Von Improvisation zum Ensemble

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
John Abercrombie in Bad Aibling.

Bad Aibling (ovb) - Ein Glücksfall für die Organisatoren des Saitensprünge-Gitarrenfestivals in Bad Aibling: Mit John Abercrombie befindet sich einer der herausragenden Gitarristen des Jazz auf Europatournee.

Grund genug ihn mit in die Konzertreihe einzubauen. Mit seiner relativ neu zusammengestellten Band präsentierte der 65-Jährige aus dem Staat New York Stücke aus dem Album "Wait till you see her".

Zwei Seiten hatte der Abend für viele Hörer. Im ersten Set erschien das Quartett sehr individualistisch und verspielt. Gleich bei den ersten Klängen breitete sich eine unterschwellige, kreative Spannung aus. Treibender Untergrund auf Basis der Rhythmusgruppe von Drew Gress am Bass und dem umtriebigen Joey Baron am Schlagzeug, darüber filigranes Spiel von Abercrombie, das im Kontrast oft sphärisch und getragen wirkte. Hier und da versuchte Mark Feldman mit der Violine Impulse zu setzen, war aber mit der Aussteuerung unzufrieden und hielt sich zurück. Im Folgenden entspann sich ein Drahtseilakt aus wenigen festen Strukturfragmenten und viel freier Improvisation, so im "Anniversary Waltz", der anlässlich eines Hochzeitstags entstanden war. Immer wieder neue Klangideen die jeweils nur kurz ausgeführt wurden waren nichts für Harmoniebedürftige Hörer oder Freunde von Jazz-Standards. Überraschende Wechsel gelangen, und Baron und Gress spielten sich stark in den Vordergrund.

In der zweiten "Halbzeit" zeigte die Band ein verändertes Gesicht: In "Glass True" führte ein pfiffiges Thema die Musiker immer wieder in die Spur zurück, das Titelstück der neuen CD, eine Rodgers-und Hart-Komposition, konnte man beinah als verjazzte Parodie auf Kitsch verstehen. Sehr schön! Doch das Publikum hatte freilich von einem solchen Namen noch Größeres erwartet, und es sollte belohnt werden: In einem fulminanten, hochenergetischen Aufbau marschierte das Abercrombie-Quartett hochkonzertant und dramatisch steigernd in einem wahren Parforceritt in einen alles mitreißenden Höhepunkt. Fesselnder ging es nicht mehr. In dieser an Jan Garbarek erinnernden Komposition erwies sich Abercrombie als ein Meister auch des Konzertanten und Grenzgängerischen zwischen Jazz und Klassik. Schlagzeug-Irrwisch Baron konnte nun vollends seine Spielfreude demonstrieren und Feldman schaltete sich endlich maßgeblich ein. Das Publikum war nicht mehr zu halten - tosender Applaus für ein starkes Finale des Ensembles!

Oberbayerisches Volksblatt

Zurück zur Übersicht: Kultur

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser