Auf den Spuren der Chiemseemaler

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So wars früher – Franz Gailer zeigt die Bilder der Künstler von einst auf der Fraueninsel

Frauenchiemsee - Über 40 Teilnehmer sind den Spuren der Chiemseemaler gefolgt: Auf einer Exkursion der Städtischen Galerie besuchten sie die Schauplätze bekannter Bilder rund um den See.

41 Männer und Frauen kommen ganz schön außer Atem. Sie wandern auf die Ludwigshöhe bei Rimsting und genießen den herrlichen Ausblick über den Chiemsee. Hier ist es entstanden: das erste Bild eines Landschaftsmalers vom bayerischen Meer. Johann Georg von Dillis verewigte diesen schönen Blick auf den See 1792 auf einem Aquarell. Die Gruppe ist wegen der Chiemsee-Maler unterwegs.

Denn die Städtische Galerie Rosenheim hat eine Exkursion „Auf den Spuren der Chiemsee Maler“ organisiert. Der Anlass: die einzigartige Erlebnisausstellung „Chiemsee. Künstler. Leben…und immerfort die Sehnsucht.“ Das Programm: eine Reise an den Chiemsee zu den Wirkungsstätten jener Künstler, die vom 18. Jahrhundert an fasziniert waren von der inspirierenden Landschaft am Fuße der Alpen. Richtig losgegangen ist es mit den Malern am Chiemsee mit Max Haushofer. Seine Reise war eine weitaus anstrengendere Exkursion als die der Städtischen Galerie. „Max Haushofer ist 1828 zu Fuß von München an den Chiemsee gegangen“, erzählt Franz Gailer. „Er hat unterwegs im Stroh geschlafen, und hat sich im Einbaum über den See auf die Fraueninsel fahren lassen. Er war danach so begeistert von der Landschaft, dass er in München bei Künstlerstammtischen davon erzählt hat. Von da an kamen die Künstler hierher.“

Exkursions-Teilnehmer im Jahr 2010 haben es da besser: sie sind im Bus unterwegs. Von der Ludwigshöhe geht es weiter zu Schloss Hartmannsberg, in dem einst Leo Putz wohnte. Wo heute der Landkreis Rosenheim angehende Lehrer empfängt und Einser-Schüler ehrt, standen einst Staffeleien im Garten und im Schloss. Und einiges war damals so wie heute: die Mücken waren auch den Künstlern ein Greuel. „In rememberance of the mücken of Hartmannsberg“, schrieb der Maler Edward Cucuel auf die Rückseite seines Gemäldes vom Schloss. Für Aufsehen sorgten damals die Aktmodelle und die Aktmalereien, beispielsweise von Ferdinand von Bredt. „Da hat sich manch einer durch das Schilf geschlichen, um ein Bild auf die nackten Modelle zu werfen“, erfährt die Gruppe.

An den Grabstätten bekannter Künstler: Der Kurator der Chiemsee- Ausstellung Franz Gailer mit den Exkursionsteilnehmern.

Weiter geht es nach Gstadt und von dort aus auf die Fraueninsel, die einst bevölkert war von Künstlern. An den Stränden der Insel stand Staffelei an Staffelei, und die Zunahme der Touristenströme durch die Dampfschifffahrt sorgte für allerlei Ungemach bei Künstlern und Gästen. Franz Gailer hat einen Ordner voller Bilder dabei: von den Aktmalereien über die „Frauen im Boot“ von Leo Putz bis hin zum Bild „Die Wiese“ von Wilhelm Trübner. „Das ist interessant, diese Werke an den Originalplätzen zu sehen. Da merkt man doch, dass sich einiges verändert hat“, meint Ulrike Ott aus Teising. „Jetzt sehe ich die Fraueninsel aus einem ganz anderen Blickwinkel.“

Die Exkursionsgruppe erkundet die Insel zu Fuß und erfährt von Haus zu Haus, von Wiese zu Wiese, Details aus dem Künstlerleben von einst. Der Platz mit den 1000jährigen Linden war der schönste Malplatz, Wilhelm Leibl war zu Gast in der „Villa Stradal“, und auf dem Friedhof beim Münster auf Frauenchiemsee kann jeder nachvollziehen, wie einst Hermann Koch sein Gemälde „Beerdigung einer Klosterschwester“ schuf: Er postierte sich mit Kamera an der Friedhofsmauer und fotografierte über die Mauer hinweg das Begräbnis auf dem dahinter liegenden Klostergelände.

Anhand dieser Fotos und seinen gemalten Details aus dem Kloster fertigte er dieses Monumentalgemälde an. Den würdigen Abschluss findet die Exkursion im Gasthaus „Zur Linde“. Ein Nachbau des Stammtisches ist in der Städtischen Galerie zu sehen. Wo einst Künstler wie Karl Raupp, Julius Köckert, Friedrich Wilhelm Doppelmayr oder Josef Wopfner ihr Bier getrunken haben, genießt die Gruppe Fischspezialitäten vom Chiemsee. Inge Kohn ist extra aus Weilheim zu diesem Ausflug nach Rosenheim gekommen. „Es hat mir super gefallen“, erzählt sie. „Franz Gailer ist Experte und kann so richtig aus dem Nähkästchen plaudern. Mir hat am besten gefallen, dass wir die Gemälde mit den Originalplätzen vergleichen konnten. Jetzt hätte ich gerne noch mehr Literatur, um die Geschichte der Chiemsee Maler nachlesen zu können.“

Pressemeldung

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