Morbus Bechterew

Wenn Schmerzen Gefahr bedeuten

+

Mal tut der Rücken weh, mal die Gelenke – gelegentliche Schmerzen kennt fast jeder. Nicht immer sind zu schweres Heben oder falsche Körperhaltung der Grund.

Wenn sich die Schmerzen häufiger einstellen, auf die Gelenke ausstrahlen und die Nachtruhe stören, kann eine ernsthafte Erkrankung dahinterstecken: Morbus Bechterew. Dann ist schnelles Handeln wichtig.


Morbus Bechterew ist tückisch. Die rheumatische Erkrankung des Skeletts tarnt sich gewissermaßen hinter Symptomen, die auch ganz harmlose Gründe haben können. Ein Ziehen im Rücken muss aber nicht von schwerem Heben herrühren, ein Gelenkschmerz nicht den Wetterumschwung ankündigen und ein Stechen im Nacken keine Folge übertriebener Smartphone-Nutzung sein: Morbus Bechterew ist eine Fehlsteuerung im körpereigenen Immunsystem, die zu ungeregeltem Knochenwachstum und Versteifung der Gelenke führen kann. Da die Krankheit schubweise verläuft und keine klare Symptomatik hat, werden die davon ausgelösten Schmerzen selbst von Ärzten oft über längere Zeit falsch gedeutet.

Frühes Erkennen – beste Behandlungschancen

Und dadurch geht wertvolle Zeit verloren. Morbus Bechterew ist zwar unheilbar, und auch die genaue Ursache der Krankheit ist noch nicht entdeckt. Doch können Patienten sehr viel tun, um den Krankheitsverlauf positiv zu beeinflussen und ihre körperliche Beweglichkeit lange zu erhalten.


In Deutschland sind ungefähr 340.000 Menschen von der heimtückischen Immunerkrankung betroffen. Sie macht sich zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr mit nachlassender Beweglichkeit und Schmerzsymptomen bemerkbar, kann einen sehr unterschiedlichen Verlauf nehmen. Wenn früher alte Menschen sehr gebeugt gingen und einen stark verformten Rücken hatten, war oft Morbus Bechterew die Ursache. So weit muss es heute nicht mehr kommen: Eine der besten Maßnahmen gegen die Krankheit sind viel Bewegung und Physiotherapie, um die Gelenke flexibel und den Rücken schmerzfrei zu halten.

Wirksame medikamentöse Therapie

Es ist sehr wichtig, Morbus Bechterew möglichst frühzeitig zu erkennen: Je eher eine medikamentöse Behandlung begonnen wird, desto stärker lassen sich die Krankheitsfolgen mildern und in ihrer Entwicklung verlangsamen.

Diese Symptome sind Alarmsignale, die einen Gang zum Rheumatologen ratsam machen:

  • häufige Schmerzen in unterem Rückenbereich
  • Steifheit und Stechen im Nacken
  • Schmerzen im Brustbein
  • Schmerzen in den Gelenken
  • heftige nächtliche Schmerzattacken
  • morgendliche Unbeweglichkeit

Wenn der Facharzt Morbus Bechterew sicher diagnostiziert hat, geht er medikamentös zweigleisig vor. Zum einen verschreibt er Schmerzmittel, die akute Schübe lindern können, und zum anderen Antirheumatika, um die von Morbus Bechterew hervorgerufenen Entzündungen zu mildern. Mit Wirkstoffen aus der Gruppe der Biologika kann der Rheumatologe auf den körperinternen Prozess einwirken, der zum Knochenwachstum und zur Gelenkversteifung führt. Biologika wie zum Beispiel Secukinumab sind künstlich hergestellte Eiweißstoffe, die gezielt in die fehlgesteuerte Immunreaktion eingreifen und jene Botenstoffe blockieren, die die Entzündungen verursachen und den Krankheitsverlauf vorantreiben.

Morbus Bechterew ist inzwischen gut behandelbar – sofern die Krankheit klar erkannt und therapeutisch gezielt angegangen wird. Deutet das Schmerzbild auf eine mögliche Bechterew-Erkrankung hin, sollten Betroffene den Gang zum Rheumatologen nicht scheuen. Eine rechtzeitig begonnene Behandlung kann den Patienten viel beschwerdefreie Zukunft schenken.

Kommentare