Großteil der EHEC-Patientenaus Kliniken entlassen

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Den meisten der EHEC-Patienten geht es mittlerweile wieder besser.

Hamburg/Hannover - Mehr als zwei Monate nach Ausbruch der EHEC-Epidemie in Deutschland entspannt sich die Lage. Ein Großteil der Erkrankten hat sich offenbar erholt.

So wurde die Mehrheit der Patienten in den von der Epidemie stark betroffenen Bundesländern inzwischen aus den Kliniken entlassen, wie eine dapd-Umfrage am Freitag ergab. Am Hamburger Universitätsklinikum-Eppendorf (UKE) beispielsweise ging die Zahl der HUS-Patienten von insgesamt 140 auf derzeit sieben zurück, wie Sigrid Harendza, Oberärztin der nephrologischen Abteilung am UKE, sagte. Mehr als 100 von ihnen würden aber weiter ambulant betreut.

Am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) befinden derzeit noch neun Menschen mit HUS sowie ein EHEC-Fall in stationärer Behandlung. Insgesamt seien mehr als 350 Menschen wegen des EHEC-Erregers behandelt worden, davon etwa 150 Patienten stationär, hieß es. Dem Klinikum zufolge belaufen sich die durch die Epidemie entstandenen Mehrkosten auf mindestens 2,8 Millionen Euro.

EHEC: Die wichtigsten Fragen und Antworten

dapd
Was verbirgt sich hinter der Abkürzung EHEC? © 
Es handelt sich bei EHEC-Bakterien um die sogenannten Enterohämorrhagischen Escherichia Coli-Bakterien. Seit Anfang Mai verbreitet ein besonders aggressiver Erreger Angst und Schrecken in Deutschland. © dpa
Bisher sind 36 Menschen an den Folgen der Erkrankung gestorben. Überraschend: Betroffen sind vor allem junge Frauen. Normalerweise erkranken Kleinkinder unter fünf Jahren, ältere und immunschwache Menschen durch eine EHEC-Infektion. © dpa/ap
Bei EHEC handelt es sich um eine gefährliche Variante des für den Menschen harmlosen Darmbewohners Escherichia coli. EHEC kommt im Darm von Weiderkäuern vor. Gelangt es jedoch in den Körper des Menschen, setzen die Bakterien dort gefährliche Giftstoffe frei. © dpa/ap
Wissenschaftler haben das Genom des Erregers bereits entschlüsselt. Dabei fanden sie heraus, dass zwei Bakterienstämme ihre Erbsubstanz miteinander ausgetauscht haben. © dpa
Welche Symptome bringt eine EHEC-Erkrankung mit sich? © dpa/ap
Der Erreger kann sich zunächst durch blutigen und wässrigen Durchfall, Erbrechen, Übelkeit und Bauchschmerzen bemerkbar machen. Zudem sind bei schweren Verläufen auch Blutarmut, Gefäß- und Nierenschäden möglich. Auch wenn die Krankheit überstanden ist, können Gesundheitsschäden wie etwa Nierenleiden zurückbleiben. © dpa
Wie wird die Krankheit übertragen? © dpa/ap
Da sich der Erreger vor allem im Kot von Nutztieren findet, ist direkter Kontakt mit den Tieren ein Übertragungsweg. Aber auch verunreinigte Lebensmittel, die Kot-Partikel enthalten, können Ursache sein. Wird gedüngtes Obst und Gemüse ungewaschen gegessen, kann das die Krankheit auslösen. Auch eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist über Schmierinfektionen möglich. © dpa/ap
Was ist bei den aktuellen Fällen die Infektionsquelle? © dpa/ap
Schnell gerieten Gurken und Tomaten in Verdacht. Das Bundesamt für Risikobewertung hat allerdings inzwischen die Empfehlung, auf den Verzehr von Gurken, Tomaten und Blattsalat in Norddeutschland zu verzichten, aufgehoben.  © dapd
Denn inzwischen haben Wissenschaftler Sprossen von einem Biohof im niedersächsischen Bienenbüttel zweifelsfrei als Träger des Erregers identifiziert. © dpa
Beunruhigend: EHEC-Bakterien wurden auch auf bayerischem Salat gefunden. Er befand sich auf Lollo Rosso-Salat eines Fürther Gemüseerzeugers. Erste Laborergebnisse deuten jedoch nicht darauf hin, dass es sich um den gefährlichen Erreger-Typ handelt. © dapd
Wie kann ich mich vor EHEC-Erkrankungen schützen? © dpa/ap
Die Behörden empfehlen, dass in Deutschland derzeit keine rohen Sprossen gegessen werden sollten - auch keine selbst gezogenen.  © 
Der beste Schutz vor dem Keim ist allerdings Hygiene. Dazu gehört regelmäßiges Händewaschen. Verbraucher könnten dem RKI zufolge das Risiko einer EHEC-Infektion weiter minimieren, indem sie alle Lebensmittel vor dem Verzehr mindestens zehn Minuten lang auf 70 Grad erhitzen. Es gibt keine Impfung gegen den Keim. © dpa
In der Berichterstattung ist auch von HUS die Rede. Was ist das? © dpa/ap
HUS steht für hämolytisch-urämisches Syndrom, einen besonders schweren Verlauf der EHEC-Erkrankungen. Dabei kann es zu Nierenversagen und Blutarmut kommen. Das kann lebensbedrohlich sein. © dpa/ap
Was muss ich tun, wenn ich betroffen bin? © dpa/ap
Zunächst sollten Betroffene einen Arzt aufsuchen. Außerdem sollen EHEC-Erkrankte viel trinken, um den Flüssigkeits- und Salzverlust auszugleichen. Hygiene ist ein Muss, um weitere Ansteckungen zu vermeiden. Mit dem Bakterium infizierte Patienten sollten auf keinen Fall Antibiotika nehmen. Diese könnten die Situation noch verschlimmern, erklärte ein Arzt des Berliner Krankenhauses Charité. Wenn die Bakterien durch das Antibiotikum in großem Umfang zerfallen, werden vermehrt Gifte aus den Bakterien freigesetzt. © dpa/ap

