Kritik am Sizzla-Auftritt wird immer lauter

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Sizzla

Rosenheim/Landkreis - Der geplante Auftritt des Reggae-Sängers Sizzla auf dem Chiemsee-Reggae-Summer sorgt für immer größere Aufregung. Sizzla ruft in den Texten einiger seiner Lieder zur Gewalt gegen Homosexuelle auf.

Zwei seiner CDs dürfen deswegen in Deutschland nicht verkauft werden. Trotz anhaltender Kritik hält der Festivalveranstalter am Auftritt des Jamaikaners fest.

Nachdem in der vergangenen Woche bereits die Grünen zu einem Boykott aufgerufen haben, hat nun der Kreiskatholikenrat in einem offenen Brief den Veranstalter aufgefordert, den Auftritt Sizzlas abzusagen, weil er "mit seinen Texten gegen die Menschenwürde und die Grundrechte unserer Gesellschaft verstößt". Man wolle weder Zensur gutheißen, noch die künstlerische Ausdrucksfreiheit einschränken. "Für uns ist jedoch das Aufrufen zum Erschießen und Verbrennen von Homosexuellen keine Meinung und keine Kunst, sondern Volksverhetzung."

Die Verantwortung zur Bewahrung einer lebendigen, vielfältigen, toleranten und demokratischen Gesellschaft müssten alle wahrnehmen, so stellvertretend der KKR-Vorsitzende Hans-Peter Czech und Landkreisdekan Gottfried Doll.

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Auch die SPD-Bundestagsabgeordneten Angelika Graf (Rosenheim) und Dr. Bärbel Kofler (Traunstein) sowie die SPD-Landtagsabgeordnete Maria Noichl haben an den Veranstalter appelliert, den Auftritt des "Hassmusikers" abzusagen. Sizzla unterstütze ein Klima der Gewalt, feuere dieses an und verdiene damit sogar noch Geld, so der Vorwurf. Solange Sizzla seine Mordaufrufe nicht in Deutschland vortrage, sei juristisch nichts zu machen. "Moralisch würden wir uns jedoch von den Veranstaltern wünschen, dass sie keine Hetze gegen Minderheiten unterstützen, auch nicht indirekt." Die drei Abgeordneten rufen dazu auf, das Festival oder zumindest den Auftritt von Sizzla zu boykottieren. Auch die Rosenheimer Jusos haben zum Boykott des Festivals aufgerufen. Man sei empört, dass der Künstler, der teilweise für Gewalt an gleichgeschlechtlich lebenden Menschen plädiere, eine Plattform erhalten soll.

Michael Buchholz von Seiten der Veranstalter hält dagegen an dem Auftritt des umstrittenen Künstlers fest: "Wir sind auch gegen Homophobie, aber wir verwehren uns gegen die Reduzierung eines Künstlers, der 60 Alben auf dem Markt hat, auf ein paar Liedtexte." Darüber hinaus wende man sich gegen Zensur und Auftrittsverbote ohne Rechtsgrundlage.

In einer ausführlichen Stellungnahme eines Rechtsanwaltes wird auf homophobe Grundzüge der jamaikanischen Kultur und die bildhafte Sprache Jamaikas verwiesen. Die Veranstalter betonen, dass Sizzla sich vertraglich verpflichtet habe, keines der umstrittenen Lieder zu spielen und auch keine homophobe Äußerungen zu tätigen.

ku/Oberbayerisches Volksblatt

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