"Schöne wilde Bilder" im Fürstenstock

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Sigrid Gerstacker neben 1. Bürgermeister Konrad Schupfner und Festrednerin Hiltrud Oman (li.) bei der Vernissage im Fürstenstock.

Tittmoning - Festlich, fröhlich und vor allem strahlend präsentierten sich die Ausstellungsräume im Fürstenstock auf der Tittmoninger Burg zur Eröffnung der Ausstellung „Schöne wilde Bilder“.

Das Publikum saß und stand dicht gedrängt bei der Vernissage und verweilte anschließend noch lange vor den auf zwei Stockwerken ausgestellten Werken, von Sabine Gerstacker, die durch intensiv leuchtende Farben, aber auch und vor allem durch ihre Vielfalt bestechen.

Man hatte das Wochenende des Colloredomarktes gewählt, um nach längerer Pause wieder eine Kunstausstellung auf der Burg zu zeigen. Darüber hinaus werden die Ölgemälde, Aquarelle, Druckgrafik und einige Skulpturen auch noch vom 1. bis 20. Mai (jeweils Mittwoch bis Sonntag nachmittags) im Fürstenstock zu sehen sein. Ein Besuch lohnt sich auf jeden Fall, nicht nur wegen der strahlenden Leuchtkraft der im zweiten Stock gehängten großformatigen abstrakten Ölgemälde, die mit ihren intensiven, heiteren Farben unmittelbar aufs Gemüt wirken. Vielmehr laden auch die kleineren, oft quadratischen Formate, Aquarelle und Aquatinta-Radierungen, Collagen sowie Skulpturen eine Etage tiefer ein, zusammen mit der Künstlerin die Besonderheiten jeder einzelnen dieser Disziplinen zu erkunden. Es ist bewundernswert, wie einfühlsam Sabine Gerstacker sich die verschiedensten Techniken und Materialien als Ausdrucksform aneignet, wie vielfältig Farbigkeit und Formensprache dabei variieren und wie ihre ganz persönliche Handschrift dabei dennoch immer erkennbar bleibt. In und um die drei Ausstellungsräume hat die Künstlerin dabei ihre Werke so platziert, dass der Betrachter immer wieder von erstaunlichen Funden überrascht wird, von der überlebensgroßen bemalten Holzskulptur im Treppenaufgang über eine originelle Glasmalerei auf Acrylscheibe im ersten Stock bis hin zu der bezaubernden kleinen Aquatinta-Radierung vor dem Eingang zum Trauungszimmer oben. Mit dem Begriff des „abstrakten Expressionismus“ lassen sich dabei längst nicht alle Exponate erfassen. Meint man mit „Expressionismus“, dass der Künstler dem Betrachter vor allem sein eigenes Erleben und Fühlen mitteilen möchte, so nutzt Sabine Gerstacker ihr Werk jedenfalls, um in ansteckender Offenherzigkeit Begeisterung für Gesehenes und Freude am Erlebten weiterzugeben. In der Abstraktion kann dabei das gegenständliche Motiv, an das auch so mancher Titel gemahnt, in einzelnen Details angedeutet sein und erahnbar bleiben, oder aber – besonders in den jüngsten Werken - ganz hinter dem reinen Farb- und Formenspiel in der Fläche verschwinden.

Begegnung mit der Lebensfreude

Bei der Vernissage am Freitagabend begegnete die Künstlerin ihrem Publikum als unkomplizierte, vorbehaltlos offene und ansteckend lebensfrohe Persönlichkeit. Umrahmt von festlichen Klängen des Tenorhorn-Trios der Tittmoninger Stadtkapelle (Bruni Demm-Geisberger, Margaretha Stockhammer, Maria Mayer), würdigten zunächst 1. Bürgermeister Konrad Schupfner und dann die Salzburger Kunsthistorikerin Dr. Hiltrud Oman in sehr persönlichen Ansprachen das Werk der Laufener Künstlerin.

