Verbindung der russischen mit der bayerischen Seele

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"Herbst bei Bernau", Öl auf Leinwand, 60 mal 100 Zentimeter, 2007 gemalt von Ekaterina Zacharova. Die Birken dieser Allee erinnern die Malerin an ihre russische Heimat.

Frauenchiemsee - Die Inselgalerie Gailer zeigt auf Frauenchiemsee Bilder derrussischen Malerin Ekatarina Zacharaova: Landschaften, Stadtimpressionen und Stillleben.

"Hier in der freien Natur unter Naturmenschen kann man natürlich malen", begründete 1879 Wilhelm Leibl sein Weggang aus derm Münchner Kunstbetrieb aufs Land nach Berbling. So hält es auch die aus Moskau gebürtige Malerin Ekaterina Zacharova, die 1996 ins Inntal zog; erst auf den Samerberg, dann nach Flintsbach und nun in Gmund am Tegernsee lebt: Draußen, beim Malen, fühlt sie sich eins mit der Natur.

"Vier Uhr morgens. Der Wecker klingelt. Eine junge Frau springt aus dem Bett. Die ganzeNacht lag sie schon unruhig. Sie fährt von ihrem Wohnort am Tegernsee an den Chiemsee. Am Nordufer des Sees baut sie ihre Staffelei auf." Am späteren Vormittag kehrt sie dann zurück, um ihre Familie zu versorgen. Am nächsten Morgen geht es wieder an den See.

Im Stil einer Reportage schilderte die Rosenheimer Kunsthistorikerin Dr. Evelyn Frick bei der Ausstellungseröffnung in der Inselgalerie Gailer auf Frauenchiemsee den Entstehungsprozess der Landschaftsbilder der 41-jährigen Künstlerin. Sie malt spontan aus der Stimmung des jungen Tages heraus, öl auf Leinwand, Schicht über Schicht. "Am Anfang sehen meine Bilder immer wie Obstsalat aus", findet Zacharova.

Die Weite des Chiemsees führt sie zu entsprechenden flachen Querformaten, unter Kunstkennern Münchner Handtuch genannt, 25 mal 60 Zentimeter, oder 40 mal 100 Zentimeter. Ab er es ist nicht nur der See, der sie anzieht, es sind auch andere Stimmungen des Chiemgaus, so etwa die Birkenallee bei Bernau; Bäume, die sie an ihre russische Hmat erinnern.

Galerist Franz Gailer, der die Künstlerin hier von Anfang an betreute, beobachtet seither in Zacharovas Bildern, wie die russische und die bayerische Seele eine Verbindung eingingen. Die Chiemseemalerei sei nicht zuende, sondern Zacharova führe sie gekonnt fort.

Aus Sicht des modernen Kunstbetriebs könnte man die Bilder "altmeisterlich" nennen, da sie an die Münchner Schule anknüpfen, wiewohl Zacharova diesen Begriff in ihrer russischen Ausbildung nicht kennenlernte. Doch die Bilder der jungen Russin strahlen eine Frische aus, die aus dem Licht kommt, ähnlich wie bei Claude Lorrain. Sturmwellen sind geradezu plastisch ausgeformt, sie brechen pastos auf der Leinwand. Opulent sind Zacharaovas Stillleben, schwere, volle Rosenblüten, dazu Gläser und Flaschen, und immer traumwandlerisch sicher gesetztes Licht.

Die jahrelange fundierte Ausbildung auf strengen russsischen Kunstschulen und auf Akademien haben zu dieser Meisterschaft geführt. Was im hiesigen Studienbetrieb verpönt ist, war in Moskau Programm: üben, üben üben - ähnlich, wie sich junge Musiker bei ihrem Ausbilder über Wochen und Monate immer wieder an der selben Passage versuchen, "bis es sitzt". Es hieß in Moskau erstmal zeichnen lernen, und erst gegen Ende der Ausbildung ging es an die "Königsdiziplin" ölmalerei.

Aber Zacharaova hat auch ein Kontrastprogramm zur Natur: Sie setzt sich bewusst dem Betrieb einer Stadt aus, malt mitten im Trubel, so mittags auf dem Rosenheimer Max-Josefs-Platz oder im Münchner Hofgartencafé am Odeonsplatz, wo sie die Gäste beim angeregten Gespräch oder stillem Nachdenken zeigt. Es ist keine verwischte Menge von Gesichtern, sondern es sind individuelle Charaktere. Sie sieht das als an sich selbstgestellte Aufgabe der Fortentwicklung.

Menschen malen - auch das hat sie gelernt und zu großem Können gebracht. Leider ist bei der Ausstellung in der Galerie kein Porträt zu sehen. Die bisherigen dürften sich im Privatbesitz der Auftraggeber befinden. Bekannt von letzten Ausstellungen ist ein großes, geschickt arrangiertes Selbstporträt mit ihrer Familie. Aber das hat auch mal Ruhe verdient und hängt daheim in Gmund, wo auch die Stillleben entstanden sind.

Die junge Flötistin SophieTherese Löser aus der Talentförderklasse der Musikschule Rosenheim umrahmte die Eröffnung mit Werken von Claude Debussy, Johann Sebastian Bach und Ernesto Köhler. Wie zur letzten Präsentation von Ekaterina Zacharovas Bildern in der Inselgalerie ist auch diesmal ein Katalog erschienen.

Öffnungszeiten

Die Ausstellung von Ekatarina Zacharova in der Inselgalerie Gailer auf Frauenchiemsee ist täglich geöffnet von 12 bis 17 Uhr; im Oktober ist dienstags und freitags geschlosssen, sie dauert bis 1. November.

von Hendrik Heuser

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