Eine Million von Demenz betroffen

Wenn das Gedächtnis versagt

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Demenz

Demenzen gehören zu den häufigsten und folgenreichsten Erkrankungen im höheren Alter. In Deutschland leiden derzeit nahezu eine Million Menschen an einer Demenz, die Anzahl der Neuerkrankungen beträgt im Laufe eines Jahres fast 200 000.

Mit zunehmendem Alter steigt die Häufigkeit demenzieller Erkrankungen sehr stark an, von weniger als zwei Prozent bei den 65- bis 69-Jährigen auf über 30 Prozent bei den 90-Jährigen und Älteren. Über zwei Drittel aller Demenzkranken sind Frauen. Dies ist hauptsächlich darauf zurückzuführen, dass Frauen im Vergleich zu Männern ein höheres Erkrankungsrisiko und eine längere Lebenserwartung haben. Fast die Hälfte der Pflegebedürftigen in Privathaushalten hat eine Demenz, wobei mit zunehmender Pflegestufe der Anteil stark ansteigt. Gleichzeitig ist die Demenz der mit Abstand wichtigste Grund für eine Heimaufnahme. Der Anteil demenzkranker Heimbewohner hat in den letzten Jahrzehnten stetig zugenommen. Derzeit sind über 60 Prozent der Heimbewohner von dieser Krankeit betroffen. Man kann davon ausgehen, dass in Deutschland etwa 400 000 demenziell erkrankte Menschen in Alten- und Pflegeheimen versorgt werden.

Was ist eigentlich Demenz?

Demenz ist ein Syndrom als Folge einer meist chronischen oder fortschreitenden Krankheit des Gehirns mit Störung höherer Funktionen wie Gedächtnis, Denken, Orientierung, Lernfähigkeit, Sprache und Urteilsvermögen. Diese kognitiven Beeinträchtigungen werden von Veränderungen der emotionalen Kontrolle, des Sozialverhaltens oder der Motivation begleitet.

Bereits in den leichten beziehungsweise frühen Erkrankungsstadien weisen die Betroffenen Einschränkungen in der selbstständigen Lebensführung auf, sind aber noch nicht vollständig von der Hilfe Dritter abhängig. Bei fortgeschrittener Erkrankung, wo zumeist zwischen mittelschwerem oder schwerem Demenzstadium unterschieden wird, entstehen durch die Funktionseinbußen Pflegebedürftigkeit und Beaufsichtigungsbedarf rund um die Uhr.

Demenzielle Erkrankungen beeinträchtigen neben Funktionen, die die kognitiven Fähigkeiten betreffen, auch nicht kognitive Systeme wie Wahrnehmung, Affektivität und Persönlichkeitsmerkmale. So entstehen häufig andere psychische Auffälligkeiten wie Depressionen, Schlafstörungen, Unruhe, Angst, Wahnwahrnehmungen, Halluzinationen (paranoid-halluzinatorische Syndrome) und Aggressionen. Nichtkognitive Symptome der Demenz führen neben einer Verschlechterung der Lebensqualität des Kranken zu erheblichen Belastungen für die Betreuenden. Sie sind nicht nur Folge von Abbauprozessen im Gehirn, sondern auch Ausdruck ihres engen Wechselspiels mit psychosozialen Einflüssen, der Persönlichkeit und den noch vorhandenen Konfliktbewältigungsstrategien.

Wie kann eine „Demenz” festgestellt werden?

Es ist häufig nicht einfach, altersübliche Veränderungen der kognitiven Leistungen von frühen Demenzstadien zu unterscheiden. Hinweise darauf können sein: Abnahme des Gedächtnisses und des Denkvermögens, erhebliche Beeinträchtigungen der Aktivitäten des täglichen Lebens (ATL) wie Ankleiden, Essen und persönliche Hygiene. Einschränkungen können auch in den Bereichen Orientierung, Auffassung, Rechnen, Lernfähigkeit, Sprache und Urteilsvermögen vorliegen. Die Dauer der Beeinträchtigung sollte mindestens sechs Monate betragen. Davon abzugrenzen sind eine mögliche depressive Störung, ein Delir (akute psychische Störung), eine leichte oder mittelschwere Intelligenzminderung, eine kognitive Schwäche aufgrund schwer gestörter sozialer Bedingungen mit mangelhaften Bildungsmöglichkeiten und psychische Störungen als mögliche Folge von Medikamenteneinnahmen.

Die Krankheitsursache der Alzheimer-Demenz ist, abgesehen von den wenigen klar genetisch bestimmten Formen, im Wesentlichen noch unbekannt. Letztlich spielen bei der Entstehung der Erkrankung mehrere Faktoren eine Rolle. Vor allem das Alter an sich ist der wichtigste Risikofaktor für das Auftreten einer Demenz.

Prävention

Während es bei der echten Alzheimerdemenz aufgrund der unklaren Entstehungsgeschichte nur wenige Ansätze gibt, ist eine Prävention bei vaskulären Demenzen durch eine Beeinflussung der Risikofaktoren möglich, die großenteils für Schlaganfälle und andere arterielle Verschlusskrankheiten verantwortlich sind. Folgende Risikofaktoren für vaskuläre Demenzen sind behandelbar: Bluthochdruck, Zigarettenrauchen, Alkoholmissbrauch, diätetische Faktoren/Hypercholesterinämie, Vorhofflimmern/kardiale Emboliequellen, Diabetes mellitus, Herzfehler.

Therapie

Der große Durchbruch bei der Demenzbehandlung mit der Möglichkeit, den fortschreitenden degenerativen Prozess aufzuhalten, ist bisher noch nicht gelungen. Bei der Therapie der Demenz lassen sich drei Bereiche unterscheiden: medikamentöse Therapie, psychologische Interventionen, ökologische und soziale Interventionen.

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