Auch in Niedersachsen, wo die Epidemie nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) die meisten Todesopfer forderte (13), erholten sich die schwer erkrankten Patienten innerhalb weniger Wochen. So befinden sich nach Angaben des Landesgesundheitsministeriums von den 147 HUS-Patienten nur noch “Einzelne“ weiter in Krankenhäusern. Die Medizinische Hochschule Hannover (MHH) versorgte allein 52 Patienten, von denen noch vier stationär betreut werden. Keiner der Patienten wurde nach Angaben des Nephrologen Jan T. Kielstein so dauerhaft an den Nieren geschädigt, dass er weiter auf eine Dialyse angewiesen ist.

Kielstein zufolge wurden die HUS-Patienten in der MHH im Schnitt 16 bis 18 Tage stationär behandelt, eine knappe Woche davon auf der Intensivstation. Die Verläufe seien jedoch sehr unterschiedlich gewesen. So benötigten viele der Patienten, insbesondere die mit schweren neurologischen Verläufen benötigen darüber hinaus noch stationäre Rehabilitations-Maßnahmen.

Noch besser scheint die Lage in Hessen. In den Kliniken Darmstadt und Fulda wurden alle nach eigenen Angaben alle an dem Darmbakterium erkrankten Patienten entlassen. Die größte Herausforderung sei die Behandlung einer an HUS erkrankten Schwangeren gewesen, sagte eine Sprecherin. Diese müsse auch heute noch regelmäßig zur Untersuchung. Eine Dialyse sei jedoch nicht notwendig gewesen.

Nach der Entlassung aus der Klinik ist nach den Worten von Nierenärztin Harendza das Wichtigste, “die Patienten in der Nachsorge engmaschig zu betreuen, um den Verlauf ihrer Nierenfunktion mittels Blut- und Urinwerten zu kontrollieren“, Die Dauer der ambulanten Behandlung könnte sich aber je nach Werten von einigen Monaten auf bis über ein Jahr hinziehen.

Nach RKI-Angaben bleibt auch die Zahl der Neuerkrankungen bundesweit auf niedrigem Niveau. Zwar seien von Mittwoch auf Donnerstag 41 neue Infektionsfälle gemeldet worden. Das letzte bekannte Erkrankungsdatum bei einem Patienten mit dem gefährlichen Erreger sei der 7. Juli gewesen.

Seit Anfang Mai sind den Angaben zufolge bundesweit mehr als 4.330 Menschen an EHEC erkrankt, 48 sind im Zusammenhang mit dem gefährlichen Darmkeim gestorben. Das Institut hatte ursprünglich von 51 Todesfälle berichtet und am Freitagmorgen die Angaben nach unten korrigiert.

dapd

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