Nicht nur die Stimme zählt

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Befreites „Brindisi“-Singen nach der Preisverkündung. V. l. n. r. Carlos Natale , Preisträger Lied, Keija Xiong, 1. Preis, Jeong Kyu Kim, 2. Preis + Publikumspreis, Guibee Yang, 3. Preis + Publikumspreis, daneben die nicht prämiierten Sängerinnen Hee Kyung Jung und Sijia Lu.

Immling (OVB) - "Nessun dorma" schmetterte ein Kleiderschrank von einem Südkoreaner in den Kursaal der Chiemgau-Thermen von Bad Endorf. "Keiner schlafe!", hieß das - und war als Ohrenschmaus willkommen, als Appell an die hochgespannte Zuhörerschaft aber unnötig.

Denn sie war wach, und die hochkarätige Jury am langen Richtertisch quer durchs Publikum war wachsam. Schließlich ging es im "zweiten Lions-Gesangswettbewerb Gut Immling" um die Wurscht, exakt: um insgesamt 2700 Euro. Zwölf junge Sängerinnen und Sänger aus Europa und aus Fernost plus ein kaum 18-jähriges "Küken" aus Österreich mit Sonder-Status traten beim Finalistenkonzert an, um drei Haupt- und ebenso viele Sonderpreise zu gewinnen, aus denen, dank der Generosität von Intendant Ludwig Baumann und des Lions-Club-Distrikt-Süd-Governors Uli Dreistein, am Ende der mehrstündigen Veranstaltung neun wurden. 67 Sänger aus 16 Nationen, die nicht älter als 33 Jahre sein durften, waren ursprünglich angetreten und hatten die Tage zuvor der Jury vorgesungen.

Die hatte das Publikum; denn es wurde durch die Darbietung von 23 verschiedenen Arien, Liedern, Chansons unterschiedlichen Genres, Schwierigkeitsgrades und Ausmaßes genussreich entschädigt. Die Hälfte der auftretenden, von den drei Begleitern am Flügel Kamilla Akhmedjanova, Eric Chumachenco und Adrian Suciu sicher und einfühlsam unterstützten Solisten kam aus Asien, - China und Korea. Besonders die Damen, allesamt aus dem eher weniger seltenen Sopranfach, glänzten - wenn nicht durch hohe Stimmkultur, dann durch Anmut, Pfiffigkeit und Grazie. Das vereint sich in der zarten Guibee Yang - und sie trug auch zwei Preise davon, einen (von der Firma Meggle gestifteten) dritten und einen der beiden Publikums-Preise, die per Fragebogen ad hoc ermittelt wurden.

Um den musikalischen Nachwuchs ist es, wie mehrfach betont wurde, den Stiftern zu tun - und so verteilte man den Nachwuchspreis auf die noch unerfahrene Innsbruckerin Johanna Kapelari und die aus München angereiste, einzige angetretene Mezzosopranistin Ulrike Malotta. Über 500 Euro (vom "OVB Medienhaus") beziehungsweise doppelt so viel (vom Lions-Club International, Distrikt Süd) freuten sich der Zweitplatzierte und weitere Publikumspreisträger, der koreanische Puccini-Spezialist, Jeong Kyu Kim, und der fieberkranke, vor Glück über den Hauptpreis in Tränen ausgebrochene gebürtige Pekinger Kejia Xiong, 27 Jahre alt und Student an der Hanns-Eisler-Hochschule für Musik in Berlin. Sein edles Material, seine vorbildliche Phrasierung und außerordentliche Musikalität hob der Jury-Vorsitzende mit Recht hervor. Auch den anderen Gewinnern wird nun die Möglichkeit geboten, auf der Bühne des Opernfestivals in Immling zu stehen, etwa in der von der Hypo-Vereinsbank geförderten Akademie-Produktion "Die Gärtnerin aus Liebe" von Mozart (18. Juli. und 1. August), inszeniert von Jury-Mitglied Isabel Ostermann, künstlerische Produktionsleiterin der Staatsoper Unter den Linden in Berlin.

Zusammen mit ihren mitstreitenden Xerach Alonso, Isabelle Garlicka, Sungwon Jin, Hee-Kyung Jung und Sijia Lu feierten die schon erwähnten Künstlerinnen und Künstler den durch "80 Prozent"Fleiß, Fleiß, Fleiß - und nochmals Fleiß" und "20 Prozent Begabung", so Ludwig Baumann, erzielten Erfolg bei Prosecco-spritziger "Traviata"-Fröhlichkeit.

Hans Gärtner/Oberbayerisches Volksblatt

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