Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Bayern Risikogebiet

Gefährliches Virus durch Mücken: wie Ihr Euch schützt und wie man Stiche mit dem Handy behandelt

Stechmücken
+
Stechmücken können West-Nil-Virus verbreiten

Sie sind nicht nur lästig und verleiden einem so manchen Sommerabend, sondern können auch gefährliche Krankheiten übertragen. Bei uns in Bayern kommt es immer häufiger zu einer Ansteckung mit einem Virus, das ursprünglich in Afrika stammt.

Ein Surren, ein kleiner Piks, und dann oft tagelanges Jucken - mit sommerlichen Wetter sind auch die Mücken wieder unterwegs. Meist ist das nur lästig, in seltenen Fällen können Mückenstiche auch krank machen: Seit einigen Jahren ist bekannt, dass heimische Stechmücken den Erreger des West-Nil-Fiebers übertragen können. Der Osten ist neben Bayern Hot-Spot für die Verbreitung. „Warum, wissen wir noch nicht“, sagte Doreen Werner, Biologin am Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (Zalf) in Müncheberg (Märkisch-Oderland), der Deutschen Presse-Agentur. Betroffen seien neben Bayern vor alle, Thüringen, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Brandenburg.

Herkunft und Symptome

Ursprünglich kommt das West-Nil-Virus vor allem in wärmeren Regionen der Erde vor. Wissenschaftler des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) hatten allerdings heimische Hausmücken bereits als Überträger des Erregers identifiziert. Das Virus kann in Stechmücken überwintern. „Je wärmer es dann wird, umso besser können sich die Krankheitserreger weiterentwickeln“, erläutert Werner. Meistens wird eine Infektion nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) gar nicht bemerkt, etwa 20% der Infizierten entwickeln eine fieberhafte, grippeähnliche Erkrankung, die etwa 3–6 Tage andauert. Die Inkubationszeit beträgt 2–14 Tage. Der Krankheitsbeginn ist abrupt mit Fieber (teilweise biphasisch), Schüttelfrost, Kopf- und Rückenschmerzen, Abgeschlagenheit und Lymphknotenschwellungen.

Einfluss des Klimawandels

Bei der Verbreitung von Viren über Mücken spielt auch der Klimawandel eine Rolle. „Die Klimaveränderung führt dazu, dass sich die Erreger in den Mücken besser vermehren können. Zentraler Dreh und Angelpunkt ist aber die zunehmende Globalisierung“, schätzt Werner ein. Exotische Mückenarten können sich zum Beispiel über den Warenhandel von Kontinent zu Kontinent verbreiten, etwa die Asiatische Tigermücke mit dem weltweiten Gebrauchtreifenhandel. Die Eier reisten in den Reifen als blinde Passagiere, erklärt die Mückenexpertin. Wenn diese mit Wasser benetzt werden, schlüpfen die Larven. Gute Entwicklungsmöglichkeiten am Zielort könnten zur Ansiedlung führen. Aber auch den Campingtourismus aus Südeuropa führt Werner als Verbreitungsmöglichkeit an.

Exotische Mückenarten wie die Asiatische Tigermücke oder die Japanische Buschmücke sind seit langem als Überträger von Krankheitserregern bekannt, etwa dem Zika-, Dengue- oder Chikungunya-Virus. Am Zalf untersuchen Wissenschaftler die Verbreitung der eingeschleppten Mücken in Deutschland und die Frage, ob diese auch hierzulande Krankheitserreger übertragen können. Damit das passiert, also etwa eine Tigermücke den Erreger einer Tropenkrankheit verbreitet, muss sie zunächst mit infizierten Reiserückkehrern zusammentreffen, erklärt Werner. Dazu müssten Mücke und Virus kompatibel sein - das Virus müsse sich in der Mücke weiterentwickeln können.

„Mücken haben ein eingebautes Frostschutzmittel“

Die Wahrscheinlichkeit sei gering, aber nicht mehr bei Null, sagt die Expertin. Die Bevölkerung müsse aufgeklärt werden und könne zudem die Wissenschaft unterstützen: Die Institute rufen auf, Mücken an das Zalf zu schicken, um ihre Verbreitung zu erforschen. Dort wird die Art bestimmt und in einem Mückenatlas eingetragen.

Um über die kalte Jahreszeit zu kommen, haben die über 50 verschiedenen Stechmückenarten in Deutschland unterschiedliche Strategien, erläuterte Werner. Sie überwintern meist als Eier oder Larven oder sie überstehen als ausgewachsenes Insekt den Winter in feuchten Kellern oder in warmen Gebäuden - etwa, wenn sie an Kaminholz sitzen. „Je kälter die Winter sind, des so besser ist das für die Mücken“, sagt die Forscherin und räumt mit dem Mythos auf, dass klirrende Kälte schädlich für die Insekten sei. „Mücken haben ein eingebautes Frostschutzmittel“.

Wenn die Temperaturen um 0 Grad schwanken, verbrauchen die Insekten der Expertin zufolge extrem viel Energie, denn sie müssen ständig einfrieren und wieder auftauen. Viele verhungerten dann. Zudem seien bei 0 Grad auch Pilzsporen aktiv, die die Mücken überwucherten. Egal, wie viele oder wenige den Winter überleben - entscheidend seien die Witterungsverhältnisse im Frühling. Mit den milden Temperaturen hätten Mücken in diesem Jahr ihre Eier schon relativ früh abgelegt, etwa in Regentonnen und kleineren Wasserpfützen.

