Zwei Opern-Highlights auf Gut Immling

Halfing - Auf Gut Immling, dem außergewöhnlichsten Opernhaus Deutschlands, stehen heuer gleich zwei berühmte Opern auf dem Programm: "Don Giovanni" und "Aida".

Ein Esel, der den gleichen Namen trägt wie der Titelheld der gleichnamigen Oper "Don Giovanni", und dessen Darsteller Adam Kim jeden Probenmorgen mit einem fröhlichen "I-A" begrüßt: Das gibt es nur auf Gut Immling, dem außergewöhnlichsten Opernhaus Deutschlands. Dort steht heuer auch die Monumental-Oper "Aida" auf dem Festivalprogramm. In der Halfinger Opernwelt, in der Esel wie der kleine Don Giovanni den Ton angeben, werden die Besucher jedoch keine Elefanten wie in manchen Aida-Inszenierungen großer Häuser zu sehen bekommen, wohl aber ein spektakuläres Bühnenbild von Claus Hipp.

Proben in der Reithalle, Bühnenbau auf einem grünen Chiemgauer Hügel, abendliche Ensemblebesprechungen mit Blick auf einen grandiosen Sonnenuntergang, Geräusche aus der Landwirtschaft, die sich immer wieder unter hochkarätige Stimmen mischen: Auf Gut Immling schnuppern die internationalen Solisten, die aus 14 Nationen stammen, auch heuer typisch bayerische Landluft. Adam Kim aus Korea, seit 2006 im Ensemble der Staatsoper in Stuttgart, oder der gebürtige Amerikaner Derrick Lawrence, ein international gefragter Bass-Bariton, die Italienerin Rossana Cardia (Aida), zum ersten Mal auf Gut Immling, oder der Kanadier Mario Zhang, engagiert in großen Opernhäusern rund um den Globus, genießen sichtlich die familiäre Atmosphäre. Bei der Vorstellung des Programms zum 15. Festival ließen sie sich bereitwillig von Esel "Don Giovanni" die Show stehlen, lobten bayerisches Bier und die gute Stimmung im Team. Täglich werden die Solisten mit Bussen von ihren Quartieren, die mangels Hotels im ganzen Landkreis verstreut sind, nach Halfing zu den Proben gefahren.

Das von Intendant Ludwig Baumann ins Leben gerufene Festival setzt auch heuer auf ungezwungenen Operngenuss. Schwitzen oder frieren muss jedoch im 15. Jahr niemand mehr in der Reithalle - dank dem Einbau einer Klimaanlage. Gestern begann außerdem der Aufbau einer neuen Zeltstadt für Gastronomie und Partys im Anschluss an die Vorstellungen: Mit einer Fläche von 1700 Quadratmetern gehört das Zelt, das das Festival einem Förderer zu verdanken hat, zu den größten in Deutschland. Es soll in Zukunft auch für andere kulturelle Großveranstaltungen genutzt werden, kündigte Baumann an.

Heuer umweht Immling orientalisches Flair. Die Monumental-Oper "Aida" von Verdi, die die tragische Liebesgeschichte einer in Ägypten gefangenen Prinzessin erzählt, feiert am Samstag, 18. Juni, Premiere. Die berühmten Massenszenen wird es auch in der zum Opernhaus umfunktionierten Reithalle geben, versprach Regisseurin Verena von Kerssenbrock, die jedoch in erster Linie die vielen intimen Szenen der Oper herausheben wird. Die musikalische Leitung hat ihre Schwester Cornelia von Kerssenbrock, auch musikalische Leiterin des Festivals, übernommen. Ebenso aktuell wie der in "Aida" thematisierte Kampf eines unterdrückten Volkes gegen die herrschende Macht ist das Hauptthema der "Oper aller Opern" über "Don Giovanni", einem zügellosen Verführer, der die Menschen benutzt (Premiere am 24. Juni). Die musikalische Leitung hat der Chefdirigent der Münchner Symphoniker, Georg Schmöhe, übernommen. Die Regie liegt in den Händen von Petra Luisa Meyer, die bereits mit vielen Stars gearbeitet hat. Auch bei der Mozart-Oper spielen die Münchner Symphoniker, es singt der heuer stark beanspruchte Festivalchor.

Die dritte Oper "Orlando Furioso" von Vivaldi wird als Eigenproduktion der Nachwuchsakademie von Gut Immling mit jungen Gesangstalenten aufgeführt. Vivaldis turbulenten Liebeswahn inszeniert Isabel Ostermann von der Staatsoper Berlin. Als Barockspezialistin übernimmt Cornelia von Kerssenbrock auch hier die musikalische Leitung.

Musikagenten sind hier und beim Festival, das alljährlich mit 15.000 Opernfans zu den meistbesuchten Deutschlands gehört, ebenfalls Stammgast. Viele internationale Karrieren haben, so Baumann, auf Gut Immling Fahrt aufgenommen. Die frischen Darbietungen sind nach seiner Einschätzung auch der Grund dafür, dass das Festival sich eines erstaunlich "jungen" Opernpublikums mit einem Durchschnittsalter von 45 bis 50 Jahren erfreut. Bereits Kinder werden in Halfing an die Welt der Oper herangeführt - auch heuer bei der Kinder-Kulturwoche vom 9. bis 14. August und durch die Kinder-Zauberflöte am 26. Juni und 10. Juli. Das Programm umfasst außerdem ein festliches Jubiläumseröffnungskonzert mit den Münchner Symphonikern, dem Festivalchor und der Pianistin Kamila Akhmedjanova. Auf dem Programm am 19. Juni: die "Carmina Burana" von Carl Orff sowie ein Tschaikovsky-Klavierkonzert. Weitere Höhepunkte: der Sängerwettstreit "O sole Mio", eine spanische und eine italienische Nacht, ein Atelierkonzert sowie eine Lesung mit romantischen Liedern zum 100. Todestag von Mahler.

Heike Duczek (Oberbayerisches Volksblatt)

Rubriklistenbild: © dpa

Zurück zur Übersicht: Kultur

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser