Ein U steht für Vorsorge

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Begleitet die gesundheitliche Entwicklung von Kindern bis ins Jugendalter: Dr. Mathias Bauer aus Bad Wildungen.

Von den ersten Lebensstunden bis ins Jugendalter begleiten Vorsorgeuntersuchungen das Wachsen und Werden eines Kindes. Bis zum Alter von 14 Jahren gibt es zwölf medizinische Checks. Die ersten neun U-Untersuchungen sind sogar verbindlich vorgeschrieben.

„Die Kinder schneiden heute im Durchschnitt besser ab als früher“, sagte Kinderarzt Dr. Mathias Bauer aus Bad Wildungen. Sie seien schon bei der Geburt rund ein Pfund schwerer als noch vor 20 Jahren. Fast alle Frauen stillten ihre Kinder, die Säuglingsnahrung sei besser geworden, und Eltern richteten ein größeres Augenmerk auf die Entwicklung ihrer Kinder als früher. Direkt nach der Geburt geht es los mit der U 1, der ersten Vorsorgeuntersuchung, bei der mit dem Apgar-Test Atmung, Herzschlag, Reflexe, Muskelspannung und Hautfarbe des Neugeborenen beurteilt werden. Der Blut-pH-Wert aus der Nabelarterie gibt Aufschluss über die Sauerstoffversorgung des Babys.

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Für Dr. Mathias Bauer ist die dritte Vorsorgeuntersuchung zwischen der vierten und sechsten Lebenswoche die Kennenlernphase. Die Eltern kämen oft mit einem ganzen Fragenkatalog, gerade beim ersten Kind könne man viele Informationen zu Ernährung, Pflege, Entwicklung und Verhalten des Babys geben. Meistens seien inzwischen auch die Väter mit dabei. Stehe bei der U 3 hauptsächlich die Untersuchung des Körpers im Vordergrund, gehe es bei den folgenden Untersuchungen um die Entwicklung der motorischen Fähigkeiten wie das Greifen, später das Sitzen und um die Sinne.

Bei der U 6 (mit etwa einem Jahr) komme die erste Sprache, das Krabbeln und Laufen hinzu, bei der U 7 würden die Sinne überprüft, außerdem geistige und soziale Fähigkeiten. Neu im Vorsorgekatalog sei die U 7a, eine Untersuchung für Dreijährige, bei der beurteilt werde, ob ein Kind den Kindergarten besuchen könne. Schwerpunkte der Untersuchung sind die Sozialentwicklung und die Sauberkeitsentwicklung des Kindes. Bei den Vier- und Fünfjährigen (U 8 und U 9) stehe die motorische und sprachliche Entwicklung, aber auch die sozialen Fähigkeiten und die Sauberkeitsentwicklung im Mittelpunkt. „Mit fünf Jahren bleiben etwa 85 Prozent der Kinder nachts trocken“, sagt Bauer. Häufig stelle er in diesem Alter motorische Defizite fest, verursacht durch mangelnde Bewegung und Übergewicht. Es gebe vier- bis sechsjährige Kinder, die sechs bis acht Stunden Fernsehen am Tag schauten.

Sind die Untersuchungen bis zum 5. Lebensjahr in Hessen verpflichtend, können die U 10 mit sieben bis acht Jahren und die Jugenduntersuchung J 1 mit zwölf bis 14 Jahren freiwillig in Anspruch genommen werden.

Besonders bei J 1 sei die Teilnahmequote leider nicht sehr hoch. Dabei habe gerade diese Alterstufe ihre eigenen Probleme. Bei der U 10 werde bei Schul- und Verhaltensstörungen auf eventuelle Teilleistungsstörungen wie etwa Legasthenie getestet. Besonders häufig stelle er Übergewicht fest. Dazu kämen die Gefahren durch das Rauchen, Alkohol und Drogen.

Schutz vor Vernachlässigung

Ziel der Vorsorgeuntersuchungen ist die Früherkennung von Krankheiten und Entwicklungsstörungen. Die Kosten tragen die Krankenkassen, die Praxisgebühr entfällt. Seit 2008 gibt es in Hessen die Pflicht zur Vorsorgeuntersuchung von Kindern bis zur Vollendung des 5. Lebensjahres. Das Gesetz wurde zum Schutz vor Vernachlässigung und Kindesmisshandlung erlassen. Erscheinen Eltern auch nach einer Benachrichtigung nicht zu den vorgeschriebenen Untersuchungen 1 bis 9, schaltet der Kinderarzt das Jugendamt ein. (yma)

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