Brandner Kaspar schaut ins Paradies

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Hier ist zwischen dem Boanl und dem Kaspar die bettlegrige Brandnerin zu sehen.

Ising - Zum 60. Jubiläum des Gymnasiums LSH Schloss Ising begeistern die Theater- und Musikgruppen derzeit mit dem bayerischen Stück „Der Brandner Kaspar schaut ins Paradies“.

Der zweiten Aufführung am Sonntag wohnten über 400 Besucher bei. Am Dienstag, den 30. April,  um 19.30 Uhr hebt sich der Vorhang zum letzten Mal.

Als Vorlage habe man sich ganz bewusst für die Fassung von Joseph Lutz und gegen jene von Kurt Wilhelm entschieden, weil in letzterer Sätze vorkämen, die „angesichts unserer internationaler Isinger Schüler denkbar unpassend gewesen wären“, so Gymnasiallehrerin Dr. Karin Biller, unter deren Regie das Schultheater in den letzten 17 Jahren zu einer festen Institution geworden ist. Das aktuelle Stück spielt um 1810 am oberbayerischen Tegernsee. Der Brandner Kaspar, grandios gespielt von Antonio Prokscha (10. Klasse), hat viele Schicksalsschläge erlitten, seine beiden Buben sind bei der Niederschlagung des Tiroler Aufstands um Andreas Hofer gefallen und seine geliebte Frau, dargestellt von Pia Günthner, stirbt kurz darauf völlig unerwartet. So routiniert und überzeugend wie Prokscha als urbayerischer Brandner auftritt, ist es kaum zu glauben, dass er den bairischen Dialekt in den vergangenen Monaten erst mühsam erlernen musste. Gleiches gilt auch für seine kongeniale (Wider-)Partnerin Tarfa Bachan (12. Klasse), der die Rolle des Boanlkramers wie auf den Leib geschneidert ist. Brandners Liebe zur Natur und vor allem seine ungebrochene, fast jugendliche Vitalität zeigt sich an seinem 80. Geburtstag, bei dem er vom bayerischen König geehrt wird und mit seinen zahlreichen Freunden ausgelassen feiert. In allerbester Oktoberfest- Manier wird bis in die Nacht hinein getanzt, geschunkelt und getrunken, was das Zeug hält. Doch als der Brandner müde nach Hause kommt, wartet ein ungebetener Gast auf ihn – der Tod. Da er aber wie sein Vater 90 Jahre alt werden möchte, überredet der mit allen Wassern gewaschene Kaspar den Boanlkramer zum Kartenspiel um weitere zehn Jahre. Der „Kerschgeist“ ist dem Gastgeber dabei ein wichtiger Gehilfe und der beschwipste Boanl weiß gar nicht, wie ihm geschieht. Als der „Grünober“-Schwindel im Himmel dem Portner Petrus, gespielt von Leo Steinbacher, zu Ohren kommt, hat der reumütige, vom schlechten Gewissen geplagte Boanlkramer ein Problem: Er muss sein Versprechen brechen oder den Kaspar zum „Einischaun ins Paradies“ überreden. Mit ihrer einzigartigen Bühnenpräsenz und mimischen und stimmlichen Ausdruckskraft gibt Darstellerin Bachan dem Boanl alles, was dieser für sein schwieriges Unterfangen benötigt, doch reicht dies aus? Und wird die Sehnsucht des Familienmenschen Brandner nach einem Wiedersehen mit seiner Frau, seinen Söhnen und seinen Eltern im Paradies über den Altersstarsinn und alle irdischen Verlockungen obsiegen? 

In den weiteren Rollen glänzen Felix Urban als „Jagersepp“, Eleni Alexandridis und Miriam Baumann als Sennerinnen, Clara Rauschendorfer als Liesl, Anna Freutsmiedl als Resi, Lena Böttger und Fabio Rinser als Kaspars Eltern sowie Eric Kind und Michael Schön als Kaspars Söhne. Viele weitere Darsteller treten als Wirtspersonal und deren Gäste, Touristen, Flügelengel und Wolkenengel in Erscheinung und tragen ihren Teil zu einem rundum gelungenen Gesamtkunstwerk bei. „Unsere Inszenierung in bairischer Sprache will mit viel Wärme und Menschlichkeit den Schrecken des Todes verblassen lassen“, versprach Regisseurin Biller und ihre Schützlinge setzten es bei den bisherigen Aufführungen grandios um. Monatelang hatten sie ausschließlich in ihrer Freizeit geprobt.

Für die passenden Klänge sorgten der Schulchor und die vielseitige Bigband unter der Leitung von Musiklehrer Frank Schöftenhuber. Ludwig Zacherl bestach mit einem Trompeten-Solo. Insgesamt wirken rund 80 Schüler aus allen Jahrgangsstufen an der aufwendigen Inszenierung mit, einige sogar in mehreren Funktionen. Für das Bühnenbild zeichnet Kunstlehrer Hans Kneisel verantwortlich. Moderne technische Effekte, eingespielte Geräusche, Licht- und Schattenspiele sowie eine Computer-Animation geben der Lutz-Fassung zusätzlichen Pepp. „Wir sind alle unheimlich stolz auf euch“, bedankte sich der stellvertretende Schulleiter Wolfgang Brand nach der Vorstellung bei allen Mitwirkenden, während der Applaus des begeisterten Publikums gar nicht enden wollte. Um das leibliche Wohl der Gäste kümmerte sich der Elternbeirat. Die dritte und letzte Aufführung beginnt am morgigen Dienstag um 19.30 Uhr in der alten Turnhalle. Um Voranmeldung wird gebeten unter Telefon 08667/8884-42.

mmü

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