"Musikalisch unumstritten"

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Nostalgisch geht es am Bluesnachmittag (26. März) in der Wackerhalle zu: unter anderem mit der "Music Makers Blues Foundation".

Burghausen - Der Vorverkauf für die 42. Internationale Jazzwoche in Burghausen beginnt am heutigen Dienstag. Ein erster flüchtiger Blick aufs Programm:

Es ist nicht das Festival der großen Namen - von Starpianist Chick Corea einmal abgesehen. Doch Sorgen um die Jazzwoche 2011 muss man sich deshalb nicht machen: Für reichlich Abwechslung ist gesorgt, ein bunter Querschnitt aus Tradition und Moderne wartet nicht nur auf Jazzfans, sondern auf alle Musikliebhaber.

Die Klammer bildet wie schon in den vergangenen Jahren der Nachwuchs: Die Endausscheidung des mit 15000 Euro dotierten Nachwuchs-Jazzpreises eröffnet die Jazzwoche am Dienstag, 22. März, im Stadtsaal; der "Next Generation Day" am Sonntag, 27. März, macht an gleicher Stelle den Abschluss.

Zum Auftakt in der Wackerhalle gibt sich eine Jazz-Legende die Ehre: Chick Corea, der einst mit Miles Davis und Stan Getz zusammenspielte, ehe er zum Gründervater des Jazz-Rock avancierte, tritt im Duo mit Gary Burton am Vibrafon auf.

Eine durchaus bemerkenswerte Entscheidung der Veranstalter, hat doch Chick Corea aufgrund seiner Scientology-Mitgliedschaft immer wieder für Schlagzeilen gesorgt: Vor allem in den 90er- Jahren, in denen er sich offen zu der umstrittenen religiösen Bewegung bekannte.

"Musikalisch ist er unumstritten", sagt Herbert Rießel, Erster Vorsitzender der Interessengemeinschaft Jazz Burghausen. "Und was er privat macht, ist seine Sache. Filme mit Tom Cruise laufen ja auch in unseren Kinos." Zudem habe Corea seines Wissens nach das Thema Scientology auf der Bühne nie offen propagiert.

Zugpferd der Jazzwoche 2011: Chick Corea.

"Wir kaufen ihn ja wegen seiner musikalischen Genialität ein. Alles andere interessiert uns nicht", sagt Rießel. Bedenken, dass es einen öffentlichen Aufschrei wie einst in Stuttgart geben könnte, hat er nicht. Damals, 1993, wurde Corea von einem Konzert ausgeschlossen, das im Zuge der Leichtathletikweltmeisterschaft stattfinden sollte. Der Grund: Die Landesregierung Baden-Württembergs wollte die Subventionen für die Veranstaltung streichen, falls der Scientologe spielt. "Das ist lange her", sagt Rießel. Bedenken, dass der Freistaat Bayern den Zuschuss in Höhe von 6000 Euro verweigern könnte, hat er nicht: "Das kann ich mir nicht vorstellen."

Scientology hin oder her, echte Fans werden so oder so den Weg nach Burghausen finden, ist es doch der einzige Auftritt Chick Coreas in Deutschland in diesem Jahr. Zudem wird der Pianist und Komponist mit Pauken und Trompeten empfangen: Für sein Lebenswerk erhält er einen Bronzestern auf der "Street of fame".

Zurück zur Musik: Jazz der Gegenwart in Sachen Tenorsaxofon steht am Donnerstag, 24. März, mit dem Auftritt von Joe Lovano in der Wackerhalle auf dem Programm - an einem Abend, der zunächst ganz im Zeichen der Jazz-Gitarren steht.

Mit Spannung wird der Auftritt des Posaunisten, Trompeters und Sängers Troy Andrews am Freitag, 20 Uhr, in der Wackerhalle erwartet. Unter dem Namen "Trombone Shorty" feierte er einen kometenhaften Aufstieg, Kritiker bezeichneten ihn bereits als "Prince des Jazz". Ein ungestümer Virtuose und Entertainer, der in Burghausen mit dem Quintett "Orleans Avenue" auftritt.

Nostalgisch geht es am Bluesnachmittag (26. März) in der Wackerhalle zu: mit Teeny Tucker und der "Music Makers Blues Foundation", die angesichts der Biografie und des Alters der Musiker an die Geschichte des "Buena Vista Social Club" erinnert.

Der Samstagabend (26. März) in der Wackerhalle ist traditionell zweigeteilt: Mainstream-Jazzfans wird es in die Wackerhalle zu Kurt Elling und dem Orchester von John Clayton ziehen. Im Stadtsaal gibt es ein Wiedersehen mit Dan Berglund, dem Bassisten des schwedischen Trios "e.s.t", dessen musikalischer Kopf Esbjörn Svensson 2008 bei einem Tauchunfall ums Leben kam. Berglund stellt nun seine neue Band "Tonbruket" vor und teilt sich den Abend mit dem norwegischen Jazz-Echo-Gewinner Helge Sunde.

Karten gibt es ab heute unter Telefon 08677 / 91646333, im Bürgerhaus Burghausen (08677 / 974011), in der Kartenzentrale Naue in Altötting unter Telefon 08671 / 12081 sowie im Internet unter der Adresse www.jazzwoche.com.

Wolfgang Haserer (Oberbayerisches Volksblatt)

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