Mangelhafte Krebs daten in Deutschland

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+

Berlin - Deutschland gelingt es bisher nicht, Daten zu Krebserkrankungen flächendeckend zu erfassen. Kritiker fordern nun ein Krebsregister, das alle Zahlen erfasst.

Vor Kurzem veröffentlichte eine renommierte Fachzeitschrift die Überlebensraten nach einer Krebsdiagnose in Europa. Deutschland fiel vor allem durch eine Zahl aus dem Rahmen: Erfasst wurde nur rund ein Prozent der Bevölkerung. Alle anderen Länder liefern deutlich mehr Daten. Finnland, Island, Großbritannien, Irland, Österreich und Schweden gelten diesbezüglich mit einer Abdeckung von fast 100 Prozent als Musterbeispiele. In Deutschland fehlt jedoch ein flächendeckendes nationales Krebsregister. Zum einen liegt dies daran, dass die Erhebung sich von Bundesland zu Bundesland unterscheidet. Noch weitaus problematischer sind jedoch die Datenschutzhürden in Deutschland. „Die Deutschen fürchten sich vor Datenmissbrauch, „erklärt der finnische Gesundheitsexperte Timo Hakulinen.

Doch ein Krebsregister kann wichtige Fragen beantworten und sogar mögliche Ursachen für die Erkrankung aufdecken. So wurde in einem finnischen Dorf eine auffällig hohe Zahl an Menschen mit Lymphdrüsenkrebs festgestellt. Bei Nachforschungen stellten die Forscher fest, dass das Trinkwasser in dem Ort stark chemisch belastet war. Auch über die Zahl der Krebserkrankungen, die in Deutschland bisher nur auf Hochrechnungen beruhen, kann das Register Aufschluss geben. Außerdem kann eine mögliche Veränderung der Überlebenschancen der Patienten untersucht werden.

Laut Gesetz sollten bereits seit 1999 alle Bundesländer ein verlässliches Krebsregister aufgebaut haben. Doch für den aktuellen Krebsbericht des Rober-Koch-Instituts lieferten nur fünf der 16 Länder umfassende Daten. Die im Bericht vorgestellten Trends für ganz Deutschland beruhen deshalb nur auf Schätzungen. Im Mai erließ die Bundesregierung deshlab ein Bundeskrebsregisterdatengesetz. Dieses verpflichtet die Länder, die Krebsdaten zu sammeln und an das Rober-Koch-Institut in Berlin zu schicken. Kritiker bezweifeln jedoch den Nutzen des Gesetzes, da es nichts darüber aussagt wie die notwendige Vollzähligkeit der Krebsregistreirung hergestellt werden soll. “Deutschland ist zwar auf einem guten Weg„, lautet das Fazit von Professor Hakulinen,  „aber die Fortschritte sind sehr, sehr langsam.“

Quelle: Apotheken Umschau

Zurück zur Übersicht: Gesundheit

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser