Schock-Studie: Immer mehr Junge mit Hautkrebs!

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München - An Hautkrebs erkranken immer mehr jüngere Menschen. Darauf hat der Dermatologe Prof. Michael Landthaler von der Universität Regensburg am Dienstag in München hingewiesen.

"Der Hautkrebs nimmt deutlich zu, und die Patienten werden immer jünger", sagte Landthaler unter Berufung auf eine neue Studie. "Heute sind 30- Jährige mit einem Basalzellkarzinom keine Seltenheit." Neben dem Basalzellkarzinom, einer speziellen Hautkrebsvariante, nehme auch der sogenannte weiße Hautkrebs zu. Der Hautarzt Prof. Wilhelm Stolz vom Klinikum München-Schwabing forderte deshalb eine niedrigere Altersgrenze für Vorsorgeuntersuchungen.

Die Krankenkassen zahlen derzeit vom 35. Lebensjahr an alle zwei Jahre Hautkrebs-Vorsorgeuntersuchungen. Stolz schlug vor, diese Vorsorge schon für Patienten von 20 Jahren an zu bezahlen. Statt einer gleichmäßigen Vorgabe für alle sind die Experten zudem für eine differenzierte Vorsorge je nach Risikofaktoren. Risikogruppen wie Blonde, Rothaarige oder Menschen mit vielen Muttermalen sollten demnach in kürzeren Abständen alle 1,5 Jahre untersucht werden, Patienten dunkleren Hauttyps und somit ohne erhöhtes Hautkrebsrisiko sollten dagegen nur in größeren Abständen ungefähr alle 10 Jahre zur Vorsorgeuntersuchung gehen.

Die beiden Dermatologen stützen sich auf eine große, jetzt fertiggestellte Studie mit mehr als 100 000 Menschen in Bayern, die sie im Auftrag der bayerischen Betriebskrankenkassen (BKK) in den Jahren 2005 und 2006 durchgeführt hatten. Dabei wurden Patienten vom 13. Lebensjahr an untersucht. Das Durchschnittsalter der Probanden betrug 39,8 Jahre. "Wir hätten ein Viertel der Melanome nicht frühzeitig erkannt, wenn nur Patienten ab 35 Jahren untersucht worden wären", sagte Stolz und unterstrich damit die Forderung nach einer Altersabsenkung bei der Kassenleistung. "An keinem anderen Organ ist die Früherkennung so leicht möglich wie bei der Haut."

Der Mediziner wies zugleich auf das hohe Sterberisiko beim sogenannten Schwarzen Hautkrebs (malignes Melanom) hin. Bei einer Tumordicke bis zu einem Millimeter seien die Heilungschancen für den Patienten gut. "Ab drei Millimeter beginnt die große Gefahr, dann beträgt die Überlebensrate nur noch 50 Prozent." Bei der Studie habe sich gezeigt, dass rund ein Drittel der Melanome an Stellen liege, wo der Patient sie nicht sehen könne, sagte die Medizinerin Stefanie Guther vom Klinikum München-Schwabing, die an der Erhebung mitgearbeitet hatte. Männer hätten zudem ein höheres Hautkrebsrisiko als Frauen.

Zur Vorbeugung gegen Hautkrebs solle man sich im Hochsommer nicht der prallen Mittagssonne aussetzen und Sonnenbrände vermeiden, vor allem im Kindesalter, empfahl Landthaler. "Ein Sonnenbrand ist Körperverletzung", betonte der Mediziner. "Niemand setzt sich freiwillig auf eine heiße Ofenplatte, aber Kinder werden oft ungeschützt der prallen Sonne ausgesetzt."

dpa

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