Impfstoffmangel

Die Grippewelle 2019 rollt an: Für wen eine Impfung jetzt noch sinnvoll ist

+
Das Robert Koch-Institut rät bestimmten Risikogruppen, sich noch gegen Grippe impfen zu lassen.

In der dritten Januarwoche wurden rund 2.200 bestätigte Krankheitsfälle an das Robert-Koch-Institut gemeldet, teilte die Arbeitsgemeinschaft Influenza (AGI) mit.

Die Grippe-Saison 2017/2018 ist zwar stürmischer losgegangen als die aktuelle, doch nicht jeder Grippekranke geht zum Arzt. Die Dunkelziffer liegt deshalb stets viel höher. Nur laborbestätigte Fälle müssen an die Gesundheitsämter gemeldet werden.

Die Grippe-Welle rollt: Wer sich noch impfen lassen sollte

Die Komponenten des diesjährigen Impfstoffs passten gut zu den bislang entdeckten Viren des Typs A. "Wer noch nicht geimpft ist und zu den Risikogruppen gehört, sollte das jetzt tun", sagte Buda. Dazu zählten über 60-Jährige, chronisch Kranke wie MS- oder Mukoviszidose-Patienten, Schwangere und medizinisches Personal. Es dauert allerdings bis zu zwei Wochen, bis ein Impfschutz aufgebaut ist. Und es ist nicht sicher, dass jeder Arzt noch Impfstoff bekommt.

Wegen des Impfstoffmangels in dieser Saison hat Deutschland mehrere Tausend Dosen Grippe-Impfstoffe von EU-Ländern importiert. Dennoch gibt es mancherorts noch Engpässe bei der Versorgung. Allein nach Berlin seien 3.000 Dosen geordert worden, sagte eine Sprecherin des Landesamts für Gesundheit und Soziales. Das Saarland erhielt nach Auskunft der Landesapothekenkammer "sehr kleine Mengen" von Impfstoffen aus Polen und Frankreich, dennoch sei nun keiner mehr verfügbar. Auch nach Bayern wurden Impfstoffe importiert. "Wir hatten eine enorm erhöhte Nachfrage", sagte der Sprecher der Landesapothekenkammer Thomas Metz.

Auch interessant: Wie lange dauert eigentlich eine Grippe bei Erwachsenen?

Grippe 2018/2019: Hohe Nachfrage nach Impfstoff

Apotheken in Schleswig-Holstein hätten Impfstoffe "im vierstelligen Bereich" aus dem Ausland, überwiegend aus Großbritannien bezogen, sagte der Geschäftsführer der Landesapothekenkammer, Frank Jaschkowski. "Damit konnten kleinere Versorgungslücken geschlossen werden." Geschätzt einige Tausend Menschen des Bundeslandes hätten sich wegen des Impfstoffmangels nicht gegen Grippe impfen lassen. In anderen Bundesländern wie Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen gibt es nach Behördenangaben keine größeren Probleme mit den Impfstoffen.

Die ungewöhnlich starke Grippewelle der vergangenen Saison sehen Experten als einen Grund dafür an, dass sich diesmal so viele Menschen impfen ließen. Ein weiterer Grund sei die Einführung des Vierfach-Impfstoffs, der als wirksamer gilt als der mit drei Komponenten, sagte eine Sprecherin des für Impfstoffe zuständigen Paul-Ehrlich-Instituts (PEI).

Das könnte Sie auch interessieren: Ab wann ist die Grippeschutzimpfung 2019/2020 sinnvoll?

Letzte Grippewelle wird als stärkste seit Jahren eingestuft

Für diese Saison hatte das PEI 15,7 Millionen Dosen freigegeben, rund eine Million mehr als in der Vorsaison verimpft worden waren. Nach Engpässen hatte das Bundesgesundheitsministerium im November den Import von weiteren Grippe-Impfstoffen erlaubt. Die Herstellung der Impfstoffe muss langfristig geplant werden, denn sie dauert mehrere Monate und geschieht nach wie vor zumeist mit Hilfe von Hühnereiern. Die Pharmafirmen produzieren im November zudem die Grippeimpfstoffe für die Südhalbkugel und haben daher keine weiteren Kapazitäten.

Die frühe Planung der Impfstoffzahl ist schwierig. Auch 2005 kam es zu einem Mangel. Aus Angst vor der Vogelgrippe hatten sich viele Menschen impfen lassen, obwohl die gewöhnliche Grippe-Impfung gar nicht davor schützt, wie eine PEI-Sprecherin damals sagte. Die vergangene Grippewelle hatte das RKI bereits als stärkste in Deutschland seit Jahren gewertet. Geschätzte neun Millionen Menschen sind wegen einer Influenza-Erkrankung zum Arzt gegangen, vermutlich starben mehr als 20.000 Menschen, vor allem Ältere.

Mehr zum Thema: Influenza 2018/2019 - was hilft schnell gegen Grippesymptome?

Weiterlesen: Grippe-Epidemie - Deshalb sind Patienten mit extremem Übergewicht ansteckender.

dpa

Diese Viren und Bakterien machen uns krank

Zurück zur Übersicht: Gesundheit

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser

MEHR AUS DEM RESSORT