Ein Rosenheimer Opernstar

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Die wunderbare Arie „Dove sono“ singt Sieglinde Zehetbauer als Gräfin in „Die Hochzeit des Figaro“ ergreifend.
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Gut Immling/Rosenheim - Sieglinde Zehetbauer ist als Opernsängerin in der Welt unterwegs, im Moment trifft man sie aber häufig in der Heimat. Ein kleines Interview:

Azucena aus Bulgarien, Manrico aus Kanada und Graf Luna aus Südkorea, Graf Almaviva aus Rumänien, Susanna aus den USA – das Ensemble des 16. Opernfestivals Gut Immling ist wieder einmal international. In diesem „bunten Haufen“ aus aller Welt finden sich auch zwei Künstler, die ganz in der Nähe von Gut Immling aufgewachsen sind und nach wie vor hier leben. Sieglinde Zehetbauer aus Rosenheim und Andreas Smettan aus Flintsbach sind beim diesjährigen Opernfestival sogar in mehreren Rollen im Einsatz. Sieglinde Zehetbauer singt die Gräfin in „Die Hochzeit des Figaro“, Ambra in „Der Brandner Kasper – eine bairische Oper“ und Woglinde in „Das Rheingold“.

Welches Gefühl ist es für Sie als Rosenheimerin, in Immling gleich in mehreren Opern zu singen?

Es fühlt sich für mich als Rosenheimerin und gebürtige Prienerin wirklich gut an, dass ich beim internationalen Opernfestival Gut Immling so sehr geschätzt werde. Ich genieße es in vollen Zügen, so viele Seiten meiner Sängerpersönlichkeit entfalten zu können. Zudem habe ich dieses Jahr zu meinem "bayrischen Jahr" erklärt. Es ist das erste Mal, dass man mich so viel bayrisch reden und singen hören kann. Wann hat man als Opernsängerin schon die Gelegenheit dazu? Neben französisch, italienisch, lateinisch und deutsch darf ich mich beim bayrischen „Brandner Kasper“ sogar im Dirndl ausleben. Beim „Figaro“ trete ich dank der Idee von Waltraud Lehner sogar mehrsprachig in italienisch, englisch und bayrisch auf und ich freu mich unglaublich, dass das beim Publikum so gut ankommt.

Gibt es denn einen „Heimvorteil“ für Sie?

Einen Heimvorteil habe ich bei meinen Vorsingen nicht erkennen können, allein für die Gräfin musste ich drei Mal vorsingen. Hier in Immling hilft es nichts, aus Rosenheim zu kommen, es kann sogar ein Nachteil sein, da man erst beweisen muss, dass man mit den anderen Sängern aus aller Welt mithalten kann. Sehr viele Sängerinnen kommen aus der Region und der ganzen Welt hier zum Vorsingen und daher ist die Auswahl auch an regionalen Sängerinnen gerade in meinem Fach sehr groß.

Aber einen Heimvorteil habe ich bestimmt: Ich habe den Vorteil, in dieser wunderbaren Gegend zu Hause zu sein und bei den vielen Proben habe ich mich dieses Jahr schon fast häuslich in meinem Smart beim Pendeln zwischen Rimsting, Rosenheim, Breitbrunn, Immling und Bad Endorf eingerichtet. Im Gegensatz zu meinen Kollegen, die sehr lange ohne ihre Familie sein müssen, ist das für mich ein großer Heimvorteil. Auch für meine Freunde und Familie, die mich so endlich mal wieder öfters zu Gesicht bekommen. Sie freuen sich außerdem darüber, nicht so weit fahren zu müssen, um mich hören zu können.

Wie ist die Zusammenarbeit mit Ihren internationalen Kolleginnen und Kollegen, dem ganzen Immling-Team?

Ich habe schon viel mit Künstlern aus aller Welt zusammengearbeitet, aber noch nie habe ich mich in ein Ensemble so verliebt wie dieses Jahr. Es war quasi Liebe auf den ersten Klang. Bei den wunderbaren Stimmen meiner Kollegen und dem fantastischen Chor von Immling kein Wunder. Zudem ist der Umgang hier so freundschaftlich. Jeder hilft jedem, man feiert gemeinsam, verzweifelt und lacht zusammen. Speziell bei Figaros Hochzeit hatten wir eine kurze und daher oftmals sehr stressige Probenzeit und es wäre niemals möglich gewesen, so viel in so kurzer Zeit aus dieser Oper herauszuholen, ohne das Engagement und die Spielfreude meiner Kolleginnen und Kollegen und der professionellen Regie von Waltraud Lehner und der musikalischen Leitung von Cornelia von Kerssenbrock.

