Kulturpreis für die CubaBoarischen

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Kulturpreisträger 2012

Rosenheim - Die "CubaBoarischen" haben den Kulturpreis 2012 des Landkreises Rosenheim erhalten. Doch nicht nur sie wurden geehrt:

Landrat Josef Neiderhell ehrte die „CubaBoarischen“ im Kultur- und Sportzentrum in Feldkirchen-Westerham. Mit dem Kulturförderpreis wurden Johannes Berger und die Gruppe Levantino ausgezeichnet. Zudem ging der Kultursonderpreis an die beiden Schäfflertanzgruppen aus Kolbermoor und Wasserburg. Der Kulturreferent des Landkreises, Klaus Jörg Schönmetzler, begeisterte wie so häufig mit seinen Laudationes.

Schon in seiner Begrüßung beglückwünschte Landrat Neiderhell alle Preisträger: Wir alle, die wir politisch Verantwortung tragen, wollen ihnen herzlich gratulieren. Zu den CubaBoarischen meinte er, sie sind weltoffen, gemütlich, in dieser Art einmalig. Kulturreferent Schönmetzler beschrieb die Gruppe anders und doch ähnlich. Nach seiner Ansicht sind sie zu einem bayerischen Ur-Phänomen, einer Art musikalischen Wolpertinger mutiert. Wie soll man das nun nennen, fragte Schönmetzler. Die erste und einzige bayerische Blaskapelle mit Buena Vista Sound? Oder die erste und einzige kubanische Salsa-Band, die den Wildschütz Jennerwein, eine Zwiefachen und das berühmte „Rehragout“ im Programm hat?

Die Erfolgsgeschichte begann im Jahr 2000, als die Vagener Volksmusikanten Hubert und Andreas Meixner und ihr Kollege Michael Mayer in den Urlaub nach Kuba flogen. Dort sahen sie sich, wie es Schönmetzler beschrieb, urplötzlich in der Hotelbar volle zwei Nächte lang in eine Art bayerisch-kubanische Jam-Session, oder wahlweise einen kubanisch-bayerischen Hoagascht verwickelt. Die drei entdeckten ihre Liebe zur kubanischen Musik. Sie knüpften Kontakte zu Musikern der Karibikinsel und stellten rasch fest, dass sich bayerische und kubanische Rhythmen ideal verschmelzen lassen. So kombinierten sie, zurück in der Heimat, Salsa mit Polka, Cha Cha Cha mit alpenländischen Hochzeitsmärschen und Chan Chan mit Zwiefachen und gründeten gemeinsam mit Freunden die Formation der CubaBoarischen.

Mit ihrem einzigartigen Sound wurde die Gruppe inzwischen zu einem der berühmtesten bayerischen Ensembles mit zahlreichen Fernseh-Auftritten, vier CDs und umjubelten Konzerten unter anderem im Münchner Prinzregententheater, im Circus Krone, im Olympiapark, bei Staatsempfängen und anderen herausragenden Anlässen. Mehrere Besuche in Kuba sowie Gastspiele im In- und Ausland festigten ihren Ruf als musikalische Botschafter Bayerns. Dabei blieben die CubaBoarischen stets der eigenen Region verbunden und sind beim Rosenheimer Sommerfestival ebenso präsent wie bei „Kultur im Park“ in Bad Aibling. Auch behielten die Band-Mitglieder trotz des professionellen Managements als Musiker bis heute ihren Amateurstatus.

So zählen die CubaBoarischen international zu den herausragenden Repräsentanten weltoffener bayerischer Kultur und zu den renommiertesten musikalischen Aushängeschildern des Landkreises Rosenheim. Stellvertretend für die gesamte Gruppe bedankte sich Andreas Meixner für den mit 5.000 Euro dotierten Kulturpreis. Die Eindrücke vor 12 Jahren waren so groß, erzählte er, dass sie bis heute nachwirken. Meixner versprach, dass man in dieser Weise weitermachen wird.

Ein großartiges musikalisches Talent

Mit dem in Oberaudorf aufgewachsenen Johannes Berger kann der Landkreis erneut ein großartiges musikalisches Talent mit dem Kulturförderpreis ehren. Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm, meinte Schönmetzler. Gerade mal drei Jahre nach dem Vater wird jetzt der Sohn ausgezeichnet. Aber was soll man machen, wenn einer derart irrsinnig begabt ist. Schon im Alter von elf Jahren wurde Johannes Berger in den Kreis der Schüler des Münchner Orgelprofessors Franz Lehrndorfer aufgenommen. Es folgten erste Konzert-Erfahrungen an der Orgel, die nach und nach durch weitere Auftritte in Belgien, Österreich, Italien, Schweiz, Slowenien, Tschechien und Südamerika ausgeweitet wurden. Beim Wettbewerb des Deutschen Musikrates „Jugend musiziert“ gewann Johannes Berger den 1. Bundespreis im Fach Orgel.

Nach dem Abitur am musischen Iganz-Günther-Gymnasium Rosenheim studierte er an der Hochschule für Musik und Theater in München das Konzertfach Orgel bei Professor Harald Feller und Katholische Kirchenmusik. Aufgrund seiner hervorragenden Leistungen wurde er von der Hochschule für das „Deutschlandstipendium“ ausgewählt. Im vergangenen Jahr absolvierte er seine künstlerische Orgel-Diplomprüfung mit der Note 1,0, seitdem befindet er sich in der Meisterklasse.

