Gesund heißt, sich gut und wohl zu fühlen – Negativer Stress macht krank

Körper und Geist in Waage

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Gesundheit – was ist das? Zumindest mehr als die Abwesenheit von Krankheit. Es hat etwas mit im- Gleichgewicht-sein zu tun, sagt der Waberner Facharzt Bernhard Miermeister.

„Was ist ein gesunder Mensch?“ fragt Bernhard Miermeister, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie und antwortete scherzhaft: „Ein schlecht untersuchter Patient.“ Eigentlich könne man bei jedem Menschen etwas finden, was auf eine Krankheit hinweist, man müsse nur suchen.

Jeder sollte sich vergegenwärtigen, dass Krankheit wie der Tod zum Leben gehört. „Gesundheit ist in unserer Gesellschaft ein Ideal“, erklärt der Psychiater. Dazu zählten auch Jugendlichkeit und Idealgewicht. Wer sich daran orientiere, werde auch jede Form der Beeinträchtigung schmerzhaft empfinden. Ausgeblendet würden dabei Lebensbereiche wie wie die Vergänglichkeit, das Altern und die dazu gehörige Schwäche.

Generell hänge das Wohlbefinden davon ab, ob der Mensch liebes-, arbeits- und spielfähig sei, sagt der Psychiater. Krankheit müsse nicht zwingend als Störung empfunden werden. Wenn man versuche, der Krankheit eine positive Seite abzugewinnen, lasse sich besser damit umgehen. So könnten Schmerzen als Warnsignal des Körpers bewertet werden. Bei Ohrgeräuschen könne man beispielsweise lernen, sie in das Leben einzubauen.

„Gesundheit hat etwas mit ‚Im Gleichgewicht sein’ zu tun“, sagt der Arzt. Wir lebten in einer Zeit, in der man nichts versäumen und vieles gleichzeitig machen wolle. Die Folge: ständiger Zeitdruck. Außerdem nehme die Ich-Bezogenheit zu. Sippen und Familien verlören an Bedeutung, zugleich steige der Konkurrenzkampf. Sendungen wie „Germany’s next Topmodel“ zeigten den Druck, besser als die anderen sein zu wollen. Der negative Stress fördere Zivilisationskrankheiten wie Bluthochdruck und Gefäßerkrankungen. „Diese Gesellschaft produziert übermäßig Angst.“ Da helfe nur umdenken.

Gesundheit kann man nicht erzwingen

Zunächst empfiehlt der Arzt, sich klar zu machen, dass man Gesundheit nicht erzwingen kann. Gleichzeitig sollte man darauf vertrauen, dass man innere Reserven hat. Eine solche Einstellung könne man lernen. „Stellen Sie sich vor, Sie erkranken und hätten noch ein halbes Jahr zu leben. Was möchten Sie tun?“ Wer drei Antworten habe, solle sich fragen, ob es zur Erfüllung der Wünsche wirklich erst eine schlimme Krankheit brauche.

Wichtig sei die Frage, wie man Lebensfreude entwickeln könne. Hilfreich sei positives Denken. Dazu gehöre, wertschätzend gegenüber der Umwelt zu sein, keine negativen Urteile über sich und andere zu fällen und sich nicht mit anderen zu vergleichen. Außerdem rät der Experte, sich auf die Gegenwart zu konzentrieren. Entspannungsübungen, Meditation und Yoga können dabei helfen, sich selbst zu beruhigen und den Körper wahrzunehmen. (yma)

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