Epilepsie: Eine Krankheit mit unterschiedlichen Gesichtern

An der richtigen Behandlung müssen viele mitwirken

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Dr. Annette Hackenberg war am Telefon gefragt.

Unsere Experten beantworten in der Gesundheitssprechstunde Fragen zur Epilepsie und ihre Behandlungsmöglichkeiten.

Neben richtiger Medikation und der Einschätzung des Krankheitsbildes standen in unserer Gesundheitssprechstunde auch verkehrsrechtliche Bestimmungen für Menschen mit Epilepsie zur Debatte. Hier einige Auszüge aus den Gesprächen.

Ein Anruferin aus Verden hat einen 16 Jahre alten Sohn mit einem Mendelschen Epilepsiesyndrom. Der Junge ist geistig behindert und hat trotz einer Dreifach-Kombination mit Medikamenten weiter viele Anfälle. Er wurde gerade in einem Epilepsiezentrum betreut. Die Mutter stellt die Frage nach Chancen und Risiken einer ketogenen (Verzicht auf Kohlehydrate) Diät.

Frau Dr. Hackenberg erläutert ihr diese Diät und noch weitere alternative therapeutische Verfahren, wie die Vagusnerv-Stimulation. Die Anruferin wird nun diese Fragen mit der behandelnden Kinderneurologin besprechen und sich noch einmal melden.

Sind Originalpräparate wichtig?

Eine 75-jährige Mutter erkundigte sich für ihren 49-jährigen Sohn, der aufgrund einer Epilepsie mit zwei Medikamenten behandelt wurde. Die Originalpräparate sind vom behandelnden Arzt dann umgestellt worden auf Ratiopharm-Präparate. Daraufhin ist es zum Auftreten von Anfällen gekommen. Sie erkundigt sich, wie dieses zu verhindern sei.

Prof. Dr. Korenke erläutert die Out-Idem-Regelung, die Möglichkeit, dass ein Arzt auf dem Rezept die Medikamente ankreuzt, damit er sicherstellt, dass das von ihm verordnete Medikament auch von der Apotheke abgegeben wird. Die Epilepsiegesellschaft empfiehlt bei Patienten, die unter einer medikamentösen Therapie langjährig anfallsfrei sind, dieses Medikament nicht zu verändern.

Eine 38 Jahre alte Frau aus Bassum berichtet, dass sich bei ihr im 14. Lebensjahr eine Epilepsie mit fokalen Anfällen der linken Hand und nachfolgenden Ohnmachten, also wahrscheinlich eine sekundär generalisierte Epilepsie, manifestiert hat. Nach der Geburt ihrer Tochter traten keine Anfälle mehr auf. Die medikamentöse Behandlung wurde vor vier Jahren abgesetzt. Seit dreieinhalb Jahren treten nun in Situationen besonderer Anspannung vereinzelt Zuckungen der linken Hand auf.

Prof. Dr. Korenke empfiehlt einen Neurologen, um dort spezielle Entspannungstechniken zu erlernen. Wahrscheinlich handelt es sich um epileptische fokalmotorische Anfälle, die jetzt auf die linke Hand beschränkt sind. Hier ist das Für und Wider einer neuen medikamentösen Dauertherapie gegen das Erlernen von Entspannungstechniken abzuwägen. Die Anruferin hat festgestellt, dass sich durch Rauchen die Anspannung verstärkt, das Zucken häufiger auftritt. Entsprechend wäre eine Nikotinentwöhnung der angemessene erste Schritt.

Epilepsie auch im höheren Alter

Frau W. aus Ottersberg fragte, ob man auch im höheren Alter eine Epilepsie entwickeln kann.

Dr. Bösebeck antwortet, dass dies sogar sehr häufig der Fall ist. Es gibt zwei Altersgipfel, bei denen eine Epilepsie entsteht. Neben der Kindheit ist es das Alter ab dem 60. Lebensjahr. Ursache für das späte Auftreten sind häufig zurückliegende Schlaganfälle, die entweder bemerkt worden sind oder die für den Patienten selbst stumm abgelaufen sind.

Weiter wurde gefragt, ob epileptische Anfälle immer mit Krämpfen einhergehen.

Dr. Bösebeck antwortet, dass dies nicht der Fall ist. Es gibt auch Anfälle, die nur vom Patienten selber bemerkt werden. Die Patientin selbst berichtet vornehmlich über Anfälle mit Kribbelgefühlen. Im Fachjargon werden diese auch Auren genannt.

Die Patientin fragt, ob man dies auch als Epilepsie bezeichnen würde.

Dr. Bösebeck bejaht dies.

Außerdem fragte die Anruferin, ob im EEG (Elektro-Enzephalographie) und in der Computertomographie Befunde gesehen werden müssen, wenn man epileptische Anfälle hat.

Die Antwort war, dass dies nicht der Fall ist. Über die Hälfte der Patienten haben weder krankhafte Befunde im EEG noch in der Computertomographie wenngleich sie an regelmäßigen Anfällen leiden.

Lesen Sie hier weiter Fragen und Antworten zur Epilepsie.

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