd und kühlend: Creme mit Aloe Vera, Tees als Umschläge mit Eichenrinde, Kamille oder Haferstroh.
  • Wunden: Salben und Tinkturen mit Kamille, Arnika, Ringelblume oder Hamamelis.
  • Schlafstörungen und zur Beruhigung: Arzneimittel mit Baldrian und Hopfen, mit Passionsblume oder mit Johanniskraut.

Tees und Aufgüsse aus Heilpflanzen gehen immer

Viele Heilpflanzen-Anwendungen könnt Ihr nach Anleitung selbst aus frischen oder getrockneten Pflanzenteilen zubereiten. 

Die einfachste Verwendung der verschiedenen Kräuter ist immer ein Teeaufguss. Generell gilt: etwa ein Teelöffel auf 250 Milliliter heißes Wasser und je nach gewünschter Stärke fünf bis zehn Minuten ziehen lassen.

Hier ein paar Beispiele:

Thymian

Er wirkt schleim- und krampflösend sowie blutstillend, zu verwenden bei Husten und Bronchitis sowie bei Verdauungsbeschwerden, desinfizierend bei Entzündungen der Haut. „Thymian-Tee gibt es bei uns bei jeder beginnenden Erkältung. Beim ersten Kratzen im Hals gleich ein paar Tassen am Tag. Das Schöne: Der hilft, egal ob die Ursache bakteriell oder viral ist”, sagt Walter. Bei Kindern kann man den Tee mit Apfelsaft mischen. „Den Thymian - getrocknet oder frisch - aufgießen und 10 Minuten ziehen lassen. 

Minze

Durch die kühlende Wirkung der Minze eignen sich Tees und Wickel gut bei Fieber. Mit ätherischem Minzöl bekommt man aber auch in Sekundenschnelle eine verstopfte Nase wieder frei. Oft reicht es schon, an einem zerriebenen Blatt oder am ätherischen Öl zu riechen. Zusätzlich kann man ein paar Tropfen in ein Wasserschälchen geben und im Schlafzimmer aufstellen. Auch gegen Kopfschmerzen ist Minze die richtige Wahl. Aber dazu eine klare Warnung der Heilpflanzen-Expertin: „Für Kleinkinder ist das ätherische Öl nicht geeignet, wegen der Gefahr eines Atemstillstandes!”

Salbei

Ein weiterer Klassiker der pflanzlichen Hausapotheke: Das Trinken von Salbeitee und das Gurgeln damit sorgt schnell für Linderung bei Entzündungen im Hals- und Rachenbereich. Für eine Mundspülung gießt Ihr zwei Teelöffel Salbeiblätter oder zwei bis drei Tropfen ätherisches Salbeiöl mit 250 Milliliter heißem Wasser auf, seiht die Blätter ab und lasst es abkühlen. Mehrmals täglich mit der Lösung gurgeln und spülen.

Schafgarbe

Bei Blähbauch, Verdauungs- oder Menstruationsbeschwerden, krampfartigen Bauchschmerzen oder Völlegefühl können Schafgarben-Tee und Wickel helfen. Für letzteren überbrüht Ihr vier Esslöffel Schafgarbe mit einem Liter heißem Wasser, lasst es zehn Minuten ziehen und seiht es ab. Dann tränkt Ihr ein Tuch mit dem Aufguss, wringt es aus, legt es auf die betroffene Stelle und fixiert es mit einem größeren Tuch.

Weitere Kräuter für die Hausapotheke:

  • Kamille: wirkt antibakteriell, entzündungshemmend, entkrampfend und verdauungsanregend.
  • Lavendel: wirkt beruhigend bei Nervosität und Unruhe.
  • Petersilie: regt die Verdauung an. Außerdem wirkt er positiv auf Niere, Harnwege und Blase.
  • Melisse: wirkt entspannend, anregend und aufmunternd sowie antibakteriell.
  • Rosmarin: wirkt anregend, durchblutungsfördernd und krampflösend.
  • Ingwer: geeignet bei Übelkeit oder Reisekrankheit, bringt außerdem die Verdauung in Schwung, wirkt bei Muskel- und Gelenkbeschwerden und stärkt das Immunsystem.
  • Spitzwegerich: Als Tinktur kann man ihn beispielsweise gut bei Stichen einsetzen, er wirkt abschwellend und juckreizstillend.
  • Ringelblume: Als Tinktur oder Salbe geeignet für kleinere Verletzungen und Schürfwunden.
  • Fichtenharz: Eine entsprechende Salbe wirkt wie eine Zugsalbe, gut geeignet etwa, wenn man sich einen Schiefer eingezogen hat.