Oder Ludwig Baumanns Einsatz und Begeisterung für die Kinderoper Rheingold und Verena von Kerssenbrocks spannende Regiearbeit bei Brandner Kasper. Ich habe noch nie eine so intensive und begeisternde Zeit erlebt wie dieses Jahr und sie können diese Begeisterung sicher auch spüren wenn sie in unsere Aufführungen kommen!

Sieglinde Zehetbauer als Gräfin in „Die Hochzeit des Figaro“ mit ihrem jungen Geliebten Cherubino (Tijana Grujic)

Waltraud Lehners flotter Figaro bekommt sehr gute Kritiken, das Publikum ist begeistert. Was bedeutet es für Sie, die Gräfin singen und spielen zu dürfen?

Damit geht für mich ein musikalischer Traum in Erfüllung! Die Gräfin ist eine unglaublich starke, intelligente, leidenschaftliche Frau voller Sehnsucht nach Liebe und Verletzlichkeit. Sie kämpft mit allen Mitteln um die Liebe ihres Mannes, ist aber gleichzeitig leidenschaftlich verliebt in den jungen Cherubino.

Diese verschiedenen Seiten spielen zu dürfen ist jedes Mal wieder eine große Herausforderung. Dazu kommen die herrlichen Arien, die ganze Musik von Mozart, die witzigen und gleichzeitig ernsthaften Ideen der Regie und natürlich das Festivalorchester von Immling. Ich kann die Kritiker gut verstehen, dass sie von dieser Oper schwärmen.

Mozarts „Hochzeit des Figaro“ ist eine Oper, die gerne und oft aufgeführt wird. Was macht denn die Inszenierung von Waltraud Lehner so besonders? 

Besonders wird diese Inszenierung durch die intensive Personenarbeit von Waltraud Lehner, alles ist durchdacht und jedes Wort wird nicht nur gesungen, sondern fühlbar gemacht. Es war eine sehr anstrengende und lehrreiche Probenzeit für mich. Ich denke es sind diese kleinen Dinge und Ideen, Betonungen, Phrasierungen, ... die das Ganze nie langweilig werden lassen. Dazu stimmt bei uns Sängern einfach die Chemie, ich freue mich jedes Mal darauf, mit Debra Stanley als Susanna über die Männer zu lästern, darauf von Tijana Grujic als Cherubino angelächelt zu werden, auf das Lachen des Publikums nach meinem bayerischen Einschub "hobts mi?", darauf meinen Schuhtick auszuleben, mit Barbarina, also Jennifer Riedel, zu lachen, Antonela Barnat als Marcellina und Jacek Janiszewski als Bartolo anzugiften, dem Grafen Adrian Marcan im 4. Akt die Kleider vom Leib zu reißen und ihn zuvor so lange mit Kissen zu bewerfen, bis er mich um Verzeihung anfleht! Besser gehts einfach nicht!

Warum empfehlen Sie den Leserinnen und Lesern, den Figaro in Immling anzuschauen?

Warum ich den Lesern empfehle in den Figaro zu gehen? Hm... ich denke, wenn sie nur halb so viel Spaß haben wollen, wie wir ihn auf der Bühne haben, dann sollten sie so schnell wie möglich Karten kaufen und uns zusehen und zuhören, in der Pause den Sonnenuntergang genießen und im Anschluss an die Oper im Zelt den Abend bei einem Glas Wein, weiteren musikalischen Highlights und Gesprächen mit guten Freunden ausklingen lassen.

Sieglinde Zehetbauer ist noch am Sonntag, 4. August um 16 Uhr in „Das Rheingold“ zu erleben, außerdem am Donnerstag, 9. August um 19.30 Uhr in „Der Brandner Kasper – eine bairische Oper“ und am Freitag, 10. August um 19.30 Uhr in „Die Hochzeit des Figaro“.

Interview: Julia Binder

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