Liebe macht tot

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Zoé Alibert (links) und Marijana Savovska (rechts).

Wasserburg (ovb) - Wer von Mächtigen geliebt wird, lebt gefährlich. Wer von dem englischen König Heinrich VIII. geliebt wurde, musste mit dem Tode rechnen: Von seinen sechs offiziellen Ehefrauen wurden zwei hingerichtet.

Unter dem Titel "Macht. Liebe. Tod." hat Regina Semmler im Wasserburger Theater Belacqua die Geschichte dieser zwei Ehefrauen als Tanztheater inszeniert, passend zur Shakespeare-Saison des Theaters. Aus diesem Titel, den man auch wie eine Frage lesen kann, wird deren Antwort: Ja: Liebe. Macht. Tod. Oder als Satz formuliert: Liebe macht tot.

Was in der Sprache viele Worte braucht, kann im Tanz wesentlich kürzer erzählt werden. Der Körper kann Gefühle, Verhältnisse, Wünsche, Befürchtungen unmittelbar zeigen. Denn wir wissen: Der Körper kann nicht lügen. Im Belacqua erzählen die beiden Tänzerinnen Zoé Alibert und Marijana Savovska in einer knappen Stunde von den Verschlingungen von Liebe, Wunsch nach Macht und Pracht, Schwangerschaft, Ängsten vor Liebesverlust und schließlich Angst vor dem Tod.

Allerdings hilft Regina Semmler dem Zuschauer wenig, verwendet kaum erklärende Kostüme und fast keine Requisiten. Eine pinkfarbene Gymnastikmatte dient als Lustwiese, als starres Königinnengewand, als Versteckmöglichkeit und am Schluss als Gefängnis. Getanzt wird nach Popmusik ausschließlich von Sängerinnen, bisweilen ganz ohne Musik - Minuten, in denen man als Zuschauer geradezu nach Musik lechzt, weil nur diese die Körper erst richtig in Schwingung versetzt.

Zoé Alibert und Marijana Savovska zeigen so fast ohne Hilfsmittel gelöste, hoffnungsvolle Liebe, indem sie den ganzen Raum durchtanzen, körperliche, intim-zärtliche Liebe auf dem Lotterbett, quälende und doch freudvolle Schwangerschaft (Regina Semmler erinnert dabei an die Schwangerschaft von Anne Boleyn im Jahre 1534, von der man nicht weiß, ob sie vorgetäuscht, eingebildet oder echt mit Fehlgeburt war) mit schönen Fingerspiele am Bauch, Stolz auf die Königinnenrolle durch hoheitsvoll-triumphales Aufgerichtetsein, Liebes- und Liebesmacht- und Eifersuchtskämpfe mit synchronen Tanzfiguren.

Am eindrucksvollsten ist das Schlussbild: Beide Frauen zittern vor Angst vor dem Henker, dessen Schritte immer wieder akustisch durch den Raum wandern, krallen sich an die Gefängnis-Matte, die eine hektisch zuckend, die andere sich konvulsivisch windend: Liebe macht tot.

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