Felsenzauber – neun „magische“ Nächte

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Der "Felsenzauber" in der Gießenbachklamm forgt für magische Nächte.

Kiefersfelden - Zwei Festzelte, dazwischen ein fast zwei Kilometer langer Wanderweg – damit ist die Gießenbachklamm für neun „magische“ Nächte die größte begehbare Kunstmeile Deutschlands.

Ermöglicht hat das der kurz vor dem großen internationalen Durchbruch stehende Installationskünstler Ingo Bracke, der das Konzept seiner „wolkenhain.aktionen“ von Rheinland-Pfalz für die bayerisch-tirolische Grenze mit Kaiser-Reich Leiter Werner Schroller und Dramaturg Roland Dippel variierte. Von einer solchen Naturbühne träumten Weber in der „Freischütz“-Wolfschlucht und Caspar David Friedrich bei “Kreuz im Gebirge“.

Mit seinen dramatischen Installationen betreibt Ingo Bracke Archäologie: Historische Gebäude, Denkmäler, urige Gehöfte und Naturräume meiselt und konturiert er, holt Vergessenes und Historisches aus dem Schatten. Vom Gießenbach leuchtet es aus dem 150 m tiefen Abgrund mystisch violett. Nach einem Felsenspitz eröffnet sich den nächtlichen Wanderern sodann ein Wald- und Felsensaal mit weißen Ornamenten, Fichtenreihen werden Baummauern. Akustische Stationen mischen reale Käuzchenrufe mit synthetischen Klängen – es raunt wie ein Naturlaut. Symphonisches Fortissimo gestattet sich der Künstler nur einmal. Scriabins „Poème de l’ecstase“ ist Programm – der Rausch sättigt nicht, sondern drängt.

Bracke plündert die Natur weder als Kulisse noch als Kreativ-Steinbruch. Mit tiefem Respekt vor Freiräumen und Monumenten meidet er hypertrophe Farbwerte und dringt damit mehr in die Sinne als manch andere sterile Kunst-„Produktion“.

Wieder einmal zeigt sich erst recht in der Kunst: Weniger ist mehr! Am Event-Anlass, dem 100jährigen Elektrizitätswerk, finden sich zwei Stationen. Der Energieausstoß reicht locker für alle stromzehrenden Installationen mit nur einem Drittel der Leistung (160 KWh). Die Gebetsbank vor der Madonna und die Brotzeittafel der Arbeiter verweisen auf Volksfrömmigkeit und industriellen Fortschritt – ein lichter ironischer Schimmer enthebt diese begehbaren Nischen dem blanken Volkstheater-Realismus.

Doch den kreieren Macher und Besucher selbst – gekonnt: Die Rahmenstationen laden zum Verweilen. Die Eigentümer-Familie der Bleier Sag am größten Wasserrad Deutschlands machte kurzerhand ihren Vor- zum Biergarten - und auch auf der Schopperalm gibt’s reichlich Brotzeit mit Musik. Am Eröffnungsabend spielten unten die Kieferer Musikkapelle, oben „Die Stauweiher Musik“ mit Stil und Schmiss. Ein Prosit auf die leise Liebeserklärung an einen Lebensraum – „Zum Raum wird hier die Zeit“! Serge Héritier

Samstag, 18. September 2010

Festzelt ab 16.00 Uhr Gießenbachklang

Schopperalm 20.00 Uhr Gradl-Buam

Dienstag, 21. September 2010

Festzelt 19.00 Back-Talk Schopperalm 20.00 Uhr Live-Musik

FELSENZAUBER Begehbare Landschaftsmalerei aus Licht/Wasser/Klang

von INGO BRACKE – Idee: Werner Schroller – Dramaturgie: Roland Dippel

Termine:

Donnerstag, 16. September 2010

Freitag, 17. September 2010

Samstag, 18. September 2010

Dienstag, 21. September 2010

Mittwoch, 22. September 2010

Donnerstag, 23. September 2010

Freitag, 24. September 2010

Samstag, 25. September 2010

Montag, 27. September 2010

Jeweils 19 bis 23 Uhr (Einlass bis 22.30 Uhr) Einlass in die Klamm erst bei völliger Dunkelheit

musikalische und gastronomisches Rahmenprogramme

Kaiser-Reich Information

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