Bläuliche Adern an den Beinen

Achtung: Wann Sie sofort Krampfadern behandeln lassen müssen

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Eine Verödung der erweiterten Venen kann Patienten mit Krampfadern helfen.

Krampfadern - das Problem trifft fast jeden zweiten Deutschen: Mit den Jahren entstehen an den Beinen bläuliche Adern, die unschön hervortreten.

Nicht immer sind Krampfadern nur ein kosmetisches Problem. Sie können auch zu Schmerzen und in manchen Fällen zu Folgeschäden führen.

Dr. Antje Rademacher ist niedergelassene Angiologin im Internistischen Zentrum Heimstetten-Poing.

Das Gefäßsystem des Menschen ist ein verzweigtes Netz von Adern, die das Blut transportieren. Man unterscheidet Arterien und Venen. Die Arterien bringen das sauerstoff- und nährstoffreiche Blut vom Herzen zu den Organen. Durch die Venen fließt das Blut zurück.

In den Beinen gibt es die sogenannten inneren Venen, die in der Tiefe zwischen den Muskeln verlaufen (tiefe Beinvenen). Diese transportieren fast 90 Prozent des Blutes von den Beinen zurück in Richtung Herz. Die oberflächlichen Venen in der Haut und dem Unterhautfettgewebe transportieren die restlichen zehn Prozent.

Wie entstehen Krampfadern?

Die Venen der Beine müssen das Blut entgegen der Schwerkraft befördern. Dies gelingt mit Hilfe der Muskeln. Diese pressen das Blut, etwa beim Gehen, in Richtung Herz.

Dr. Mojtaba Sadeghi ist Chefarzt der Abteilung für Gefäßchirurgie im Klinikum Erding.

Damit es in die richtige Richtung fließt, haben die Venen Klappen, die wie ein Rückschlagventil wirken. Sie lassen den Blutfluss nur in eine Richtung zu, nämlich zurück zum Herzen. Funktionieren diese Klappen nicht richtig, folgt das Blut der Schwerkraft und versackt im Bein (Reflux).

Die Venen haben sehr elastische Wände. Sind die Klappen der oberflächlichen Venen defekt, fließt das Blut statt zum Herzen ins Bein zurück und die Venen leiern mit der Zeit aus. Sie erweitern sich sackartig, schlängeln sich und werden äußerlich sichtbar. Daher auch der Begriff "Krampfader", der sich vom Althochdeutschen "Krumm-ader", also krumme Ader, herleitet. Der Arzt spricht indes von Varizen oder Varikose.

Wer bekommt Krampfadern?

Krampfadern sind ein weit verbreitetes Problem. Jeder zweite Erwachsene leidet im Laufe des Lebens unter einer Form davon, Frauen mindestens doppelt so häufig wie Männer. Die wichtigste Ursache ist die Veranlagung. Viele Menschen haben eine angeborene Venenwandschwäche. Man bezeichnet dies auch als primäre Varikose. Begünstigt wird die Entwicklung von Varizen durch Übergewicht, wenig Bewegung, Berufe, in denen man meist sitzt oder steht sowie durch Schwangerschaften.

Seltener sind Krampfadern auch die Folge einer Verstopfung der inneren Venen, einer sogenannten tiefen Beinvenenthrombose. Sind diese durch ein Gerinnsel verschlossen, muss das Blut sich einen neuen Weg suchen. Es fließt dann vorwiegend über die äußeren, oberflächlichen Venen ab. Da diese dann viel mehr Blut befördern, weiten sie sich und sacken aus. Die Klappenventile schließen nicht mehr dicht, es kommt zu einer Krampfader. Man spricht hierbei auch von einer sekundären Varikose, da die Krampfadern Folge einer anderen Erkrankung sind.

Ist eine Krampfader wie die andere?

Je nachdem, welche Venen des oberflächlichen Venensystems betroffen sind, unterscheidet man verschiedene Varizenarten:

  • Die sogenannten Besenreiser-Varizen sind winzige erweiterte, rötlichbläuliche Äderchen in der Haut, die sich typischerweise fächerartig ausbreiten. Sie sind nicht schön, aber harmlos.
  • Die sogenannten retikulären Varizen sind indessen kleine, erweiterte, meist netzartig verlaufende Hautvenen. Auch sie sind an sich nicht behandlungsbedürftig.

