Der Prinzregent und seine Zeit

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Erinnerungen an Prinzregent Luitpold in all seinen Facetten waren beim Festabend geboten.

Bad Aibling - "Der Prinzregent und seine Zeit" - unter diesem Titel luden der Historische Verein und die Volkshochschule Bad Aibling zu einem Festabend ins Novalishaus ein.

Am Mittwoch ist sein 100. Todestag. Bürgermeister Felix Schwaller, bei beiden Gremien Erster Vorstand, führte in das Thema ein, wobei er natürlich besonders die Beziehung Bad Aiblings zu Prinzregent Luitpold hervorhob.

Das Prädikat "Bad" wurde der Stadt 1895 von Luitpold verliehen und 1901 wurde die Knabenschule am Hofberg auf seinen Namen eingeweiht. Für eine geschichtliche Einordnung der Prinzregentenzeit sang der Männerchor Bad Aibling ein Lied auf den König und Claudia Bonitz ließ als Sissi ihrer Wut und ihrer Trauer über den Tod Ludwigs II. wortgewaltig freien Lauf.

Nicht wenige, so der Referent des Abends, Gerhard Schulz, machten Luitpold, der vier Tage vor dem immer noch rätselhaften Tod des entmündigten Märchenkö-nigs die Regentschaft übernommen hatte, für dessen Tod verantwortlich.

Da Ludwigs Bruder Otto geisteskrank war, wurde er zwar nominell König. Als Regent "des Königreichs Bayern Verweser" aber wurde am 28. Juli 1886 der Onkel der beiden, Prinz Luitpold vereidigt. Am 12. Dezember 1912 - vor 100 Jahren - starb er mit 91 Jahren nach einer 26-jährigen Regentschaft, die nostalgisch als die "gute alte Zeit" gerühmt wird.

Tatsächlich war es eine Zeit ohne Krieg, geprägt von Ruhe und Stabilität, eine Zeit der kulturellen Blüte, die im Gegensatz zu den Grauen davor und danach als goldene Zeit empfunden wurde. Möglich war das durch die starke Zentrumspartei, die sich auf die Katholische Kirche, katholische Vereine und das katholische Bürgertum stützte. Dass dies auch schon zu dieser Zeit nicht ganz unumstritten empfunden wurde, schilderte Ludwig Thoma satirisch in seinen Filserbriefen, aus denen Klaus Huber als Josef Filser vorlas.

In einem zweiten Block stellte Schulz den Prinzregenten, dessen Konterfei die Bühne zierte, als bescheidenen, moralisch intakten, tugendhaften, seriösen Menschen vor, der sich nach der anfänglichen Ablehnung bald allgemeine Sympathie und Wertschätzung erwarb.

Nach kurzer Ehe, aus der vier Kinder hervorgingen, lebte er 48 Jahre lang skandallos als Witwer. Volkstümlich, tolerant, mildtätig, aber auch reiselustig und kunstsinnig wurde er erlebt und so nimmt es nicht Wunder, dass unzählige Bauwerke, Schulen, Straßen und Gärten nach ihm benannt sind.

Ein eigenes Kapitel widmete Schulz dem Thema Jagd, die neben dem Sport Luitpolds große Leidenschaft war. Dass dieser bodenständige Naturmensch auch ein großer Förderer von Kunst war, mag verwundern. Selbst als Maler ausgebildet durch Domenico Quaglio, habe er die Künstler gefördert, auch die jungen, avantgardistischen, provozierenden des Expressionismus, die vom einfachen Volk nicht verstanden wurden, wie Klaus Huber aus den Filserbriefen "über die Kunst" vorlas. Luitpold aber schätzte die Künstler, zu denen auch Wilhelm Leibl aus der Region zählt, oder Franz Marc und Wassily Kandinsky.

Luitpold, der "gläubige, ehrliche und anständige Katholik", so Schulz wörtlich, gab der Religion den ihr zustehenden Platz, aber nicht mehr. Er führte die Fußwaschung am Gründonnerstag wieder ein. Seine regelmäßige Teilnahme an den Fronleichnamsprozessionen fand im Lied "Schön ist's mit dem Umgang gehn", vom Viergsang des Männerchors humorvoll dargeboten, seinen bleibenden Niederschlag.

In der Pause bot Bäckermeister Hans-Peter Rott Prinzregententorte an. Zum 90. Geburtstag des Regenten war diese "erfunden" worden, ein Jahr vor seinem Tod. In eben diesem Jahr zeigten auch die Aiblinger mit der Gründung des Arbeitergesangvereins das wachsende Selbstbewusstsein der Arbeiterklasse, das im "Arbeitergruß" und dem Lied "Wir wollen frei und einig sein" den Übergang in eine andere Zeit signalisierte. Die Mitglieder des Männerchors Bad Aibling unter der Leitung J. Behrens schlüpften dafür aus ihrer Tracht in Arbeiterkluft und brachten die Standarte von 1911 auf die Bühne.

Zur Abrundung des Zeitbilds lasen Susi Schönach als Mari Filserin und Klaus Huber als Landtagsabgeordneter Josef Filser aus den Briefen, in denen das alleingelassene Eheweib wenig Verständnis für die "Regierungsarbeit" ihres "Haderlumpen" zeigt.

Ludwig Engelmayer setzte mit seiner Zither musikalische Zäsuren, die Lieder des Männerchors waren auf den Vortrag abgestimmt, der zu keiner Sekunde trocken oder langweilig wirkte. Mit einem Augenzwinkern meinte Schulz, der jedes Jahr bei der VHS einen Vortrag über die Wittelsbacher anbietet, zum Schluss, der Prinzregent sei ihm in der Nacht erschienen und habe gebeten, die Königshymne zu singen. In moderner Anpassung sangen alle Teilnehmer stehend die Bayernhymne.

dwa/Mangfallbote

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