Ebenfalls 2011 gewann Johannes Berger den renommierten internationalen Orgelwettbewerb „Grand Prix Bach de Lausanne“ in der Schweiz. Das Publikum dort honorierte seine Leistungen zudem mit dem Publikumspreis.

Neben Solokonzerten wirkt Johannes Berger in verschiedenen Ensembles mit. Des Öfteren wird er zudem für CD-, Fernseh- und Radioproduktionen engagiert. Seit 2009 ist er Organist und Kustos der größten Freiluft-Orgel der Welt in Kufstein. Landrat Neiderhell äußerte die Hoffnung, dass er in ein paar Jahren vielleicht ein großer Meister ist. Johannes Berger selbst erinnerte an seine Mutter, deren Todestag sich in Kürze zum zehnten Mal jährt und dankte seinen Eltern für die starke Förderung.

Mit dem Kulturförderpreis 2012 wurde ebenfalls die Gruppe Levantino geehrt. Michl Bloching an Klarinette, Saxophon und Akkordeon, Tom Wörndl an der Gitarre, Max Bloching am Kontrabass, im Konzert verstärkt durch den Schlagzeuger und Percussionisten Fabian Rösch spielen Musik, die sie lieben. Was die Gruppe darunter versteht, lässt sich auf ihrer Internetseite nachlesen. Da ist von der Liebe für warme Klänge vom Mittelmeer die Rede, aber auch von der wilden Leidenschaft des Balkans und der Coolness der amerikanischen Westküste. In Levantinos Weltmusik, die unter anderem aus Jazz, Klezmer und den aus Portugal stammenden Fado besteht, wird von lauen Sommerabenden, von rauschenden Festen im Süden oder von der Einsamkeit und Melancholie unter dem Sternenhimmel des Pazifik erzählt. Nichts daran ist konventionell, sagte Schönmetzler in seiner Laudatio, nichts platt vorhersehbar und nichts ist festgeschrieben. Levantino-Konzerte sind Abenteuer-Urlaube für die Ohren.

Das Quartett, dessen Anfänge im Gymnasium Bad Aibling zu finden sind, arbeitet im Moment an ihrer ersten CD. Anfang kommenden Jahres soll das Album erscheinen. Michl Bloching lobte in seinem Statement den Landkreis dafür, einen Förderpreis zu vergeben und ergänzte: Es war auch eine gute Idee, dass wir ihn bekommen. Levantino will das Preisgeld in Höhe von 2.500 Euro für die CD-Produktion verwenden.

Der erste Wasserburger Schäfflertanz

Etwas Besonderes ist Dank seines Sieben-Jahre-Rhythmus der Schäfflertanz. In seiner Laudatio erinnerte Schönmetzler an ein Ereignis vor über 100 Jahren, das beide Schäfflergruppen aus dem Landkreis miteinander verbindet. Am 4. Februar 1907 wurde einem

Auftritt der Kolbermoorer Schäffler in Wasserburg buchstäblich in letzter Minute die behördliche Genehmigung versagt. Dieses Verbot ließ die Wasserburger nicht ruhen und so organisierten sie zwei Jahre später im Rahmen einer Faschingsfete einen eigenen kleinen Schäfflertanz. Daraus sollte mehr werden. Zwei Jahre wurde diskutiert und abgestimmt. Letztendlich fand im Februar 1912 bei strahlendem Kaiserwetter der erste Wasserburger Schäfflertanz vor gewaltiger Zuschauerkulisse vor dem Rathaus statt.

Die Geschichte des Kolbermoorer Schäfflertanzes ist für Schönmetzler ein Muster für geglückte Integration. Die zugewanderten Arbeitswilligen von Tirol bis Böhmen hungerten offenbar nach Identität, nach Heimat und Geselligkeit. Und so wurde im Jahr 1886, also 25 Jahre nach der Errichtung der Kolbermoorer Baumwollspinnerei als Keimzelle des Ortes, der Tanz nach Münchner Vorbild erstmals von der „Schäfflertanz-Vereinigung Kolbermoor“ aufgeführt. 2011 begingen die Kolbermoorer Schäffler ihr 125. Jubiläum, das – dem siebenjährigen Turnus des Brauchs entsprechend – jedoch erst 2012 öffentlich gefeiert und in einer Festschrift gewürdigt wurde.

Nur durch das hohe ehrenamtliche Engagement ihrer zahlreichen Mitglieder und Beteiligten bei Proben und Aufführungen gelingt es, diesen ebenso schönen wie aufwändigen Brauch lebendig zu halten. So ist das Doppeljubiläum der beiden Gruppe und ihrer Vereine ein idealer Anlass, die Schäffler mit dem mit je 1.500 Euro ausgestattete Kultursonderpreis 2012 des Landkreises Rosenheim zu würdigen.

Es war eine ausgesprochen gelungene Veranstaltung, die ein kleines Zitat am Rande auf den Punkt bringt. Nachdem die jungen Musiker von Levantino ein Stück zu Ende gespielt hatten, wandte sich ein Mitglied der CubaBoarischen an seinen Nachbarn und meinte nur kurz: Schee, gell!

Pressemitteilung des Kulturamts Rosenheim

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