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Limit bei 115 Jahren? So alt werden Menschen laut Forschern

Können Menschen älter 115 Jahre alt werden? Die Meinungen sind unterschiedlich.
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Können Menschen älter 115 Jahre alt werden? Die Meinungen sind unterschiedlich.

Ewig jung bleiben und lange leben: Dieser Traum verbindet viele Menschen. Wie einige Forscher meinen, ist dieser Traum nicht mehr in allzu weiter Ferne.

  • Vor ein paar Jahren begrenzte eine Studie die Lebensdauer von Menschen auf 115 Jahre.
  • Einige Forscher widersprechen dieser These jedoch.
  • Weltweit arbeiten Wissenschaftler an Methoden, um das Leben zu verlängern und Menschen zu verjüngern.

Schon heute werden viele Menschen über 100 Jahre alt. Die Gründe dafür sind verschieden: Der medizinische Fortschritt spielt sicherlich eine Rolle, aber auch eine gesündere Lebensweise* durch viel Sport und reichhaltiger Ernährung. Ob das alleine aber reicht, damit wir ewig jung bleiben und ein Alter von über 100 Jahren zum Standard wird? Viele Forscher arbeiten zumindest mit Feuereifer daran, die biologische Uhr zu verlangsamen - und einige von ihnen sind der Ansicht, dass ein Alter von 130 Jahren für einen Menschen durchaus realistisch ist.

Limit bei 115 Jahren? Forscher sind sich bei Lebenszeit des Menschen uneinig

Im Jahr 2016 begrenzte eine Studie im Fachmagazin "Nature" die Lebenszeit eines Menschen auf 115 Jahre. "Es ist sehr wahrscheinlich, dass wir unsere Möglichkeiten ausgeschöpft haben", meinte Dr. Jan Vijg, Altersexperte am Albert Einstein College of Medicine laut der New York Times damals. "Von jetzt an wars das. Menschen werden nie älter als 115 werden." Gleichwohl gibt es aber Menschen wie Jeanne Calment, die am 4. August 1997 im Alter von 122 Jahren starb.

James W. Vaupel, Emeritus-Direktor des Max-Planck-Instituts für Demographische Forschung, bezeichnete die Studie gar als lächerlich: "Es ist entmutigend, wie oft derselbe Fehler in der Wissenschaft gemacht und in seriösen Zeitschriften veröffentlicht werden kann." Er hält nichts von der These, dass der Lebenszeit von Menschen Grenzen gesetzt sind.

Weltweit arbeiten zahlreiche Forscher an Methoden, um den Alterungsprozess aufzuhalten, die Lebensdauer zu erhöhen oder sogar Zellen zu verjüngen. Dabei gibt es viele interessante Forschungsansätze, von denen sich die Wissenschaftler viel versprechen.

Gene, innere Uhr und Verjüngungskur: An diesen Ansätzen für langes Leben und Jugend arbeiten Forscher weltweit

Dario Valenzano vom Kölner Max-Planck-Institut hat zum Beispiel den afrikanischen Killifisch als Studienobjekt für sich entdeckt. Verschiedene Killifischarten leben unterschiedlich lang: Die Spanne reicht von fünf Monaten bis zu fünf Jahren. Dabei entdeckte er, dass die Kurzlebigkeit mancher Killifische offensichtlich durch ein krankhaft vergrößertes Erbgut bedingt ist. Im Umkehrschluss würde das bedeuten, dass das Geheimnis eines langen Lebens* nicht in zwei, drei guten Genen liegen, die jemandem einen Vorteil gegenüber anderen verschaffen - sondern darin, völlig frei von genetischen Defekten zu sein.

Der Bioinformatiker und Humangenetiker Steve Horvarth entdeckte hingegen ein völlig anderes, für die Forschung faszinierendes Detail: In jeder Zelle tickt eine innere Uhr. Dabei ist es egal, ob es sich um weiße Blutkörperchen handelt, die fortwährend neu gebildet werden oder um Nervenzellen, die schon im Mutterleib entstehen - sie alle zeigen dasselbe Alter an. "Natürlich hoffen wir inständig, dass sie direkt mit dem Altern zusammenhängt", sagte Horvath dem Spiegel (Inhalt hinter Bezahlschranke). "Sie funktioniert einfach zu gut, als dass sie gar nichts damit zu tun haben könnte." Die innere Uhr zeichne die biologische Alterung besser als die tatsächliche Zahl der Lebensjahre. So könne regelmäßige Bewegung die sogenannte epigenetische Uhr langsamer ticken lassen.

