Polt-erabend: Der Mensch ist dem Menschen ein Schwein

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"Der angebrochene Abend": Der besoffene Bayer (Wolfgang Reinl, links) wird von zwei Gästen (Martin Niedermeier, Mitte, und Gerd Niedermayer, rechts) unter den Augen der Bedienung (Martina Müller) malträtiert.

Rosenheim - Die Inntaler Baurernbühne Rosenheim unter der Regie von Peter Nowak spielt Gerhard Polt. Den Part der Biermösl Blosn übernahmen „Die Neurosenheimer“.

Kann man Volkskomödianten wie Karl Valentin, Loriot und Gerhard Polt nachspielen? Valentin schon, weil er schon tot und ein Klassiker ist, Loriot bedingt, weil er schon auf dem Weg zum Klassiker ist - und ob man Polt ohne Polt spielen kann, wollte die Inntaler Bauernbühne Rosenheim unter der Regie von Peter Nowak ausprobieren. Ergebnis: Es gelingt bedingt.

Das Programm im Rosenheimer Künstlerhof heißt "Polt-erabend - lustige Episoden von Gerhard Polt mit musikalischer Umrahmung". Bedingt gelungen heißt: Die nur lustigen Episoden sind ohne Polt bedingt lustig, weil man die laut meckernde Lache von Polt, die man im Ohr hat, kaum nachmachen kann und weil man zum Beispiel in dem Sketch "Warten auf Dillinger" schon die Polt`sche bombenschwere Intonation und nölige Penetranz braucht, jedes Mal, wenn "der Dillinger" genannt wird: Nur so bekommt das Warten auf Dillinger die absurde Färbung eines Warten auf Godot. Wirklich lustig war die Suche nach einem repräsentativen Buch "fürn Alisi" in der Buchhandlung, Gerd Niedermayer hatte da die typisch Polt"sche bayerische Unbekümmertheit der normalen Dumpfheit drauf. Ganz reizend war der kleine Georg Hiemer in "Der Maßanzug", der mit genervter Leidensmiene ertragen musste, dass seine Eltern ihm einen drei Nummern zu großen Anzug kaufen, weil die nächsten Beerdigungen sicher schon anstehen.

Besser noch gelangen die bösen Sketche: "In der Arbeitsagentur" versuchen drei Arbeitsagenturbeamte einen Arbeitssuchenden (Rudi Lardong) arrogant-herablassend fit für den Arbeitsmarkt zu machen. Das Amt ist voll durchdigitalisiert und weiß alles über den Arbeitssuchenden. Hier kann Gerti Aicher, die für "Multimedia" zuständig ist, brillieren, weil alle Computerseiten auf der großen Leinwand deutlich aufleuchten. Am Schluss raten die Beamten ihrem Schützling zu einem "emotion skill approachment" und ernten brüllendes Gelächter im Publikum, als sie ihm einen Job als "Freundlichkeitsdarsteller bei der Rosenheimer Landesgartenschau" andienen. Immer böser werden die Sketche: Zwei "Freunde" (Gerd Niedermeyer und Bernd Metzger) machen sich im "Freitagabendzug" gemein lustig über ihren Freund, der gekündigt worden ist und sich deswegen betrunken hat. In "Der angebrochene Abend" malträtieren zwei norddeutsch näselnde Macho-Vertretertypen (Martin Niedermeier und Gerd Niedermayer) den deprimiert vor sich hinsaufenden Bayern (Wolfgang Reinl in bemitleidenswerter Besoffenheit) mit Biergüssen, Wienerwürstln und Ketchup, von der energischen Bedienung (Martina Müller in bester Volksschauspielkunst) kaum zu behindern: Der Mensch ist dem Menschen ein Schwein - Polt würde wahrscheinlich sagen: eine Sau.

Den Part der Biermösl Blosn übernahmen "Die Neurosenheimer", eine lustige Weibertruppe mit Tubamann (Tobi Hegemann), die wirklich gute Liadln auf Alltagsproblemchen singen und spielen, übers "Bled fragn", über die leidige Partnersuche, über ihre Nudelsucht und über die nervende Mutterfrage: "Hast du a lange Unterhosn o?" Das voglwild kostümierte Quartett (zusätzlich zum Mann Katl Zellner, Marita Gschwandtner, Karo Rottmoser: allein schon eine bairische Namen-Posie!) bringt das Publikum sofort mühelos zum Mitsingen und so in Stimmung und auch ein Lied über die Landesgartenschau: die Einsamkeit einer Rose, die Gefährten sucht, woraus die Landesgartenschau erwächst: Dies könnte die offizielle Landesgartenschau-Hymne werden! Herr Landesgartenschau-Kulturbeauftragter Kirmaier, übernehmen Sie!

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