Schupfner, den mit Sabine Gerstacker eine langjährige Freundschaft verbindet und der an ihr, wie er sagte, vor allem ihr positives Wesen und ihre Lebensbejahung schätzt, betonte, es sei sein persönlicher Wunsch gewesen, die Malerin und ihr Werk in Tittmoning vorzustellen. Er freute sich mit der Künstlerin darüber, dass so viele Gäste den Weg zur Vernissage gefunden hatten. Neben den ehemaligen Bürgermeistern der Nachbargemeinden Laufen und St. Radegund konnte Schupfner auch zahlreiche Künstler und Kunstsachverständige begrüßen, darunter der Vorsitzende des Kunstvereins Traunstein, Dr. von Mallinckrodt, und der Maler Walter Angerer. Der Bürgermeister verlieh seiner Hoffnung Ausdruck, die Ausstellung möge den Kunsthandwerk-Markt bereichern, und dankte Monika Pingitzer sowie Renate Würzinger für die Organisation. Als Rednerin zur Vernissage war Dr. Hiltrud Oman geladen, die zunächst beschrieb, wie Gerstackers Atelierfenster in der Laufener Rottmayrstraße beim Flanieren immer wieder ihre Neugier geweckt habe, noch ehe sie die Künstlerin persönlich kannte. Mit den oft wechselnden Keramikfigürchen und kleinformatigen Bildern in unterschiedlichen Stadien der Vollendung, vor allem aber ohne Preisschild, habe sie dieses Fenster als „demonstrierte Unabhängigkeit“ verstanden, als Verweis auf Freude am künstlerischen Handwerk und am Experimentieren. Dass sie durch die Ateliertür dennoch nie eingetreten sei, schrieb die Kunsthistorikerin der Grenze zu: Aus Österreich kommend, habe sie sich in Laufen nicht zuständig gefühlt, sondern als Touristin. Umso mehr freue sie das grenzüberschreitende Kennenlernen, die Einladung zur Rede und die damit verbundene Auseinandersetzung mit dem Werk Sabine Gerstackers: „Am Ende aber verbindet jedenfalls die Kunst – und lässt keine Grenze zu.“

Der schwierige Weg in die Abstraktion

Mit ihren anschließenden Ausführungen über Abstraktion würdigte die Kunsthistorikerin den durchaus mühevollen Weg Sabine Gerstackers, der letztendlich zur Leichtigkeit in ihrem Werk geführt habe. Voraussetzung für die Überwindung des Naturalismus sei nämlich zunächst dessen Erarbeitung. Als prägend für Gerstacker nannte Oman die in Italien erlernte Technik des Freskos, die zu dekorativen und ornamentalen Arbeiten an Hausfassaden und Wänden auch in unserer Region geführt habe. Zur Lieblingsmaltechnik habe sich die Künstlerin dann aber die Ölmalerei erkoren. Meisterhaft lasse sie jede einzelne Farbe in höchster Brillanz erscheinenund arbeite gekonnt mit dem Durchscheinen der verschiedenen Farbschichten auf der Leinwand. Nach Gedanken zu typischen Farbtönen Gerstackers, zu ihrer im ersten Stock gehängten großformatigen Leinwand „Marco Polo“ sowie zum jüngsten, speziell für diese Ausstellung gemalten Gemälde „Amoroso“ konnte die Rednerin zusammenfassen, wer sich auf diese Bilder einlasse, spüre die Schaffensenergie auf den Betrachter übergehen. Ganz unmittelbar beschenkte die Künstlerin nach diesen Würdigungen die Gäste, über deren zahlreiches Erscheinen sie sich sichtlich freute, mit einem Einblick nicht nur in ihr künstlerisches Schaffen: Auch das Buffet, zu dem sie nun bat, hatte sie eigenhändig vor- und zubereitet.

Dr. Gerda Poschmann-Reichenau

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