Einen Jungbrunnen wollen Kölner Forscher indessen in der Darmflora entdeckt haben. Sie bescherten gealterten Fischen mit der Darmflora junger Artgenossen neue Lebensenergie und verjüngten diese damit. In Amerika hingegen schreiben Forscher dem Blut junger Mäuse einen verjüngenden Charakter zu. Bisher handelt es sich hierbei nur auf Tierversuche, doch immer mehr Forscher wollen ihre Ansätze auch an Menschen testen.

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Lebenszeit des Menschen hat die Obergrenze noch nicht erreicht, meinen Forscher

In jedem Fall machen diese Forschungen klar: Die Grenzen der Lebenszeit eines Menschen scheinen noch nicht ausgeschöpft. In einer Studie von Biologen der McGill-Universität, die nur kurz nach der Studie von Dr. Viij in der Zeitschrift "Nature" erschien, kamen die Wissenschaftler zu dem Schluss, dass es k einen Beweis für eine Obergrenze gibt. Und wenn es sie gäbe, müsste sie erst noch gefunden werden.

"Wir wissen einfach nicht, was das Alterslimit sein wird. Tatsächlich können wir durch die Verlängerung der Trendlinien zeigen, dass die maximale und durchschnittliche Lebensdauer in absehbarer Zukunft weiter zunehmen könnte." Und vor 300 Jahren wäre man vermutlich für verrückt erklärt worden, wenn man behauptet hätte, Menschen könnten 100 Jahre alt werden, so die Forscher.

Sebastian Grönke, vom Max-Planck-Institut für Biologie des Alterns meint laut dem Online-Portal Focus ebenfalls: "Auf Menschen übertragen halte ich eine maximale Lebenszeit von 120 Jahren für realistisch, auch 130 Jahre sind möglich." Und da stimmt ihm Dr. Juan Carlos Izpisua Belmonte vom Salk-Institut in La Jolla in Kalifornien zu: "Der erste Mensch, der 130 Jahre alt wird, ist heute schon geboren."

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Schon flüchtige Berührungen schaffen Nähe und festigen die Bindung zwischen Menschen. Foto: Monique Wüstenhagen © Monique Wüstenhagen
Für Kinder ist Berührung elementar. Sie könnten sich nicht normal entwickeln, wenn sie keine Nähe erfahren würden. Foto: Bodo Marks
Für Kinder ist Berührung elementar. Sie könnten sich nicht normal entwickeln, wenn sie keine Nähe erfahren würden. Foto: Bodo Marks © Bodo Marks
Ältere Menschen leiden häufig darunter, dass sie nur noch wenig berührt werden. Pflegende Angehörige sollten das berücksichtigen. Foto: Mascha Brichta
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Verliebte halten nicht umsonst Händchen. Die Berührung schweißt sie zusammen. Sie festigt die Beziehung. Foto: Christin Klose
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Julia Scharnhorst ist Diplom-Psychologin und Mitglied im Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen. Foto: Fredi Lang/BDP
Julia Scharnhorst ist Diplom-Psychologin und Mitglied im Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen. Foto: Fredi Lang/BDP © Fredi Lang
Chrstine Sowinski arbeitet beim Kuratorium Deutsche Altershilfe. Foto: KDA/dpa-tmn
Chrstine Sowinski arbeitet beim Kuratorium Deutsche Altershilfe. Foto: KDA/dpa-tmn © -
Ute Repschläger ist Vorsitzende des Bundesverbands selbstständiger Physiotherapeuten. Foto: Georg J. Lopata
Ute Repschläger ist Vorsitzende des Bundesverbands selbstständiger Physiotherapeuten. Foto: Georg J. Lopata © Georg J. Lopata

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