Alte oberbayerische Melodien aufpoliert

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Sieben Musikstudenten aus Högling, Vagen, Mühldorf, Rimsting, Kiefersfelden, Reischach und Bad Aibling nach den Tonaufnahmen (Aufnahmeleitung Helmut Scholz, links) zur CD "Spielmusik 1800" mit Sepp Hornsteiner (rechts).

Bruckmühl - Einen Archivabend veranstaltet am kommenden Mittwoch das Volksmusikarchiv des Bezirks Oberbayern bei dem historische Melodien aus der Zeit vor 200 Jahren in neuer Besetzung erklingen.

Im Archivgebäude in Bruckmühl, Krankenhausweg 39, werden ein Notenheft und die dazugehörige neue CD vorgestellt, die "Spielmusik um 1800" aus alten oberbayerischen Handschriften und Drucken beinhalten. Es sind Musikstudenten anwesend, die unter Anleitung von Sepp Hornsteiner, dem Leiter des Volksmusikseminars der Hochschule für Musik und Theater München, einige Stücke vorspielen, wie sie auf der CD "Spielmusik 1800" zu hören sind - -und die Besucher sind eingeladen, ihr Instrument - zum Beispiel Zither, Hackbrett, Geige, Gitarre, Kontragitarre, Harfe, Querflöte, Blockflöte, Kontrabass - mitzubringen, um gemeinsam ein Stück aus dem Notenheft zu spielen.

Der stetig wachsenden Nachfrage nach Noten für Stubenmusik mit drei Melodiestimmen hat das Volksmusikarchiv und die Volksmusikpflege des Bezirks Oberbayern mit der Herausgabe dieses Notenhefts Rechnung getragen. Es ist das 15. Spielheft der Reihe "Dokumente regionaler Musikkultur in Oberbayern". Wiederum zeigt es sich, dass in der regionalen Musiküberlieferung Tradition "Weiterführen und Erneuern" bedeutet - so wie die Musikanten früher auch mit ihren Melodien umgegangen sind, diese in stetiger Veränderung und Neugestaltung gebraucht haben. Und immer ist zu den alten, bekannten, überlieferten Liedern und Weisen Neues dazugekommen - heute kann das Neue auch das neu entdeckte Alte sein.

Neuinterpretation alter Musik

"Spielmusik um 1800" - im neuen Gewand der Stubenmusik in der gegenwärtigen oberbayerischen Volksmusikpflege, das verlangt nach einigen Hinweisen auf die Herkunft und historische Musiziersituation vor 200 Jahren, von zirka 1750 bis 1830, wie sie den Stücken beigegeben sind. Die grundgelegten Melodien beziehen sich auf Oberbayern und stammen zum Beispiel aus Sachrang, München, Berchtesgaden, Laufen, Weyarn, Ingolstadt, Ettal oder Landsberg - mit kleinen Exkursen nach Südtirol und Salzburg. Die alten Quellen bezeugen die Wechselwirkung zwischen städtisch-bürgerlich-höfischer Musik und der ländlichen Musik der Zeit, ebenso auch die Wirkung von gedruckten Noten auf die handschriftliche überlieferung der Musikanten.

Es fällt auf, dass es sich bei den im Volk gebrauchten Melodien in der Regel um kurze achttaktige Weisen handelt, ein- oder zweistimmig mit eigener Begleitung, Grundbässen oder Bordun. Der Versuch, hier eine Bearbeitung für drei Melodieinstrumente der heutigen Stubenmusik (Saiteninstrumente, Akkordeon, Flöte) anzubieten, hat seinen Reiz in der Neuinterpretation alter Musik in heutiger Zeit. Einiges wurde auch in Neugestaltung dazugefügt und manche Melodie in neue Formen gegossen, sodass für eine schöpferische Weiterentwicklung der oberbayerischen Volksmusik auf der Basis der Tradition gesorgt ist.

Besonders erwähnenswert ist die Zusammenarbeit des Bezirks Oberbayern mit der Hochschule für Musik und Theater in München: Alle in dem Notenheft und der neuen CD enthaltenen Instrumentalsätze wurden von Sepp Hornsteiner, dem Leiter des Volksmusikseminars (ehemals Richard-Strauss-Konservatorium), erstellt. Sepp Hornsteiner benutzt in seiner Ausbildungsarbeit in beispielhafter Weise die Bestände des Volksmusikarchivs: Er führt seine Studenten an die musikalische überlieferung unserer Heimat heran und vermittelt ihnen die Kenntnisse, die alten Melodien für heutige Besetzungen neu zu bearbeiten.

Anmeldung erforderlich

Auf Anregung von Volksmusikanten bietet das Volksmusikarchiv die Stücke des Notenhefts nun auch als Hörproben an. Auf der vorliegenden CD "Spielmusik 1800" ist jedes Stück zwei- oder dreimal zu hören, in unterschiedlicher Interpretation und Instrumentierung - nicht als Vorgabe, sondern als kleine Anregung für das eigene Musizieren.

Besonders zu danken ist den Musikanten für ihr Engagement, so dem "Ensemble Saitentanz", den Musikantenfreunden um Petra Kleinschwärzer und besonders Sepp Hornsteiner und seinen Studenten. Sie haben gemeinsam mit Helmut Scholz ein abwechslungsreiches und vielfältiges Hörbild erstellt, das die Melodien aus der oberbayerischen Musiktradition um 1800 heute neu und selbstständig zum Klingen bringt. Ein paar Beispiele davon können die Besucher am Mittwoch, 1. Juli, ab 20 Uhr im Volksmusikarchiv in Bruckmühl erleben.

Der Eintritt zum Archivabend ist frei, für Getränke ist gesorgt. Aufgrund des beschränkten Platzangebots ist eine Anmeldung unbedingt notwendig unter der Telefonnummer 08062/5164.

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