Ferdinand Bonn: König des Theaters und Films

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Ferdinand Bonn

Bernau - Das Jahr 2011 ist für Bernau am Chiemsee von besonderer Bedeutung: Der Ort feiert den 150. Geburtstag des Schauspielers und Schriftstellers Ferdinand Bonn.  ** Mit GEWINNSPIEL! **

Das Jahr 2011 ist für die Gemeinde Bernau am Chiemsee und darüber hinaus von besonderer Bedeutung, feiert doch der Ort den 150. Geburtstag des bedeutenden Schauspielers (Theater und Film) und Schriftstellers Ferdinand Bonn, der sowohl mit der Gemeinde als auch mit der Person des bayerischen Königs Ludwig II. und dem Schloss Herrenchiemsee eng verbunden ist.

Der Weg zum Chiemsee

Den 1861 in Donauwörth geborenen, oft skandalumwitterten, weil sehr eigensinnigen Künstler verschlug es nämlich im Jahre 1908 wegen diverser Theater-, Film- und Presseskandale fluchtartig aus der Großstadt Berlin ins ländliche Bernau, wo er zusammen mit seiner damaligen Frau Maria Bonn (1871-1909) eine großzügige Villa mit Park erwarb: das noch heute existierende, nach ihm benannte „Bonnschlössl“, das seit 1965 als Hotel genutzt wird. Mit seiner dritten Frau Addy (1892-1982) lebte der Schauspieler dort bis zu seinem Tod im Jahre 1933. Auf dem nahen Kirchfriedhof findet man ihre Gräber. Bernau ehrte den zeitlebens passionierten Reiter Ferdinand Bonn im Jahre 1958 durch die Benennung einer Straße mit seinem Namen.

Ferdinand Bonn: Der 1. Filmdarsteller König Ludwig II.

Wie es der glückliche Zufall will, hat Bernau wegen des 125. Todestags von König Ludwig II. (13. Juni 2011) und der aus diesem Anlass stattfindenden Bayerischen Landesausstellung im Neuen Schloss Herrenchiemsee Götterdämmerung – König Ludwig II. und seine Zeit noch einen weiteren Grund F. Bonn zu feiern: Ist doch der Wahl-Bernauer sowohl der Autor eines frühen Bühnenwerks mit dem Titel Ludwig der Zweite (Tragödie in 5 Aufzügen, Berlin: 1907) als auch der Hauptdarsteller der ersten beiden von zahlreichen Spielfilmen über den in der ganzen Welt bekannten Bayernkönig.

Ein Faktum, das bislang nur wenig bekannt ist. Während das Filmdrama König Ludwig II. (1913/14, Regie u. Ludwig II.-Darsteller: F. Bonn) leider nicht erhalten ist, wurde der zweite Ludwig-Film Das Schweigen am Starnbergersee (1919/20, Regie: Rolf Raffé, Darsteller: Martin Wilhelm als junger König, Ferdinand Bonn als älterer König) im Jahre 2009 aufgrund der Veröffentlichung von Archivkopien auf DVD (Edition filmmuseum 46) durch das Filmmuseum München gewissermaßen neu- und wiederentdeckt. Bonns Frau Addy spielt darin übrigens die Rolle der Prinzessin Sophie von Bayern.

Der „bleiche Märchenkönig“ (F.B.) hatte Bonn schon immer fasziniert, wie er in seinen Memoiren Mein Künstlerleben (1920) unumwunden gesteht: „Als Kind sah ich Ludwig den Zweiten, den königlichen Jüngling vorüberschreiten, göttlich, voll Majestät und Anmut. Hinter goldgleißenden Priestern, die bei der Prozession die blitzende Monstranz in Weihrauchwolken trugen, wandelte er – die Mensch gewordene Schönheit. Kein Gemälde, kein Drama, kein Naturereignis hat jemals stärker auf mich gewirkt.“

Ein Leben für die Kunst des Theaters und des Films

Ferdinand Bonns bewegtes Leben war zunächst ein Leben für die Welt des Theaters mit den Stationen Deutsches Theater Moskau, Königliches Hof- und Nationaltheater München, Burgtheater Wien und den damals großen Bühnen Berlins wie dem Deutschen Theater, dem Theater des Westens und dem Königlichen Schauspielhaus. Einst Schüler Ernst von Possarts erarbeitete sich Bonn alle großen Hauptrollen des Sprechtheaters, von Shakespeares Hamlet und Macbeth über Goethes Mephisto, Schillers Franz Moor bis hin zu Lessings Shylock.

Gründe für Bonns schauspielerische Erfolge waren sein natürliches Spiel, eine enorme Wandlungsfähigkeit und das Talent zur Improvisation. In einem Porträt aus dem Jahre 1927 bewunderte Kurt Tucholsky dessen Handwerk und „Selbstverständlichkeit des Könnens“: „Es waren so subtile Kleinigkeiten, die unsereiner nur an der Wirkung fühlt, am meisten dann, wenn sie nicht da sind: Atemtechnik, die Art, wie die Rede ansetzt, die ruhige Sicherheit der Akzentgebung – er konnte das. Er hatte das hundertmal ausprobiert, er wußte Bescheid, er hatte es gelernt! Alte Schule.“

Bonn begnügte sich aber nicht mit der Rolle als Theaterschauspieler, sondern schrieb auch selbst zahlreiche Bühnenstücke (Dramen, Komödien, Lustspiele, Tragödien, das „vaterländische Schauspiel“ Friedrich II. König von Preussen), Erzählungen (humoristische Soldatengeschichten) und diverse autobiographische Berichte. Darüber hinaus leitete er von 1904 bis 1907 ein eigenes Theater in Berlin, das unter dem Namen „Ferdinand Bonns Berliner Theater“ firmierte.

