Mit Blödsinn und Raffinesse

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Michael Altinger (links) und Alexander Liegl (rechts) als Duo.

Rosenheim (ovb) - Um Männerfreundschaft, Mimosentum und Animositäten ging es im Programm "Platzende Hirsche" bei den Rosenheimer Kleinkunsttagen in Auers Kulturzelt auf der Loretowiese.

Die "platzenden Hirsche" waren Michael Altinger und Alexander Liegl, die bereits früher zusammen aufgetreten waren und die sich ein Duo-Programm unter Regie von Gabi Rothmüller maßschneiderten, für das es auch 2007 den deutschen Kabarettpreis gab. Wobei es sich beim "Hirsche"-Programm um einen Grenzgang zwischen Comedy und Kabarett handelt. Manche Passagen sind purer sinnfreier Blödsinn, dann wieder folgt Doppelbödigkeit mit Hintersinn.

Den roten Faden bilden die beiden Personen selbst in ihrer Männerfreundschaft. Da beide ähnlich alt und irgendwie ähnlich gestrickt sind, geht es um Profilierung und wie einer den anderen für sich einspannen kann. So fallen denn auch Sprüche wie "Du warst schon immer fies zu mir" und wechselseitig plaudert man in kleinen Racheaktionen die Geheimnisse des anderen aus. Im Laufe des Programms ziehen Altinger und Liegl über kleine Männer wie Peter Maffay und Humphrey Bogart her und nehmen die Kollegen aufs Korn, wenn beispielsweise in der U-Bahn der "U-Bahn Priol" identifiziert wird. In einer köstlichen Solonummer karikiert Liegl das Gehabe von Pseudo-Schriftstellern, die einfach zu viele Bedingungen an ihre Schreibumgebung stellen und dann doch nichts zu Papier bringen.

Stark ist Altinger, wenn er einfach Geschehnisse des Alltags umsetzt, so als Kinderaufpasser eines verwöhnten Nachbarszöglings ("Das ess ich nicht, das kenn ich nicht"), eine Variante des Polt-Klassikers mit Osterhasi und Nikolaus.

Während Altinger eher den Mimiker und Grimassenkünstler gibt, kommt Liegl stärker von der Stimme her. In einem von mehreren sich abwechselnden Running Gags liest er auch ergreifende Episoden aus einem Arztroman und lässt seinen Kumpel Michi auf seinen grandiosen Auftritt hoffen, der freilich verpufft. Geschickt taucht immer wieder die Stimme aus dem Off als "innere Stimme" auf, die mahnt und die die Wahrheiten aussprechen darf, über die man sich geschickt hinwegrettet. So pendelt das Ganze zwischen geschickten Strategien des Tarnen und Täuschens, und letztlich kommt doch alles ans Tageslicht, wenn es auch nur ein Leguan ist, den der Michi zur Inspiration braucht.

In dem raffiniert komponierten Männerfreundschaftsprogramm mit viel komödiantischem Können laden die Platzhirsche Liegl und Altinger zu persönlicher Selbsterkenntnis ein. Manchen war's aber auch zu viel Comedy, der Applaus daher durchwachsen.

Andreas Friedrich/Oberbeyerisches Volksblatt

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