Doch sollten sowohl Besenreiser als auch die retikuläre Varikose nicht als bloße Schönheitsfehler abgetan werden, denn sie können ein erstes Zeichen einer beginnenden schwereren Venenerkrankung sein.

Behandlungsbedürftig sind indes die sogenannte Stamm- und Seitenast-Varikose sowie die Perforans-Insuffizienz.

  • Bei der Stamm-Varikose ist die Funktion der großen oberflächlichen Stammvene (Vena saphena magna) gestört. Diese verläuft vom Innenknöchel entlang der Ober- und Unterschenkelinnenseite zur Leiste. Auch die kleine oberflächliche Stammvene (Vena saphena parva), die vom Außenknöchel auf der Unterschenkelrückseite bis zur Kniekehle verläuft, kann betroffen sein.
  • Bei der Seitenast-Varikose sind Seitenäste dieser Stammvenen betroffen.
  • Bei der Perforans-Varikose oder Perforans-Insuffizienz sind es kleine Verbindungsvenen zwischen den oberflächlichen und tiefen Venen.

Welche Probleme können entstehen?

Krampfadern werden häufig als ästhetisch störend empfunden. Die Betroffenen leiden nicht selten erheblich darunter. Doch sind Krampfadern nicht nur ein kosmetisches Problem. Im Laufe des Tages können die Beine müde und schwer werden. Ein unangenehmes Spannungsgefühl entsteht, die Beine können jucken, die Krampfadern schmerzen. Doch nur bei etwa fünf Prozent der Bevölkerung führen die Krampfadern wirklich zu ernsteren medizinischen Problemen.

Das häufigste ist die chronische Stauung und deren Komplikationen. Der medizinische Fachausdruck dafür lautet chronisch venöse Insuffizienz. Durch den Rückstau des Blutes erhöht sich der Druck im Gewebe. Auf Dauer führt dies zu schweren Schäden der Haut vor allem in der Knöchelregion, wo der Druck am höchsten ist. Der Unterschenkel schwillt in diesem Bereich an, die Haut verfärbt sich erst rötlich, dann bräunlich und verhärtet. Schließlich kann es zum gefürchteten offenen Bein (Ulcus cruris) kommen. Dies ist die schwerwiegendste und meist auch langwierigste Komplikation von Krampfadern. Sie sollte daher unbedingt durch rechtzeitige Behandlung verhindert werden.

In seltenen Fällen kann eine Krampfader auch platzen. Man spricht dann von der sogenannten Varizenruptur. Der Betroffene kann dann in kurzer Zeit eine erhebliche Menge Blut verlieren. Da das Blut in der Krampfader langsamer fließt, können sich zudem Gerinnsel bilden, die eine Venenentzündung hervorrufen. Der Mediziner spricht von Varikophlebitis. Anzeichen sind ein starker Druckschmerz. Der betroffene Bereich rötet sich, ist heiß und verhärtet im Verlauf der Ader. Manchmal bilden sich dann gleichzeitig auch Gerinnsel in den tiefen Beinvenen (tiefe Beinvenen-Thrombose).

Bei Anzeichen für eine Venenentzündung oder eine Blutung aus einer Krampfader sollte man rasch einen Arzt aufsuchen, am besten einen Gefäßspezialisten.

Krampfader-Diagnostik – schnell, einfach, schmerzfrei

Die wichtigste Untersuchungsmethode ist der Ultraschall. Mit einem speziellen Verfahren, der sogenannten farbkodierten Duplexsonografie, kann der Arzt tiefe und oberflächliche Venen darstellen und die Funktion der Venenklappen überprüfen. Der Gefäß- oder Venenspezialist kann mit einer einfachen körperlichen Untersuchung und Ultraschall schnell, einfach und schmerzfrei feststellen, unter welcher Art von Krampfadern der Patient leidet und ob Folgeschäden zu erwarten oder bereits eingetreten sind. Nur selten sind weitere Untersuchungen notwendig.

Kann man vorbeugen?

