Top-Konzert ungleicher Temperamente

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Jazz mit Klassikelementen im romantischen Innenhof von Schloss Amerang boten David Gazarov am Flügel und Torsten Zwingenberger

Amerang - Freiherr Ortholf von Crailsheim konnte sich nicht nur darüber freuen, dass das Jazzduo Gazarov/Zwingenberger auf Schloss Amerang zu Gast war, auch das Wetter meinte es gut mit ihm.

Das Wetter meinte es gut mit dem Hausherrn auf Schloss Amerang. Freiherr Ortholf von Crailsheim konnte sich nicht nur darüber freuen, dass das Jazzduo Gazarov/Zwingenberger auf Schloss Amerang zu Gast war, sondern auch darüber, dass er es erstmalig in diesem verregneten Sommer wagen konnte, das Dach des festlich erleuchteten Innenhofes zu öffnen. Mit David Gazarov am Flügel und Torsten Zwingenberger an Schlagzeug und Percussion präsentierten zwei Giganten ihr Können, überschritten leichtfüßig und nahezu mühelos die Grenzen von Klassik und Jazz. Intensiv und selbstverständlich agierte das Duo untereinander, doch die Präzision und Harmonie ihres Zusammenspiels wirkte stellenweise wie nicht von dieser Welt. Dabei können Musiker kaum verschiedener sein als der armenische Pianist David Gazarov aus Baku und der Hamburger Schlagzeuger. Doch die ungleichen Temperamente bildeten eine perfekte Ergänzung.

Gazarov gilt als einer der bedeutendsten Spezialisten seiner Generation für Klassik-Jazz-Crossover. Launig erzählte er dem Publikum verblüffende Ähnlichkeiten zwischen den Melodienverläufen Frédéric Chopins und brasilianischer Jazzmusik. So streute er den ganzen Abend stets augenzwinkernd mit kleinen Tonkaskaden Ausflüge in die Klassik ein, während er sonst überwiegend beim Jazz blieb. Gazarov hatte reichlich Gelegenheit zu beweisen, dass ihm als Pianist alle pianistischen Finessen eigen sind.

Zwingenberger, eine Institution in der deutschen Jazzszene, war an diesem Abend die ideale Ergänzung zu Gazarov. Auch er besticht mit Liebe zum Detail, begeistert mit besonderer Findigkeit. Der üppige Aufbau mit perkussiven Accessoires, einen hölzernen Barhocker eingeschlossen, symbolisierte die Vielfalt. Da auch Zwingenberger nur zwei Hände und zwei Füße hat, wurde die Rassel ins Netz gepackt und gegenläufig mit dem Hi-Hat-Fuß bedient, das Waschbrett so nebenbei mit einer Hand geschabt und Shaker zwischen mehrere Finger geklemmt.

Derlei Artistik war allerdings nur Mittel zum Zweck, nicht eine Sekunde Shownummer. Sie überfrachtete auch nie den Rhythmuspart. Im Gegenteil: Zwingenberger ist ein Meister der leisen Töne, der subtilen, dafür äußerst vielgestaltigen, durchsichtigen Perkussion. Zum Auftakt des Stücks "Voyage" brillierte Zwingenberger mit einem Intro, bei dem er die Beschleunigung eines Dampfgüterzuges imitierte und sorgte so für einen Glanzpunkt vor der Pause.

Ein Höhepunkt des Abends war Duke Ellingtons "Caravan". Wer dachte, das Duo wäre hier schon an seiner Grenze, der irrte: Mit JPaul Desmonds "Take five" setzte das Duo dem Konzert klanglich wie affektiv die Krone auf. Klar zeichneten Gazarov und Zwingenberger die Konturen einiger Klassiker des American Songbooks nach und sorgten für begeisterten Applaus bei einem rundweg zufriedenen Publikum.

Christa Brockmann (Oberbayerisches Volksblatt)

 

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