Der beste Schutz: Mückenstiche vorbeugen

Eine ursächliche Behandlung des West-Nil-Fiebers gibt es nicht. Es können lediglich die Symptome gelindert werden. Impfungen gegen das West-Nil-Virus gibt es derzeit nur für Pferde. An einer Impfung für Menschen wird geforscht.

Schutz gegen Mücken

Zum Schutz gegen Mücken empfiehlt die Stiftung Warentest, abends - wenn die Mücken besonders aktiv sind - lange, dicht gewebte Kleidung zu tragen. Fliegengitter vor dem Fenster sowie Moskitonetze über dem Bett halten die kleinen Insekten ebenfalls ab.

Von Mücken-Abwehrmitteln zum Auftragen auf die Haut haben laut der Stiftung jene mit den Wirkstoffen Diethyltoluamid (DEET), Icaridin oder Para-Menthan-3,8-diol (PMD) in Produkttests gut abgeschnitten. Nicht überzeugend seien Mittel auf Basis ätherischer Öle gewesen.

Oft gehört, aber leider falsch: Der Tipp, dass man abends im Schlafzimmer das Licht auslassen sollte, weil das Mücken anziehe. Tatsächlich sehen Mücken schlecht und werden eher von Gerüchen wie Parfüm und dem Kohlenstoffdioxid in der Atemluft angelockt.

Der wirksamste Schutz vor einer Infektion ist es, Mückenstiche vorzubeugen. Mückensprays haben sich dafür am besten bewährt. Der Inhaltsstoff DEET in Anti Brumm Forte und Anti Brumm Ultra Tropical hält heimische und tropische Mücken zuverlässig fern. Anti Brumm Forte wirkt dabei bis zu 6 Stunden lang, Anti Brumm Ultra Tropical bis zu 10 Stunden lang. Beide Produkte wurden vom Schweizerischen Tropeninstitut getestet und eignen sich auch speziell für Reisen in die Tropen. Ansonsten solltet Ihr auf lange Kleidung achten.

Das hilft bei juckenden Stichen

Das Hilfsmittel gegen den Juckreiz ist klein wie ein Daumennagel. Angesteckt ans Smartphone heizt sich das flache Ende des Stöpsels auf rund 50 Grad auf und wird dann für wenige Sekunden direkt auf den Mückenstich gedrückt. Eine App zeigt an, wann der kleine Stecker wieder von der Haut weggenommen werden sollte.

Der kleine Hitzestick von heat_it wird durch den Strom aus dem Smartphone rund 50 Grad heiß und dann auf den Mückenstich gedrückt - das soll den Juckreiz lindern.

Laut dem Hersteller heat_it sorgt der Hitzeschmerz dafür, dass die Nerven das Juckreiz-Signal nicht mehr so gut weiterleiten können. Und wenn es weniger juckt, will man sich auch nicht ständig kratzen.

So weit ist das einleuchtend, auch für den Hautarzt Christoph Liebich. Er bestätigt: „Der leichte Hitzeschmerz löscht den Juckreiz kurz aus.“ Wobei diese Wirkung eher kurzfristig sei.

Hitze gegen die Enzyme - wie „Eier-Kochen“

Doch die Hitze macht noch mehr. Der Zweck sei vor allem die Zerstörung des Enzyms, das die Mücken in ihrem Speichel haben, damit das menschliche Blut beim Saugen nicht gerinnt - das würde den feinen Rüssel der Mücke verstopfen. Das Problem: Ihr Speichel provoziert in unserem Körper eine Abwehrreaktion und beschert uns diesen unangenehmen Juckreiz.

„Hitze direkt drauf ist gut. Die zerstört dieses Enzym, weil es aus Eiweiß besteht“, erklärt der Mediziner aus München. „Das ist wie beim Eier-Kochen.“ Wer sich keinen Mini-Hitze-Stick zum Anstecken an sein Smartphone kaufen möchte, findet im Handel auch batteriebetriebene Hitzestifte mit ähnlicher Funktionsweise.

Weitere Hilfsmittel: Kühlen und Cremes

Es kann auch angenehm sein, einen Mückenstich zu kühlen. Als Hausmittel-Alternativen nennt die Zeitschrift „Apotheken Umschau“ (Ausgabe B06/21) außerdem Umschläge mit essigsaurer Tonerde oder eine aufgeschnittene Zwiebel, die auf die Einstichstelle gedrückt wird.

Juckt die Haut sehr stark, können entzündungshemmende Salben mit Cortisol helfen. „Die gibt es speziell für Insektenstiche. Am besten lässt man sich in der Apotheke beraten, welche Creme die passende ist - vor allem auch, wenn sie für Kinder gedacht ist“, rät Dermatologe Liebich.

Auch Antihistaminika, also Mittel gegen allergiebedingte Beschwerden, machen die Situation erträglicher, wenn man gestochen wurde. Sie gibt es zum Auftragen auf die Haut oder in Tablettenform.

lh