Der Anfang vom Untergang

Obing - Die Hardcore-Punkband "Adams Apple" ist zur Zeit auf Konzerttour. Im September kommt ihr bereits zweites Studioalbum auf den Markt.

Ein kleiner, kalter Kellerraum unter der Garage eines Obinger Hauses. Decke und Tür sind mit Schaumstoff abgedichtet. Neben dem Schlagzeug, einigen Boxen, Kabeln am Boden und vier Musikern ist nicht mehr viel Platz. Irgendwie ist es gemütlich. "Wir sind auf der Suche nach etwas Größerem in Waldkraiburg, aber bis dahin spielen wir eben beim Tom."

Sabrina Ruls, die Sängerin aus Töging, deutet auf den Schlagzeuger. Zusammen mit zwei Jugendfreuden aus Waldkraiburg, dem Gitarristen Flo und dem Bassisten Christoph gründeten sie vor sechs Jahren "aus Langeweile" die Band Adams Apple. Seitdem spielen sie in ihrer Freizeit Hardcore-Punkrock. "Das ist schnellerer, härterer Punk, und es wird mehr geschrien als gesungen", erklärt Sabrina. Das laute, rasante Schlagzeug, die oft ohrenbetäubend kreischende Gitarre und der im Bauch pochenden Bass lassen die Lieder wütend klingen. Die Texte sind kaum zu verstehen. Das ist auch so gewollt. "Wir machen diese Musik, um den ganzen Mist rauszuspielen", erzählt Christoph. Adams Apple möchten ihren Hörern die Augen öffnen und spielen in ihren Songs gegen alles an, was in der Gesellschaft schief läuft. Dazu gehört die Art, wie der Mensch mit der Welt umgeht und sie zerstört.

"Adamsapple": Fotos von den Proben

Ein anderes Thema, das der Band sehr wichtig ist, behandelt ihr erstes Lied "Zombie Nation": Einen Menschen, der sein Leben nur noch wie ein Untoter fristet. Seitdem tritt die Band als Zombies geschminkt auf - und lacht aus Prinzip nicht auf Fotos. "Adams Apple"? Beim Namen hat sich das Quartett in der Bibel bedient. "Der böse Apfel war der Anfang vom Untergang", sagt Sabrina und setzt sofort hinzu: "Wir haben aber keinen religiösen Hintergrund."

Im September nehmen Adams Apple ihr zweites Studioalbum auf. Das Erste war noch in Eigenregie entstanden, nun sind sie bei "SN Punx" aus Schwerin unter Vertrag. "Bis jetzt haben wir uns alles selber finanziert. Bei dieser CD bezahlt das Label Produktion und Vertrieb. Das ist ein großer Schritt in unserer 'Karriere'", grinst Flo. "Mich hat mal jemand gefragt, ob Adams Apple wirklich 800 Euro pro Auftritt kriegen. Ich hab ihn ausgelacht." Sabrina klingt abfällig. "Der Untergrund hat nichts mit dem zu tun, was man im Fernsehen sieht", bekräftigt Flo. "In der Szene hat man kaum eine Chance, von der Musik zu leben. Auftritte sind Nullgeschäfte. So hat das in der Punkrockszene auszusehen." Mit 30 bis 40 Auftritten pro Jahr hat sich die Band langsam einen Namen erspielt. Inzwischen "springt auch mal ein bisschen mehr als die Fahrtkosten raus", sagt Christoph. Aber es sei ihnen sowieso nie ums Geld gegangen. An der Wand hängt zwischen Kritzeleien und Festivalpostern auch eins der "20 Beers Later Tour".

Noch bis 8. April spielen Adams Apple acht Konzerte in Deutschland, Österreich und Tschechien. "Wir haben einfach mal nach Locations geschaut und wann die Feiertage am besten liegen, wir arbeiten ja alle", erzählt Flo. Wer mehr über Musik und Tourdaten von Adams Apple erfahren möchte, kann die Band auf www.adamsapple.de besuchen. Und warum sollte man sich Adams Apple live anhören? "Weil die Show einfach was anderes ist als typischer Punk, weil Bewegung drin ist - und weil's Spaß macht!"

ber

Rubriklistenbild: © ber

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