Mit Fingertest und Hautpflege

So beugen Pflegende Wundgeschwüren vor

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Wer sich selbst nicht mehr so gut bewegen kann, muss regelmäßig umgelagert werden. Wie oft genau - dafür gibt es keine festen Regeln. Foto: Jens Kalaene

Pflegebedürftige sind häufig nicht mehr so mobil. Sie sitzen lange oder sind gar bettlägerig. Die Pflegenden stellt das vor besondere Hausforderungen: Sie müssen vermeiden, dass sich der Betroffene wundliegt. Dafür ist nicht nur Mobilisation wichtig.

Düsseldorf (dpa/tmn) - Über lange Zeit in ein und derselben Position sitzen oder liegen: Das tut Pflegebedürftigen nicht gut. Die Gefahr ist groß, dass sich am Körper ein Wundgeschwür (Dekubitus) entwickelt. Angehörigen, die zu Hause jemanden versorgen, ist das Risiko oft gar nicht bewusst.

Zu einem Dekubitus kommt es durch Krafteinwirkung - genauer gesagt durch Druck und Scherkräfte. Druck entsteht, wenn sich ein Körperteil lange an derselben Stelle befindet und nicht bewegt wird. Der Körper übt einen Druck auf die harte Unterlage aus. Das Gewebe wird nicht mehr richtig durchblutet, es entstehen kleine Hautschäden.

Gefährdet sind vor allem Stellen, bei denen die Knochen dicht unter der Haut liegen. Häufig ist das zunächst am Steiß oder an den Fersen der Fall. "Aber auch Schulterblätter, Hinterkopf, Ohrmuscheln oder die Wirbelsäule sind problematische Stellen", erklärt Jens Ofiera vom Verband Deutscher Alten- und Behindertenhilfe (VDAB).

Ein Dekubitus kann aber auch entstehen, wenn sich Hautschichten gegeneinander verschieben. Experten sprechen von Scherkräften. Können sich Pflegebedürftige nicht mehr eigenständig bequemer hinsetzen oder -legen, bleibt das Gewebe geschert, was zu winzigen Verletzungen der Haut führt.

Um zu vermeiden, dass es dazu kommt, müssen Angehörige vor allem Bescheid wissen: Wie entsteht ein Dekubitus? Und was kann man vorbeugend tun? Wenn Laien zu Hause einen Angehörigen pflegen, sollten sie deshalb vorher einen Pflegekurs unter professioneller Anleitung absolviert haben, rät Catharina Hansen von der Verbraucherzentrale NRW.

Heiko Keuchel rät, ab und an einen ambulanten Pflegedienst zuratezuziehen. Die Fachkräfte können die Angehörigen bei einer Einschätzung der Dekubitus-Gefährdung unterstützen, sagt der Vorsitzende des Instituts für Innovationen im Gesundheitswesen und angewandte Pflegeforschung (IGAP).

Denn nicht nur langes Ausharren in einer Position kann einen Dekubitus begünstigen. Zu den Risikofaktoren zählt zum Beispiel auch eine Mangelernährung. Schließlich ist eine ausgewogene Ernährung wichtig für eine gesunde Haut. Darauf - und auf ausreichend Flüssigkeit - sollten Pflegende achten.

Aber auch eine falsche Schlafunterlage kann die Entstehung eines Wundgeschwürs begünstigen. "Oft werden Pflegebetten mit sehr einfachen Matratzen ausgeliefert", so Keuchel. Er rät, bei einer Dekubitus-Gefährdung eine spezielle Anti-Dekubitus-Matratze zu kaufen.

Eine solche Matratze ersetzt aber nicht das Umlagern von Bettlägerigen. Wie oft jemand umgelagert werden muss, gilt es individuell festzulegen, sagt Keuchel. Manche Patienten weisen schon nach einer halben Stunde Druckstellen auf, andere können länger ohne Positionsveränderung liegen. Beim Festlegen der Umlagerungsintervalle gibt der ambulante Pflegedienst Tipps.

Wenn die Haut über der Region, auf der der Pflegebedürftige gelegen hat, beim Umlagern gerötet ist, hätte die Umlagerung vermutlich früher erfolgen sollen. "Hierzu gibt es einen einfachen Test", sagt Ofiera. Wenn man mit einem Finger auf den geröteten Hautbereich drückt und diese Stelle bleibt rot, dann ist bereits eine Schädigung entstanden.

Auch Hautpflege ist wichtig, um einen Dekubitus zu vermeiden. Feuchtigkeit zum Beispiel ist kritisch. Sie kann die Haut aufweichen, was ein Wundliegen begünstigt. Das Klima im Bett darf daher nicht feucht sein. Was hilft: ein rascher Wechsel der Bettwäsche, wenn das Bett nassgeschwitzt ist, eine Matratze, die Feuchtigkeit absorbiert, und Inkontinenzartikel.

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