Dem neuen Medium Film gegenüber war Bonn aufgrund seiner Neugierde und Experimentierlust, aber auch aus lukrativen finanziellen Gründen besonders aufgeschlossen. Zusammen mit Albert Bassermann (1867-1952) und Paul Wegener (1874-1948) gehörte Ferdinand Bonn zu den ersten deutschen Theaterschauspielern überhaupt, die sich für den Film engagierten und eine Doppelkarriere bei Bühne und Film anstrebten. Bereits ab 1912 schrieb Bonn Drehbücher für eine dänische Filmfirma. Es folgten mehrere erfolglose Versuche als Filmregisseur, u.a. mit eine Reise nach Ägypten.

Auf seinem Landgut in Bernau am Chiemsee, dem heutigen Bonnschlössl, richtete Bonn dafür sogar eine kleine Filmfabrik ein. Im Jahre 1913 entstand dort unter Mitwirkung der Bernauer Bevölkerung der erste Spielfilm über Ludwig II. überhaupt mit Bonn als Regisseur und Hauptdarsteller, der leider verboten und später wohl fast vollständig vernichtet wurde. Von da an verlegte sich Bonn ganz auf ein „Dasein als bloßer Filmschauspieler“, wie er selbst einmal bemerkte. Schon im Jahre 1919 erhält Bonn die Gelegenheit, erneut den König zu spielen; als nämlich der Regisseur Rolf Raffé auf ihn aufmerksam wird, Bonns Film aufkauft, um ihn auf diese Weise „auszuschalten“, und einen eigenen Ludwig-Film zu produzieren.

Der Film besticht noch heute durch seine Innen- wie Außenaufnahmen beispielsweise von Schloss Herrenchiemsee, vor dessen Kulisse Ferdinand Bonn einen von Wahnvorstellungen heimgesuchten König Ludwig II. mimt. Im Film befindet sich auch eine kurze Sequenz, die das Bonnschlössl als Schauplatz mit einbezieht.

Im Laufe seines Lebens hat Bonn an sage und schreibe 70 Spielfilmen mitgewirkt, in der Regel aber als Darsteller von Nebenrollen. Nur noch von wenigen dieser Filme existieren heute Kopien, sodass es nicht einfach ist, sich ein Bild zu machen. Die meisten Filme realisierte er mit dem österreichischen Regisseur Richard Oswald (1880-1963), dessen Kino zwischen Spektakel, Aufklärung und Unterhaltung seinerzeit ein großes Publikum fand.

Der bis heute bekannteste dürfte das Justizdrama Dreyfus (1930) sein mit Fritz Kortner in der Rolle des französischen Hauptmanns Alfred Dreyfus. An der Seite von Heinrich George, Albert Bassermann und Fritz Rasp spielt Bonn hier in einer kleinen Nebenrolle den französischen Kriegsminister General Mercier.

Den größten Skandal in Bonns Filmkarriere verursachte das Historiendrama Kaiser Wilhelms Glück und Ende (1919), in dem Bonn die Hauptrolle von Kaiser Wilhelm II. spielte. Was als durchaus verständnisvolle Annäherung an den ins Exil geflohenen Regenten gedacht war, geriet zu einem veritablen Skandal mit dem Vorwurf des Vaterlandsverrats von seiten wiedererstarkter monarchistischer Kreise. Schließlich wurde der „Kaiserfilm“ wegen der „Gefahr deutschnationaler Unruhen verboten“ und alle Kopien vernichtet.

Mit der Person Ferdinand Bonn birgt die Gemeinde Bernau einen kleinen Schatz aus einer scheinbar längst vergangenen, uns heute eher fremd anmutenden Zeit, der nun jedoch aufs Neue gehoben wird in der Überzeugung, dass die Kunst ins Leben hineinzuwirken vermag, wenn man sie nur lässt.

Ausstellung und Filmreihe

Die Gemeinde Bernau möchte den ebenso eigenwilligen wie umstrittenen Künstler sowohl mit einer Ausstellung als auch mit einer über das Jahr verteilten kleinen Filmreihe würdigen, um so auch einem größeren Publikum den Aspekt des Filmschauspielers Ferdinand Bonn bekannt zu machen. Vorgesehen sind der Ludwig II.-Film Das Schweigen am Starnbergersee (1920).

Die Ausstellung wird in der Hauptsache betreut von der Ferdinand Bonn-Forscherin Dr. Brigitte Müller (Donauwörth), während der Literatur-, Musik- und Filmwissenschaftler Alfons Maria Arns (Frankfurt am Main) die Präsentation der Filme und die jeweilige filmhistorische Einführung übernehmen wird.

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Für die Vorführung der Filme zu Ferdinand Bonn können Sie jetzt 2x2 Karten für den 14. Oktober 2011 gewinnen! Sie müssen dazu nur das am Ende dieses Artikels stehende Formular ausfüllen. Einsendeschluss ist am 14. Oktober 2011, um 12 Uhr. Die Gewinner werden unter allen Einsendungen ausgelost und können unter Vorlage ihre Gewinn-Benachrichtigungs-E-Mail die Karten an der Abendkasse abholen. Viel Glück!

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