Besteht eine Veranlagung, lassen sich Krampfadern nicht verhindern. Körperliche Bewegung – am besten Gehen – das Vermeiden von zu langem Stehen oder Sitzen sowie zu großer Wärme werden allerdings als vorbeugende Maßnahmen empfohlen. Gut sind auch kalte Güsse, Wechselbäder und Kneippanwendungen. Die Wirkung ist bisher allerdings nicht wissenschaftlich erwiesen.

Wann muss man behandeln?

Unbedingt behandeln muss man Krampfadern, wenn bereits Hautveränderungen bestehen. Auch nach einer Blutung und nach einer Venenentzündung ist eine Therapie nötig. Besenreiser sowie Krampfadern, die nicht zu Beschwerden führen und die bisher keine Folgeschäden verursacht haben, müssen hingegen nicht unbedingt behandelt werden. Bei Krampfadern der großen Stammvenen kann man durch eine frühzeitige Behandlung häufig Folgeschäden vorbeugen. Auch eine Therapie aus rein kosmetischen Gründen kann durchgeführt werden.

Doch muss man sie immer gegen mögliche Komplikationen abwägen. Generell können Krampfadern nicht im engeren Sinne geheilt werden. Doch kann man die Beschwerden verringern oder schwerwiegende Folgeschäden wie ein offenes Bein in den meisten Fällen verhindern. Aber selbst wenn die Krampfadern beseitigt werden, können wieder neue entstehen.

Gummistrumpf, Verödung oder OP?

Ziel der Behandlung ist es, den chronischen Blutstau im Bein zu verhindern. Eine Möglichkeit ist die Kompressionstherapie mit einem Gummistrumpf. Hier wird der Rückstau durch Gegendruck von außen verhindert, allerdings nur, solange der Gummistrumpf getragen wird. Nur in dem seltenen Fall, dass der Patient gleichzeitig unter einer schweren Durchblutungsstörung der Beinarterien leidet, darf kein Gummistrumpf getragen werden.

Viele Patienten empfinden die Kompressionstherapie allerdings als unangenehm und störend. Die Alternative sind verschiedene Eingriffe: So kann man den Blutstau verhindern, indem man die Krampfadern von innen verklebt oder in einer Operation herauszieht. Auch eine Kombination beider Verfahren ist möglich. Voraussetzung für diese Therapie ist allerdings, dass die tiefen, inneren Beinvenen durchgängig und optimalerweise auch funktionstüchtig sind.

Das Verkleben der Varizen kann auf verschiedene Arten erfolgen:

  • Kleine, oberflächliche Venen können mit einem Laser von außen durch die Haut quasi verschmort werden.
  • Bei einer anderen Methode spritzt man ein Mittel in die Krampfader, das sie von innen verklebt. Man spricht auch von Verödung (Sklerotherapie).
  • Bei Krampfadern der Stammvenen (Stammvarikose) wählt man eher die Operation. In geschulten Händen sind Komplikationen nach einem Krampfaderneingriff sehr gering.
  • Bei der Standardmethode unterbindet man den Blutfluss der Krampfadern an der Mündungsstelle in die inneren Venen und zieht sie dann heraus. Der Chirurg nennt dies Crossektomie mit Stripping.

Moderne schonende Verfahren

Mit modernen sogenannten endovaskulären Verfahren soll die Behandlung schonender werden. Hierbei wird die Vene nicht entfernt. Eine spezielle Sonde (Radiofrequenz-, Laser- oder Wasserdampfsonde) wird in die Krampfadern eingeführt. Sie werden dann von innen verkocht.

Kleine Seitenäste können vom Chirurgen durch Minihautschnitte in lokaler Betäubung herausgehäkelt werden (Miniphlebektomie). Die verschiedenen OP-Methoden und die Verödung können auch kombiniert werden.

Der Gefäßspezialist muss mit dem Betroffenen gemeinsam besprechen, welche Behandlung die individuell beste Therapie ist. Nach einer Operation oder einer Verödung sollte je nach Befund noch bis zu sechs Wochen lang ein Gummistrumpf getragen werden.

Lesen Sie auch: Das sollten Sie alles über Krampfadern wissen.

Dr. Antje Rademacher und Dr. Mojtaba Sadeghi

Stau in den Beinvenen: Krampfadern behandeln lassen

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