Ausstellung: Spiel mit der Wahrnehmung

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Bad Aibling - "Sehenswürdigkeiten" zeigt Gerhard Prokop mit seinen Bildern in der aktuellen Ausstellung des Bad Aiblinger Kunstvereins. Dabei spielt er mit gedanklichen Konzepten.

Die 42 fotorealistischen Bilder sind Stadtlandschaften aus der Region, Deutschland und dem Ausland, die gewiss nicht die übliche Sichtweise einer Postkartenrealität zeigen.

1951 in Rosenheim geboren, erhielt Prokop bereits mit 25 Jahren eine hohe Wertschätzung mit dem Förderpreis seiner Heimatstadt Rosenheim. In Einzel- und Gruppenausstellungen zeigte er seine Werke unter anderem in Berlin, Cham, Eilat, Fürth, Graz, Landshut, Hof, New York, Nürnberg, bei der Großen Kunstausstellung im Münchner Haus der Kunst und in diversen Ausstellungen in der Region Rosenheim.

1987 erhielt er den Preis des Europarates für das Gruppenprojekt "Plastic Indianer No. 15". Als Illustrator war der Künstler für Medien und Unternehmen tätig. Gekauft wurden seine Werke unter anderem vom ADAC, der Europäischen Investmentbank Luxemburg, der Stadt Rosenheim und dem Wirtschaftsministerium von Saudi Arabien.

Als "Sehenswürdigkeiten" bezeichnet Prokop seine Bilder mit einem Augenzwinkern, sind sie doch oft nicht die idealen Stadtansichten, die man gemeinhin als solche versteht. Von modern bis verfallen reicht die Palette, vom Sonycenter Berlin bis zur Salitrera de Santa Laura in Chile, einem Salpeterwerk, das zu seiner Blütezeit ein faszinierender Bau gewesen sein muss, nun jedoch eine Ruine ist.

In einem aufwendigen Prozess entstehen Prokops Malereien. Fotos dienen dabei als Grundlage, die, zu einem Panorama gefügt, üppige Querformate bilden. In vielen Schritten erfolgt die malerische Umsetzung, die so realistische Werke entstehen lässt, bei denen man sich die Frage stellt, ob es nicht Fotografien seien. Dabei bedient sich der Künstler außergewöhnlicher Perspektiven: ein majestätischer Blick von der Cheopspyramide hinab ebenso wie eine zerfließende Sicht auf Hamburg, da es bei der Elbrundfahrt regnete und das Wasser an den Schiffsscheiben hinabfloss. Auch die Löwen des Odeonsplatzes können aus einem neuen Winkel betrachtet werden.

Menschenleer und ohne Autos sind die Bilder und wirken dadurch auch irreal, erstaunlich ruhig und ungewohnt. Die Seele von Gebäuden, ihren Konstruktionen, von Plätzen und ihren Konzepten rückt so in den Vordergrund, puristisch und präsent, bekannt und dennoch anders. Eben diese Wirkung möchte Prokop erzielen - ein Spiel mit der Wahrnehmung und dem Erkennen der Realität, die je nach Betrachtung, Blickwinkel und Zeitpunkt verändert ist.

Zu sehen sind die Werke in der Galerie des Kunstvereins Bad Aiblings im Alten Feuerwehrgerätehaus in der Irlachstraße 5 noch bis Sonntag, 8. Mai, jeweils freitags von 18 bis 20 Uhr sowie samstags und sonntags von 14 bis 18 Uhr.

Martina Andrea Fischer (Oberbayerisches Volksblatt)

Rubriklistenbild: © pa

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