Einige dieser Pflanzen kann man gut im Blumenkasten oder im Topf auf der Terrasse halten. „Thymian sowieso, aber auch Spitzwegerich zum Beispiel wächst gut auf dem Balkon. Und die Ringelblume ist sogar eine wunderbare Balkonpflanze, die auch schön aussieht”, erklärt Sonja Walter.

Auch Tinkturen selbst herzustellen ist laut der Kräuterpädagogin kein Problem: „Ein Doppelkorn aus dem Supermarkt, die kleingeschnittenen Kräuter rein, drei bis vier Wochen ziehen lassen und fertig”. Wichtig dabei: Wenn man Pflanzen für Essen oder Medizin verwendet, muss man sich absolut sicher sein, dass es die richtige Pflanze ist, die man verwendet. Ansonsten lieber getrocknet in der Apotheke kaufen oder eben gleich das Fertigprodukt.

Pflanzenmedizin für Kinder

Kinder sind in den ersten Lebensjahren viel häufiger von Erkältungen und Magen-Darm-Erkrankungen betroffen als Erwachsene. Das liegt unter anderem an dem noch nicht ganz ausgebildeten Immunsystem. Was Eltern dann in der Hausapotheke bereithalten sollten, erklärt der Landesapothekerverband Baden-Württemberg (LAV): „Bei den ersten Anzeichen einer Erkältung empfehle ich den Eltern, einen Tee aus Thymian, Kamille oder Fenchel mit Honig zu kochen, um die Schleimhäute des Kindes zu befeuchten und die Abwehrkräfte zu stärken“, erklärt Christoph Gulde, Vizepräsident des Landesapothekerverbands. 

Auch ein Bad mit ätherischen Ölen wie Eukalyptus oder Thymian für Kinder ab zwei Jahren kann das Immunsystem unterstützen. „Hier ist es wichtig, dass das Kind danach in ein warmes Bett schlüpft und nicht friert, sonst kann es zum gegenteiligen Effekt kommen. Auch ein Saft aus Echinacin kann bei Kindern ab vier Jahren die Selbstheilungskräfte des Körpers aktivieren und so eine Erkältung abschwächen“, so Gulde weiter.

Ergänzend können Brustsalben mit ätherischen Ölen und Hustensäfte zum Einsatz kommen. „Bei den Salben ist unbedingt auf das richtige Alter zu achten, denn kleine Kinder vertragen noch kein Menthol“, zeigt Gulde auf. Bei einem Husten empfiehlt der Apotheker Hustensäfte mit pflanzlichen Wirkstoffen von Thymian, Efeu oder Fenchel. Größere Kinder können den Husten zwischendurch mit Pastillen aus Emser Salz oder Primelwurzel lindern.

Wichtig: Wenn das Fieber über 39 Grad steigt oder auch starke Beschwerden wie Atemprobleme, Schüttelfrost, starke Kopfschmerzen oder Schmerzen in der Brust dazukommen, sollte man zum Kinderarzt gehen.

Was gehört außerdem in eine gut sortierte Hausapotheke?

Persönliche, vom Arzt verordnete Medikamente zur regelmäßigen Einnahme haben ihren festen Platz in der Hausapotheke. Außerdem gehört unbedingt hinein:

  • Fieberthermometer 
  • Wunddesinfektionsmittel 
  • Verbandsmaterial (verschiedene Binden, Pflaster, Verbandklammern, Splitterpinzette) 
  • Zeckenzange 
  • Einweghandschuhe
  • Notfallnummern

Kräuterpädagogin Sonja Walter

Seit 2007 beschäftigt sie sich hauptberuflich mit Kräutern und Wildkräutern, seit 2009 bietet sie in der Alten Schäferei in Kleinhöhenrain Seminare und Veranstaltungen rund um die Themen Heilkräuter, Kochen mit Wildkräutern und Naturkosmetik an.

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